A1-Ausbau: Die Gäuer Bauern wehren sich mit Mahnfeuern gegen drohenden Landverlust

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Mit den Mahnfeeuer wollen die Bauern im Gäu gegen den Kulturlandverlust protestieren (Patrick Lüthy)
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Die Feuer entzündeten sie enlang der Autobahn, die auf sechs Spuren ausgebaut werden soll (Patrick Lüthy)
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Peter Brügger, Sekretär des Solothurner Bauernverbandes (Patrick Lüthy)

Mit Mahnfeuern haben die Bauern im Gäu protestiert: Nicht nur gegen den Landverbrauch beim Autobahnausbau, sondern auch gegen weitere Projekte, die ihnen Kulturland entziehen. Der Tenor: «Wir sind sehr besorgt über den ungebremsten Verbrauch von Kulturland.» Was den Bauern Sorge bereitet, erklärt im Interview Peter Brügger, der Sekretär des Solothurner Bauernverbandes.

Das Gäu ist voller Lagerhäuser, viele Bauern haben von Landverkäufen profitiert. Und jetzt protestieren Sie gegen den Landverlust ...

Peter Brügger: Das ist kein Widerspruch. Diejenigen Bauern, die heute bauern, haben sehr selten Land verkauft. Die Landverkäufe waren von Bauern, die nicht mehr aktiv sind. Zudem gehören im Gäu über 50 Prozent des landwirtschaftlichen Landes nicht Bauern.

Die Bauern greifen mit Mahnfeuern zu einem starken Symbol. Warum?

Es ist nötig, weil man zwar davon spricht, dass man den Boden schonen muss. Die Realität sieht aber, gerade im Gäu, anders aus. Der Landverbrauch geht mit der gleichen Intensität weiter wie in der Vergangenheit.

Fast alle fahren Auto. Ist es nicht sinnlos, gegen den Autobahnausbau zu kämpfen?

Es wäre eine Illusion, wenn wir verlangen würden, dass die Autobahn nicht kommt, auch wenn es aus Sicht des Bodens die beste Lösung wäre. Deshalb stellen wir realistische Forderungen. Der Bodenverbrauch muss minimal sein und die Nachteile für die Bauern müssen kompensiert werden. Denn solche Infrastrukturprojekte sind nur der Anfang. Danach kommen bodenverbrauchende Projekte mit Wohnbauten, die Industrie. Dann gibt es mehr Verkehr und es braucht wieder Erschliessungsstrassen.

Welche Folgen hat der Rückgang von Landwirtschaftsland?

Mit dem Bodenverbrauch schmälern wir die Grundlage für unsere Ernährung. Und: Der Bodenverbrauch ist irreversibel. Überbauter Boden steht künftigen Generationen nicht mehr zur Verfügung. Es ist auch ein Raub an den Möglichkeiten der Nachkommen.

Man könnte Lagerhäuser wieder rückbauen.

Der landwirtschaftliche Boden ist ein Boden, der über Jahrtausende gewachsen ist. Man ist sehr weit, aber einen Boden, der einmal überbaut ist, kann man nicht wieder als Kulturland herstellen.

Es wird trotzdem überall gebaut. Haben wir in der modernen Schweiz das Verständnis für die Bedürfnisse der Bauern verloren?

Der Nicht-Bauer sieht die Zusammenhänge nicht immer sofort. Aber wenn ich mit Nicht-Bauern spreche, höre ich oft: Es ist verrückt, was mit dem Boden passiert. Wir müssen einfach immer wieder darauf aufmerksam machen, wie langfristig wichtig der Boden für uns Bauern ist.

Bauern wählen traditionell eher bürgerlich. In letzter Zeit aber kämpfen Sie gegen Landverlust und die Folgen des Klimawandels an. Das sind linke Themen.

Die Lebensgrundlage zu erhalten, ist kein Anliegen, das die Linke gepachtet hat. Es ist sehr stark im Bewusstsein des Bauern verankert, dass er lediglich Pächter seiner Nachkommen ist. Das war schon immer vorhanden, unabhängig von links und rechts.

Aber werden die Bauern in den traditionell bürgerlichen Parteien mit ihren Anliegen ernst genommen?

Ich stelle fest, dass der Bewusstseinswandel im Gang ist. Die Klimadiskussion wird bei den bürgerlichen Parteien noch ändern, dazu hin, dass man zu den Ressourcen Sorge tragen muss – über Eigenverantwortung und Anreize.

Was fordern die Bauern nun konkret im Gäu?

Unser Appell ist, möglichst flächensparend vorzugehen und das Land für die Bauern zu kompensieren. Dazu braucht es beim Autobahnausbau unbedingt eine Güterregulierung. Denn: Schneidet man einem Bauern 20 Aren von seinem Feld ab, kann man ihm nicht einfach anderswo 20 Aren Land geben. Denn wenn dieses Land isoliert liegt, steigert sich der Aufwand zum Bewirtschaften so sehr, dass es nicht mehr rentiert.

Mit der Revision des Raumplanungsgesetzes soll der Landverbrauch seit 2013 gebremst werden. Wirkt das Gesetz?

Es wirkt. Aber in unseren Augen noch zu wenig. Wir leiden da auch unter Fehlern der Vergangenheit. Denn lange war die Umsetzung eher mittelmässig. Dies ist nun bedeutend besser geworden. Es braucht aber noch mehr das Einsehen, so wenig Land wie möglich zu überbauen.

Vier Forderungen an die Bundesrätin

Bevor die Mahnfeuer entzündet wurden, haben sich die Bauern des Landwirtschaftlichen Vereins Gäu-Untergäu unter Präsident Philipp Hengartner auf vier Forderungen an die zuständige Bundesrätin Simonetta Sommaruga geeinigt. «Wir Bäuerinnen und Bauern spüren den Kulturlandverlust sofort und sehr direkt», schreiben sie. Kulturland sei für sie «nicht einfach eine Vermögensanlage», sondern «ein lebensnotwendiger Produktionsfaktor» für die Betriebe. «Mit jedem verlorenen Acker reduziert sich unsere Existenz massiv.» Die Bäuerinnen und Bauern bitten die Bundesrätin in einem Brief, sich dafür einzusetzen, «dass ...

  • der Ausbau der Autobahn A1 möglichst flächensparend vorgenommen wird;
  • bei den Folgeprojekten, wie der Wildtierquerung, dem ökologischen Ausgleich oder den Annexbauwerken ebenfalls auf eine Schonung des landwirtschaftlichen Kulturlandes Rücksicht genommen wird;
  • die Flächenverluste der aktiven Landwirtschaftsbetriebe zu 100 Prozent kompensiert werden;
  • die Bewirtschaftungsnachteile durch schlechtere Feldformen oder erschwerte Erschliessungen der Flur vollständig behoben werden. Dort, wo dies nicht möglich ist, sind sie zu kompensieren. Die Kompensation sollte wenn immer möglich über eine Flächenvergrösserung der aktiven Landwirte erfolgen.»
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