Ist die Region bereit für einen zu starken Franken?

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Der Aargau ist einer der exportstärksten Kantone der Schweiz. Zu Buche schlagen besonders chemisch-pharmazeutische Produkte und Erzeugnisse aus der Maschinen-, Apparate- und Elektrobranche. Diese beiden Warengruppen machten 2018 zusammen rund 9 Milliarden – oder drei Viertel aller Aargauer Exporte – aus. Beide Branchen sind klassisch für die Schweiz und auch in der Region Zofingen gibt es einige namhafte Vertreter. Exportieren tut der Aargau vor allem in die EU. Über 64 Prozent aller exportierten Produkte landeten 2018 im europäischen Währungsraum.

Ein wahrer Exportschlager der Schweiz ist auch der Franken – spätestens seit 1973, als das Bretton-Woods-System zusammenbrach. Darin war der Franken über Jahrzehnte hinweg mittels fixen Wechselkursen an den Dollar gebunden. Seit damals mauserte sich die Schweizer Valuta zu einem sicheren Hafen in der stürmischen See der Währungen. Hauptgründe dafür sind die Einführung von flexiblen Wechselkursen, die kontinuierlich wachsende Wirtschaft sowie die ruhige politische und gesellschaftliche Lage in der Schweiz.

Trotz kontinuierlich wachsender Wirtschaft gingen die Wirren der Finanzkrise 2008 auch am Finanzplatz Schweiz nicht spurlos vorbei – das Bankgeheimnis wurde löchrig wie ein Emmentaler Käse. Dennoch bewährte sich der Franken auf internationalen Finanzmärkten als sichere Anlage. Auch weil den beiden wichtigsten Handelspartnern der Schweiz, den USA und der EU, ein wahrer Währungszerfall widerfuhr.

Durch die stetig gestiegene Nachfrage entwickelte sich im Laufe der Zeit ein Aufwertungsdruck auf den Franken. In anderen Worten: Währungen, wie etwa der Euro oder der Dollar, verloren gegenüber dem Franken an Wert. Das drückte sich in tiefen Wechselkursen aus. Gut für Einkaufstouristen oder Importeure – schlecht für den Tourismus, Detailhandel oder exportierende Unternehmungen. Nicht zu vergessen ist auch der Rattenschwanz an Zulieferern dieser betroffenen Firmen, welche die wirtschaftlichen Probleme ihrer Grosskunden oft ungebremst abbekommen.

2011 sah sich die schweizerische Nationalbank (SNB) dazu genötigt, einen Mindestkurs für den Euro einzuführen. Drohte der Euro unter den Wert von Franken 1.20 zu fallen, intervenierte die SNB. Am 15. Januar 2015 wurde dieser Mindestwechselkurs wieder aufgehoben und die Euro-Franken-Parität war innert Stunden Realität.

Viereinhalb Jahre später droht die Parität erneut – Experten warnten in den letzten Tagen wiederholt. Zum ersten Mal seit der Finanzkrise 2008 senkte die US-Notenbank Ende Juli ihren Leitzins. Dies, um die Auswirkungen des Wirtschaftskrieges zwischen den USA und China aufzufangen. Im September und Oktober werden weitere Zinssenkungen erwartet. Auch die Europäische Zentralbank (EZB) tagt Mitte September zu geldpolitischen Themen und auch die EZB könnte ihren Leitzins senken. Eine wiederholte Aufwertung des Frankens wird wohl die Folge sein. Dabei stecken die Folgen des letzten Währungskurseinbruches vielen Exportfirmen und den Unternehmen in ihrer Wertschöpfungskette nach wie vor in den Knochen. Die entscheidenden Fragen sind nun, dominieren erneut Geschäftsaufgaben, Aufkäufe, Kurzarbeit oder gar Massenentlassungen die Schlagzeilen? Oder ist die Wirtschaft dafür gerüstet?

Denn für einige Branchen, wie etwa für den Detailhandel oder die Druckindustrie, hat sich die Situation seit 2015 unabhängig von irgendwelchen Währungskursen zusehends verschlechtert. Sparmassnahmen und Entlassungswellen stehen immer öfters an, wie die Beispiele von Müller Martini oder der Migros Ostschweiz zeigen. Einige der Berufe in diesen Branchen verlieren zudem mit der Digitalisierung zusehends ihre wirtschaftliche Daseinsberechtigung. Eine zusätzliche Verschärfung der Situation durch einen extrem starken Franken kann deshalb verheerende Folgen haben – schlimmstenfalls für die ganze Region.

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