Stadtrat Hanspeter Thür über Stadion-Standort: «Man will gar keine heiklen Fragen zur Obermatte»

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«Man will gar nicht, dass die heiklen Fragen zur Obermatte gestellt werden», erklärt Stadtrat Hanspeter Thür. (Archivbild: 4. Juli 2019) © Fabio Baranzini

Zuerst der ablehnende Entscheid der Finanz und Geschäftsprüfungskommission (FGPK), dann die Volksinitiative «Unser Stadion»: Haben Sie damit gerechnet, dass die Stadion-Frage nochmals so viel Staub aufwirbeln wird?

Hanspeter Thür: Die nochmalige, intensive Diskussion überrascht mich nicht. Aber ich bin erstaunt, dass dem Initiativkomitee «Unser Stadion» fünf Mitglieder der FGPK angehören. An der Sitzung vom Dienstag, 13. August, haben wir nach bestem Wissen gegen 50 Fragen beantwortet. Der Standort Obermatte war kein Thema. Ich hätte in der Kommission dazu gerne die Argumente des Stadtrates eingebracht.

Gab es einen Geheimplan?

Es ist klar, dass an der Kommission vorbei etwas vorbereitet worden ist. Dieses Vorgehen schadet dem Vertrauen in die politische Zusammenarbeit.

Es wurde ziemlich viel Geschirr zerschlagen.

Nein. So weit würde ich nicht gehen. Aber ich weise drauf hin, dass vor einem Jahr im Einwohnerrat eine Diskussion über die Obermatte als mögliche Alternative stattfand. Das Parlament brachte damals zum Ausdruck: Es ist unsinnig, parallel zum Torfeld Süd ein zweites Projekt zu verfolgen. Es ist ein falsches Signal, ein Vorstoss zur falschen Zeit. Stephan Müller realisierte die eindeutige Haltung des Einwohnerrats und hat deshalb die Volksmotion vor der Abstimmung zurückgezogen.

Die Initiative ist sehr professionell lanciert worden. Gehen Sie davon aus, dass alles von langer Hand geplant war?

Dem ist sicher so. Der Buchser Einwohnerrat Reto Fischer hat in einem Interview erklärt, er sei schon vor einem halben Jahr angefragt worden.

Wie erklären Sie sich, dass «Obermatte»-Verfechter erst jetzt kommen?

Wenn man ernsthaft eine Alternative hätte abklären und die kritischen Punkte prüfen wollen, hätte man die Idee spätestens vor einem Jahr lancieren müssen. Nach der Sitzung, in der der Einwohnerrat die Volksmotion behandelte. Wenn man es erst jetzt, zehn Tage vor dem Einwohnerratsentscheid macht, gibt es für mich nur eine Interpretation: Man will gar nicht, dass die heiklen Fragen zur Obermatte gestellt werden.

Die Obermatte-Idee ist eigentlich ...

... ein Luftballon. Alles entscheidend ist doch nur schon die Frage: Will das die Gemeinde Buchs? Schliesslich läge das Stadion auf ihrem Terrain. Dann bräuchte es eine Richtplanänderung. Es ist davon auszugehen, dass weder Regierungsrat noch Grosser Rat einer Gemeinde gegen ihren Willen ein Fussballstadion aufzwingen. Der Richtplan-Prozess würde im Minimum ein bis zwei Jahre dauern. Dann erst könnte die Projektierung beginnen.

Und?

Die Obermatte ist null erschlossen. Keinerlei Anbindung an den öffentlichen Verkehr. Die Idee, die SBB bewilligten eine Stadion-Haltestelle, ist unrealistisch. Ein Projekt auf der grünen Wiese mit erheblichen Erschliessungskosten! Unrealistisch ist auch, dass Aarau ohne Querfinanzierung günstiger zu einem Superleague-tauglichen Stadion käme.

Was hält der Stadtrat vom aktuellen Projekt im Torfeld Süd?

Noch nie in der ganzen Stadionfrage hatte der Einwohnerrat, haben die Stimmbürgerinnen und Stimmbürger derart viele Informationen darüber, was der Stadtrat für eine Überbauung ermöglichen will. Man weiss, wo die vier Hochhäuser stehen werden, wie die Umgebung aussehen wird, was für eine soziale Mischung angedacht ist, wie die Quartierversorgung sein wird – all das ist im Gestaltungsplan detailgenau geregelt. Das wird ein attraktives Wohnquartier – in Ergänzung zum Aeschbachareal.

Wie erleben Sie die Zusammenarbeit mit der HRS?

Es ist kein Spaziergang. Aber wir haben gemeinsam mit einer sachlichen Grundhaltung ein überzeugendes Projekt zustandegebracht.

Was ist eigentlich das grösste Risiko des Projektes Torfeld Süd?

Es könnte das Gleiche passieren wie beim «Plan A» mit der gescheiterten Querfinanzierung über ein Einkaufszentrum. Die Wirtschaftslage könnte sich so verschlechtern, dass sich keine Investoren für die Hochhäuser finden lassen werden. Die HRS beginnt erst mit dem Bau, wenn die Häuser verkauft sind.

Sollte der Souverän am 24. November Ja sagen, wird das Baugesuch aufgelegt werden müssen. Dauert es wieder neun Jahre bis zur Bewilligungserteilung wie beim «Plan A»?

Wir rechnen mit Beschwerden. Das wird zwei bis drei Jahre in Anspruch nehmen.

Was passiert, wenn das Stadionprojekt abgelehnt wird?

Dann ist vorläufig nichts.

Hat es in Aarau zu viele risikoscheue, kleinbürgerliche Politiker

Nein. Gegen derart grosse Projekt gibt es immer Widerstand. Aber die Bevölkerung von Aarau hat schon drei Mal Ja gesagt. Ich hoffe einfach, die Gegner werden, falls es weitere zwei Ja gibt, endlich einmal verstehen, dass sie einen demokratischen Entscheid respektieren sollten.

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