Was braucht es, um einen eidgenössischen Kranz zu gewinnen?

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Joel Strebel (links) ist einer der grössten Hoffnungsträger der Nordwestschweiz, wenn es darum geht, wer neuer Eidgenosse wird. (Bild: Urs Flüeler/Keystone)

Dann, wenn es richtig wehtut, werden Sieger gemacht. Oder Eidgenossen geboren. In der letzten Minuten des achten Gangs, dann, wenn der Körper eigentlich nicht mehr kann und nur der Wille die Hände noch einmal zum Griff führt.

Stefan Strebel, Technischer Leiter des Nordwestschweizer Teilverbands, erklärt es so: «Der Killerinstinkt muss einsetzen. Man muss bereit sein, die letzten Reserven abzurufen. Bereit sein, das volle Risiko zu gehen, um zu gewinnen.»

Genau diese Bereitschaft, an die Schmerzensgrenze zu gehen, lieber zu verlieren, als mit einem Gestellten den Kranz zu verpassen, vermisste Strebel zuletzt bei einigen talentierten Schwingern. Das nervt ihn. «Wer den Killerinstinkt nicht hat, muss drei Jahre warten, bis die nächste Chance kommt. Wer es versucht, der muss sich nie den Vorwurf machen, nicht alles getan zu haben. Das erwarte ich von den Jungen und das habe ich ihnen gesagt.»

Fünf Kränze will Strebel in Zug. «Wir haben als Teilverband den Anspruch, dass wir in jeder Saison vier, fünf oder sogar sechs Eidgenossen im Team haben.» Wenn man bedenkt, dass mit Mario Thürig, David Schmid und Christoph Bieri drei Nordwestschweizer Eidgenossen am Ende ihrer Karrieren stehen, wird klar: Es braucht neue.

Zwei Leader für die Zukunft genügen nicht

Mit Nick Alpiger, 22-jährig, Patrick Räbmatter, 27, und Remo Stalder, 29, machen drei Eidgenossen, wenn alles nach Plan verläuft, zwar mindestens bis zum nächsten Eidgenössischen 2022 in Pratteln weiter. Und gerade Alpiger und Räbmatter haben die Anlagen und das Potenzial, das Nordwestschweizer, ja sogar das Schweizer Schwingen in den nächsten Jahren erfolgreich mitzuprägen. Aber das allein genügt Strebel nicht. «Ich brauche neue Eidgenossen. Der Generationenwechsel muss kommen und er wird kommen.» Denn nur Alpiger kann wirklich zur neuen Generation gezählt werden, der bereits eidgenössische Ehren erreicht hat. Räbmatter ist irgendwo dazwischen. «Aber er ist ein Vorbild, wenn es um den Killerinstinkt geht», sagt Strebel. Er hat ihn – im ersten, aber auch im letzten Zug eines Fests.

Angst, das gesetzte Ziel von fünf Eidgenossen, darunter zwei neue, in Zug nicht zu erreichen, muss Strebel eigentlich nicht haben. Kandidaten für den Kranz gibt es mehr. Alpiger und Räbmatter scheinen gesetzt, Mario Thürig und David Schmid könnten sich ebenfalls erneut mit Eichenlaub schmücken. Und daneben gibt es im Nordwestschweizer Verband gleich eine Reihe von Talenten, die in Zug reüssieren könnten. Allen voran Joel Strebel, 22-jährig. «Er ist für mich von den Nicht-Eidgenossen im Team am weitesten», sagt Stefan Strebel. Er ist so etwas wie der Leader einer starken Freiämter Mannschaft, die mit den Brüdern Andreas und Lukas Döbeli zwei weitere Kranzanwärter für Zug stellt.

Das Eidgenössische simuliert und den Killerinstinkt gesucht

Die Döbelis sind 21 und 19 Jahre alt. Die Baselbieter Brüder Janic und Lars Voggensperger, ebenfalls Talente der neuen Generation, 20 und 18. Und es gäbe weitere. Vor einem Monat haben sie alle zusammen mit der Nordwestschweizer Elite in Magglingen das Eidgenössische simuliert. Am Samstag und Sonntag standen je vier Gänge mit eidgenössischer Gangdauer auf dem Programm. «So hatten alle die Möglichkeit, sich an die Grenzen zu tasten. Sie konnten üben, den Killerinstinkt zu wecken. Am Wochenende in Zug geht es, überspitzt gesagt, um Leben und Tod.» Um Kranz oder nicht.

Helfen wird den meisten neuen Anwärtern auf eidgenössische Ehren, dass sie vor drei Jahren in Estavayer die Erfahrung des grössten Fests im Schwingen schon gemacht haben. Sie wissen, wie es ist, vor über 50000 Menschen zu schwingen. «Das hilft», sagt Strebel.

Weil dann, wenn es richtig wehtut, die potenziellen Eidgenossen alles vergessen müssen. Es zählt nur etwas: der Sieg. «Dieser Killerinstinkt ist der Schlüssel zum Erfolg», ist sich Strebel sicher.

 

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