Horrorcrash am Gempen: Die Sicherheitslinie wurde 2016 entfernt

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Im Juni fuhr der 23-jährige Autofahrer bei einer Probefahrt in einen Velofahrer und verletzte diesen schwer. © Kapo SO
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Radfahrer treffen sich zur Protestfahrt (Kenneth Nars)

Er lieh sich einen 250'000 Franken teuren McLaren zur Probefahrt aus und bretterte damit von Dornach Richtung Gempen hoch. Auf der kurvenreichen Strasse überholte der 23-jährige Jungunternehmer mehrere andere Autos. Die Fahrt endete, als er mit seinem Boliden einen korrekt entgegenkommenden Velofahrer umfuhr. Dieser, ein 38-jähriger Mann, erlitt schwere Verletzungen.

Jetzt wird bekannt: Früher befand sich an genau dieser Stelle eine durchgezogene Sicherheitslinie. Sie war jedoch 2016 entfernt worden. Dies schreibt die Solothurner Regierung als Antwort auf einen Vorstoss des Dornacher Grünen-Kantonsrates Daniel Urech.

Postautos konnten Linie nicht einhalten

Grund für die Entfernung der durchgezogenen Linie war offenbar eine Intervention von Postauto Schweiz. «Chauffeure der Linienbusse konnten viele Kurven nicht befahren, ohne die Sicherheitslinie zu überfahren. Dies führte zu heftigen Reaktionen anderer Fahrzeuglenker», schreibt der Regierungsrat. Deshalb habe sich Postauto Schweiz erkundigt, «ob in diesen Kurven die Sicherheitslinie durch eine unterbrochene Linie ersetzt werden könne».

2016 tat man dies, als der Strassenbelag erneuert wurde. Postauto Schweiz bestätigt die Angaben des Regierungsrates. Es sei aufgrund des langen Radstandes der Fahrzeuge schwierig, die Kurven zu fahren, ohne die Linien «zuweilen» zu überschreiten. Sei die Linie unterbrochen, veranlasse dies auch «Fahrzeuge auf der Gegenfahrbahn aufmerksamer diese Kurven zu fahren, statt sich auf die durchgezogene Linie zu verlassen.»

Solothurner Regierung rügt «rücksichtslose Fahrweise»

Der schwere Unfall rüttelte die Velofahrer in der Region Basel auf. Eine Woche nach dem Unfall trafen sich 300 Gümmeler zur Protestfahrt. Sie forderten Massnahmen auf der unübersichtlichen Strecke.

Damit allerdings scheinen sie bei der Solothurner Regierung auf wenig Gehör zu stossen. Zwar will die Regierung über Massnahmen erst entscheiden, wenn in einigen Monaten der definitive Unfallbericht vorliegt. Sie bremst schon jetzt allfällige Erwartungen – nicht nur, weil es in den letzten fünf Jahren tatsächlich nur zwei Velounfälle «ohne Dritteinwirkung» auf der Strecke gab.

Der Regierungsrat nimmt vor allem den Fahrer in die Pflicht. Unfälle, die «auf eine rücksichts- und gedankenlose Fahrweise zurückzuführen sind, können leider nicht ausgeschlossen werden», schreibt er. Man könne ja «regelmässig aus Zeitungen entnehmen, dass sich wegen Nichtbeachtens der Sicherheitslinie Unfälle ereignen». Die Solothurner Regierung mutmasst gar, dass eine Sicherheitslinie «in diesem Fall allenfalls auch nicht beachtet worden» wäre – und zeigt dabei mit dem Finger auf den Fahrer.

Dass letzterer möglicherweise auch die Sicherheitslinie überfahren hätte, schliesst die Regierung daraus, dass er das Gesetz auch sonst nicht beachtet habe. Denn dieses sei bereits heute klar genug. «In unübersichtlichen Kurven sowie vor Kuppen darf nicht überholt werden», heisst es. «Diese gesetzlichen Bestimmungen sollten ausreichen, dass man auf dieser kurvenreichen Strecke nicht (mehrere Fahrzeuge) überholt.»

Verfahren läuft noch

Allerdings greift die Regierung vor: Der Fall ist juristisch noch nicht abgeschlossen. Die Staatsanwaltschaft führt das Verfahren gegen den Autofahrer derzeit noch – wegen qualifizierter grober Verletzung der Verkehrsregeln und wegen fahrlässiger schwerer Körperverletzung.

«Nicht begeistert» ist Daniel Urech von den Antworten der Regierung. «Sie zeigt nicht wirklich ein Problembewusstsein.» Es gehe um keinen Einzelfall. «Velofahrer berichten immer wieder von gefährlichen Situationen.» Mit einer Sicherheitslinie könnte die Polizei all diejenigen einfacher bestrafen, die unvorsichtig überholen – «auch wenn es nicht zu einem Unfall kommt», so Urech. Damit würde die Sicherheitssituation insgesamt verbessert.
Der Radfahrer lag nach dem Unfall im Koma. Sein Zustand hat sich gebessert. Es gehe ihm den Umständen entsprechend gut, meldet die Solothurner Staatsanwaltschaft.

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