138 Einbrüche: Einbruchstour im Aargau endet im Gefängnis

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138 ist das Kriminal-Duo eingebrochen. Nun wurden sie verurteilt. (Symbolbild) © Thinkstock

Einen solchen Fall von Kriminaltourismus gibt es nicht alle Tage: Anfang Jahr hat das Luzerner Kriminalgericht zwei Albaner verurteilt, die 138 Einbrüche plus 62 Versuche verübt haben. Der 27-jährige Beschuldigte muss eine Freiheitsstrafe von fünf Jahren und acht Monaten hinnehmen, der 32-jährige Kumpane vier Jahre und acht Monate.

Nun ist das Urteil rechtskräftig und liegt in begründeter Form vor. Und die 63 Seiten zeigen: Das Duo schreckte vor nichts zurück. So waren unzählige Male die Bewohner schlafend anwesend. Die Diebestour führte die beiden Beschuldigten im Zeitraum vom 1. Juni 2015 bis 18. Oktober 2015 durch die Kantone Luzern und Aargau.

Die Liste der Privatkläger erstreckt sich über mehrere Seiten und enthält Geschädigte von Schöftland bis Schenkon sowie Beromünster bis Buttisholz.

Ihren Fokus richteten sie vorwiegend auf Einfamilienhäuser. Die beabsichtigte Beute: Bargeld und Schmuck. Das häufigste Vorgehen: Der Ältere stand Wache, der Jüngere bohrte ein Loch in den Fensterrahmen, zog einen Draht hindurch und öffnete so die Verriegelung.

Teils verschafften sich die beiden auch brachial mittels Schraubenzieher Zugang. Im Schnitt verübten die Beschuldigten pro Nacht vier Diebstähle respektive Versuche, in einer Nacht sogar neun. Unterwegs waren die Männer meist zu Fuss, mit dem Bus oder mit gestohlenen Velos

Diebesgut im sechsstelligen Bereich ergattert

Dreh- und Angelpunkt des umtriebigen Duos war Triengen, hier logierten sie. Erachteten die beiden gewissen Schmuck nicht als wertvoll, schmissen sie ihn bereits auf dem Heimweg in den Wald oder in ein Gewässer. Was Geld einbrachte, ging nach Albanien, wo der Schmuck weiterverkauft wurde. Der Gesamtdeliktsbetrag aus Diebstahl beläuft sich auf knapp 290'000 Franken. Hinzu kommt ein Sachschaden von über 140'000 Franken.

Den älteren Beschuldigten nahm man im Herbst 2016 in Slowenien fest. Der Jüngere wurde schon Ende 2015 in flagranti erwischt. Nach der Diebesserie mit seinem albanischen Kumpanen hatte dieser weitere 42 Einbrüche inklusive 21 Versuche verübt, teils mit einem anderen Partner. Ein Deliktsbetrag von fast 150 000 Franken kam dabei zusammen.

Einbrüche waren ihre Einkommensquelle

Das Kriminalgericht hält fest: Die Diebesbeute, «die dafür aufgewendete Zeit», die Mittel, «der Modus Operandi sowie die hohen Anzahl der Straftaten innerhalb kurzer Zeit» würden zeigen, «dass die beiden Beschuldigten die deliktische Tätigkeit nach Art eines Berufs ausgeübt haben, um damit ein erhebliches und regelmässiges Einkommen zu erzielen.»

Denn über ein offizielles Einkommen verfügten die beiden in dieser Zeit nicht. Im Urteil liest man weiter: «Beide Beschuldigten sind grundsätzlich geständig, die ihnen vorgeworfenen Einbrüche begangen zu haben. Nachvollziehbar ist in Anbetracht der grossen Anzahl, dass sich die beiden nicht mehr an jeden einzelnen Einbruch erinnern konnten.» Jene Fälle habe man jedoch unter anderem wegen DNA-Spuren oder der typischen Vorgehensweise auf die Täterschaft zurückführen können.

Vorzeitiger Strafvollzug wird beiden angerechnet

Der jüngere Beschuldigte befindet sich zurzeit in einer Justizvollzugsanstalt in Solothurn, in Italien sind Vorstrafen registriert. Dass er ausgerechnet die Schweiz als Einbruchsdestination gewählt hat, kommt nicht von ungefähr. Er habe das Land wegen seines Wohlstands ausgesucht und weil er gewusst habe, hier nicht so lange ins Gefängnis zu müssen.

Das ist wohl Ansichtssache. Denn der bereits erstandene Freiheitsentzug beläuft sich schon auf 1130 Tage. Der ältere Beschuldigte ist in der Justizvollzugsanstalt Grosshof in Kriens untergebracht, auch er weist Vorstrafen in Italien aus. Er hat bereits 869 Tage abgesessen.

Als die Fälle 2018 von der Staatsanwaltschaft ans Luzerner Kriminalgericht überwiesen wurden, hielt Simon Kopp, Sprecher der Staatsanwaltschaft fest: «Mir ist kein anderer Fall im Kanton Luzern bekannt, in dem die gleichen Personen so viele Delikte verübt haben.» Damals wurden Freiheitsstrafen von sechs respektive fünf Jahren verlangt.

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