Der Wind bläst, das Telefon schweigt

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Vergebliches Warten auf ein Klingeln: Das Stadttelefon gab nur zwei kurze Lebenszeichen von sich (Larissa Hunziker)

Es ist 11 Uhr. In der Zofinger Altstadt ist es ruhig, der Wind bläst bereits ziemlich winterlich durch die Gassen. Nur wenige Passanten sind unterwegs, sie ziehen die Köpfe ein gegen die Bise. Keiner würdigt das Telefon, das an der Wand der Markthalle hängt, eines Blickes. Und es macht auch selber nicht auf sich aufmerksam, sondern bleibt stumm.

Eigentlich ist es dazu gedacht, Fremde miteinander bekannt zu machen. Jeder kann die Nummer (0901 62 4800) des Stadttelefons wählen und eine Passantin oder ein Altstadtbewohner kann den Anruf entgegennehmen. So entsteht wieder mehr Kommunikation in einer Welt, in der man kaum noch miteinander spricht. Das ist zumindest die Idee der Brüder Riklin, die das Projekt initiiert haben. Ein Anruf kostet 70 Rappen pro Minute. Der Ertrag, der durch die Verbindungskosten generiert wird, sind die Honorarkosten der St. Galler Konzeptkünstler Frank und Patrik Riklin.

Anrufer halten die Nachtruhe nicht ein

Das Telefon sorgt jedoch für Kontroversen, es wurden Leserbriefe geschrieben und Steuergeldverschwendung vermutet. Mittlerweile werden sogar Nachtportiers gesucht, die den Hörer auch zu nächtlicher Stunde abheben. Das dauernde Klingeln soll nämlich die Altstadtbewohner gestört haben (siehe Artikel unten). Doch läutet das Telefon wirklich ununterbrochen, auch am helllichten Tag? Ein Augenschein am Ort des Geschehens.

Es ist 11.15 Uhr und das Telefon schweigt weiter. Niemand hat derzeit offenbar Lust auf Kommunikation. Der Wind pfeift unablässig, die Hände des Mannes mit der Wollmütze sind tief in seinen Hosentaschen vergraben. Sein Kopf ist gesenkt, die Augen starr geradeaus gerichtet, nicht mal ein kleiner Seitenblick wird dem Telefon zugeworfen. Auch der Mann, der mit seinem kleinen Sohn durch Zofingens Gassen schlendert, scheint keine Notiz vom Telefon zu nehmen. Dabei sollte sein altertümliches Aussehen doch durchaus für Aufsehen sorgen. Vielleicht haben sich aber auch schon alle an den Anblick gewöhnt.

Es ist mittlerweile halb zwölf. Der einzige Lärm kommt von der Baustelle neben der Markthalle. Aber nicht mal der ist so laut, dass er das Klingeln eines Telefons übertönen würde. Die ereignislosen Minuten verstreichen, die Kirchenuhr schlägt Viertel vor zwölf. Mittlerweile ist die Altstadt belebt, die Telefonleitung bleibt tot. Banker und Büroangestellte sind auf dem Weg in die Mittagspause, Schüler sausen auf ihren Velos vorbei, eine junge Frau trägt ihren Hund in der Handtasche spazieren. Für die Kunstinstallation interessiert sich keiner von ihnen sonderlich.

Die Ereignisse überschlagen sich

Doch plötzlich! Ein Klingeln zerreisst die Stille, einmal, zweimal, dann verstummt das Telefon wieder. Die zwei älteren Frauen, die schwatzend vorbeilaufen, scheinen es nicht gehört zu haben. Die Velofahrerin, die vor der Markthalle steht, schaut kurz irritiert. Dann steigt sie auf ihr Gefährt. Bei der kurzen Klingeldauer hätte aber auch niemand die Chance gehabt, das Telefon abzunehmen. Es sei denn, er wäre direkt davor gestanden. Wer lässt es denn nur zwei Mal klingeln?

Die Kirchenuhr schlägt Punkt zwölf, die Bürokollegen rufen sich «En Guete!» zu. Probiert es der Anrufer vielleicht noch mal?

Es scheint nicht. Das einzige Telefon, das läutet, ist das Handy eines vorbeigehenden Mannes. Mittlerweile ziehen verführerische Essensdüfte durch die Altstadt, die Zahl der Passanten sinkt. Um halb eins schliesslich ist fast niemand mehr unterwegs und auch das Telefon hat sich nicht mehr geregt. Viel Lärm um nichts also?

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Philippe
schrieb am 06.09.2019 10:59
Das ewige Theater von wegen Lärm in der Altstadt, die Leute sollen doch aufs Land ziehen. Wo Leute leben wird gelebt und Leben bedeutet halt auch wenig Geräuschkulisse. Ich lebe in der Stadt Zofingen und wünsche mir mehr Lärm. Die Kirchenglocken der vielen Glocken dürfen ja auch bimmeln bis zum geht nicht mehr?
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