Ein fast perfekter Schweizer Tag am Powerman Zofingen – mit VIDEO und Galerie

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Die Einheimischen drückten dem 31. Powerman Zofingen den Stempel auf. (Bild: Michael Wyss)

Dieses Gefühl wird Nina Zoller nie mehr vergessen. Als sie auf der abschliessenden, 30 Kilometer langen Laufstrecke spürte, dass sie ihr Tempo durchziehen kann. «Das gab mir Aufwind und ich flog fast ins Ziel», so die Churerin. Ihre letzte Verfolgerin Melanie Maurer musste die Nationalkaderkollegin ziehen lassen. «Meine Beine waren leer, ich musste echt beissen», so die in Wikon aufgewachsene Bernerin. Mit einem Rückstand von 2:17 lief die 31-Jährige ins Ziel ein, mit einer «Daumen-hoch-Geste». Keine Spur von Enttäuschung, dass sie wie im Vorjahr mit Rang 2 Vorlieb nehmen musste? «Nein, ich bin glücklich mit Silber. Es war noch knapper als letztes Jahr, aber Nina war stärker und ich gönne ihr den Triumph.»

Nach zwei vierten Plätzen schaffte Nina Zoller den Sprung aufs oberste Treppchen und darf sich Duathlon-Langdistanz-Weltmeisterin nennen. «Das ist der Hammer und fühlt sich speziell an. Es ist unbeschreiblich schön, dass ich dieses harte Rennen gewinnen konnte.» Dann waren ihre Gedanken bei Petra Eggenschwiler. Die Titelverteidigerin stürzte auf der zweiten Radrunde in der Unterführung Strengelbacherstrasee unmittelbar vor Maurer und Zoller. «Es ging so schnell, mir rutschte einfach das Velo weg», so die Solothurnerin. «Erst dachte ich, wir sollten anhalten und ihr aufhelfen», blickte Nina Zoller zurück, dann aber rappelte sich Eggenschwiler selber auf und versuchte, die drei Minuten Rückstand aufs Führungsduo wettzumachen. Die Schürfung am Gesäss und Prellungen sowie der ohnehin von einer Schleimbeutelentzündung geschwächte Fuss bereiteten ihr aber nach den 150 Radkilometern zu starke Schmerzen. Unter Tränen musste sie aufgeben.

Umso mehr war Nina Zoller in der Folge bestrebt, alles dafür zu tun, dass der WM-Titel in Schweizer Händen bleibt. Die Bündnerin schob als Erste ihr Bike in die Wechselzone, 18 Sekunden nach ihr verliess auch Melanie Maurer die Arena wieder. Beim Brunngraben liefen die beiden Seite an Seite, ehe die spätere Siegerin auf dem Zofinger Heitern die entscheidende Attacke wagte und WM-Gold entgegenlief. Mit Silber für Melanie Maurer und Bronze für Corina Hengartner (St. Gallen) gab es erstmals seit 2002 ein reines Schweizer Podest.

 

 

Beinahe hätte auch bei den Männern ein Einheimischer den WM-Titel geholt: Jens-Michael Gossauer. Der Greifenseer ging auf dem ersten Lauf das hohe Tempo des Feldes mit: «Ich musste dabei ans Limit gehen und ärgerte mich später, dass das eigentlich sinnlos gewesen war.» Denn auf dem Rad «bummelten» die Topathleten auf den ersten beiden Runden, sodass dahinter einige aufschliessen konnten. «Ich achtete darauf, kaum Führungsarbeit zu verrichten und sparte so Kraft», so Gossauers Taktik. Letztlich kam eine Siebnergruppe zurück in die Wechselzone – mit dem Triathleten und Powerman-Neuling Diego Van Looy aus Belgien.

Das Kräftedosieren zahlte sich für Jens-Michael Gossauer aus. «Er lief extrem schnell, ich dachte schon, für mich gebe es nur Platz 2», meinte Van Looy. Dann aber musste Gossauer wegen Krämpfen mehrmals anhalten, was für den 28-jährigen Van Looy das Zeichen war, «richtig zu pushen». Trotz starken Schmerzen in den Beinen kämpfte sich der laufstarke Belgier bei seiner ersten Teilnahme in Zofingen als Weltmeister ins Ziel. Wann die Uhr stoppte, war ihm egal: «Nur der Rang und der WM-Titel zählen.» Anders sah dies Gossauer, im Vorjahr Achter: «Ich habe nicht Gold verloren, sondern Silber gewonnen und bin sehr zufrieden.» Bronze ging an den Holländer Daan De Groot, den Short-Distanz-Sieger von 2018.

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