Der Schiedsrichter musste flüchten – NK Pajde drohen happige Konsequenzen

Die Pajde-Spieler (blaue Trikots) haderten mit den Entscheidungen von Schiedsrichter Lumni Ukaj. (Bild: Otto Lüscher)
Der Schiedsrichter wird verfolgt...
...und bedrängt. (Bilder: Leservideo)

Es sind wüste Szenen, die Zuschauer am Samstagabend im Stadion Trinermatten mit ihren Smartphones festhalten: Zwei Spieler verfolgen den Schiedsrichter, gestikulieren wild und brüllen ihn an. Weitere Akteure kommen dazu, ebenso Clubverantwortliche und Zuschauer. Der Schiedsrichter flüchtet in eine Lounge. Es ist das chaotische Ende eines chaotischen Spiels.

Der SC Zofingen gewinnt im Spitzenspiel der 2. Liga inter gegen den NK Pajde aus Möhlin mit 3:2. Das Resultat verkommt allerdings zur Nebensache. Sechs Platzverweise hagelt es, allesamt gegen NK Pajde. Schon in der 4. Minute zeigt Schiedsrichter Lumni Ukaj ein erstes Mal Rot. Nach der Pause kassieren zunächst Pajde-Trainer Dejan Rakitic, Bruder von FC-Barcelona-Spieler Ivan, wegen Reklamierens Gelb und wenig später sein Assistent Rot – wohl wegen einer Schiedsrichterbeleidigung, wobei Rakitic dies abstreitet. Kurz vor Schluss schickt Ukaj erneut zwei Pajde-Spieler vom Platz. Nach dem Spiel notiert er noch zwei Platzverweise im Rapport.

«Was der Schiedsrichter pfiff, war eine Frechheit»
Da klingt es fast absurd, was Zofingen-Trainer Flavio Catricalà sagt: «Das Spiel lief eigentlich gesittet ab und der Gegner hat sich uns gegenüber jederzeit fair verhalten.» Das Problem, so Catricalà weiter, habe nur «zwischen den Spielern von NK Pajde und dem Schiedsrichter» gelegen. Die Aussagen von Pajde-Trainer Dejan Rakitic bestätigen dies. «Ich bin schon lange und viel im Fussball unterwegs, aber so etwas habe ich noch nie erlebt. Was der Schiedsrichter in diesem Spiel gepfiffen hat, war schlicht eine Frechheit», sagt er. Allerdings, und das betont er ebenso, entschuldige dies nicht die Reaktion seiner Spieler. «Es ist falsch, was nach der Partie passiert ist. Der Spielverlauf und die Entscheidungen sind eine Erklärung, wie es zu dieser emotionalen Reaktion kommen konnte, sie sollen aber keine Entschuldigung sein.»

Die Spieler, die nach dem Schlusspfiff auf den Schiedsrichter zustürmten, hätten eine Erklärung von ihm hören wollen. «Es sieht auf dem Video schlimmer aus, als es war», sagt Rakitic. «Es kam zu Wortgefechten, aber keinerlei Handgreiflichkeiten. Aber noch mal: Die Reaktion der Spieler war so nicht okay, das muss klar gesagt werden.»

Mehrere Polizeipatrouillen waren vor Ort
Schiedsrichter Lumni Ukaj möchte gegenüber dieser Zeitung keine Stellung zum Vorfall nehmen. Gemäss Angaben der Kantonspolizei hat er direkt nach dem Spiel einen Strafantrag wegen Beschimpfung und Tätlichkeiten gegen Vertreter von NK Pajde gestellt. Die Polizei war mit mehreren Patrouillen zum Stadion ausgerückt und hatte die Personalien der Beteiligten aufgenommen. Die Ermittlungen laufen.

Konsequenzen hat der NK Pajde auch von Seiten des Fussballverbands zu befürchten. «Wir warten auf den Rapport des Schiedsrichters und werden diesen auswerten», sagt Ramon Zanchetto, Generalsekretär der zuständigen Amateurliga. Zum allfälligen Strafmass will er sich noch nicht äussern, kündigt aber «Konsequenzen für die Beteiligten» an. Der Strafenkatalog des Verbands reicht von einer Geldstrafe über Sperren für Funktionäre oder Trainer bis hin zu einem Ausschluss des Teams aus der laufenden Meisterschaft. Klar ist, dass sich der NK Pajde auf lange Sperren für seine Rotsünder einstellen muss. «Was passiert ist, darf nicht passieren», so Zanchetto.

Für Mitte Woche ist eine Sitzung terminiert, bei der über allfällige Strafen entschieden wird. Bis dahin soll auch der NK Pajde die Gelegenheit erhalten, sich zu den Vorfällen zu äussern. «Wir werden im Vorstand nun besprechen, wie es weitergeht und wie unsere Stellungnahme an den Verband aussehen soll», sagt Dejan Rakitic dazu.

Lesen Sie hier die Kolumne «Achillesferse» zu diesem Thema.

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