Danken, Busse tun und beten: Lobe Gott und vergiss nicht, was er dir Gutes getan hat

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Dieter Gerster: Reformierter Pfarrer in Oftringen. Bild: zvg

Letzthin sagte mir jemand: «Jetzt ist die Welt endgültig aus den Fugen geraten.» Der Amazonas brennt, Russland rüstet wieder auf, Amerika und China im Handelskrieg, AHV und Renten in Gefahr, Krieg und Terror im Mittleren Osten und weiten Teilen von Afrika, Menschen, die fliehen, Schlepper, die profitieren. Eigentlich leider nichts Neues. Es gab immer wieder Zeiten der Naturkatastrophen, der Kriege und des Terrors. Neu ist, dass wir dank der medialen Vernetzung das Ganze in Echtzeit mitbekommen, dass Krieg, Tod und Terror uns täglich ins Wohn- und Schlafzimmer getragen werden. Diese Bilder tun etwas mit uns. Entweder sie stupfen uns gegenüber dem Ganzen ab und wir nehmen es ähnlich einem Horrorfilm bei Chips und Bier zur Kenntnis. Oder aber die Bilder prägen sich tief in unser Gedächtnis ein. Die eine und der andere verliert da auch den Mut und die Hoffnung in die Zukunft, in die Menschen, in Gott. Manche wünschen sich da – so höre ich es immer wieder – die schönen alten Tage zurück, als man noch wusste, was gilt.

Und nun feiern wir wie immer seit 1832 am dritten Sonntag im September den Eidgenössischen Dank-, Buss- und Bettag. Mit der Gründung des schweizerischen Bundesstaates im Jahre 1848 wurde er zu einem Festtag, der in der politisch und konfessionell pluralistischen Schweiz von den Angehörigen aller Parteiungen und Konfessionen gefeiert werden sollte. So ist der Bettag kein rein religiöser Feiertag, sondern ein staatspolitisch motivierter Anlass. Sein Ziel war und ist es, Respekt vor den politisch und konfessionell Andersdenkenden zu fördern. Im Kanton Aargau zeigt es sich darin, dass Regierungsrat und Landeskirchen abwechselnd für das Bettags-Mandat verantwortlich sind.

So ist auch dieses Jahr der Bettag eine Möglichkeit innezuhalten und durchzuatmen. In all dem zur Ruhe zu kommen, was uns privat, politisch, kirchlich, wirtschaftlich, ökologisch umhertreibt. Drei Wörter, die nicht mehr allen im Alltag geläufig sind, stehen im Namen dieses Feiertages: Danken, Busse tun und beten.

1. Dank: Innehalten, sich neu bewusst werden, was wir in der Schweiz alles haben. Zu merken, wie rasch wir vieles für selbstverständlich nehmen. Wir wissen es: Mit undankbaren Menschen zusammenzuleben ist alles andere als einfach. Und gleich dankbar sein, so erlebe ich es an mir und anderen, ist alles andere als selbstverständlich. So heisst es schon in einem uralten Gebet: «Lobe Gott und vergiss nicht, was er dir Gutes getan hat.» Und die Bibel fordert uns immer wieder auf, dankbar zu sein. Eigene Dankbarkeit hat etwas mit unserem Verhalten gegenüber unseren Mitmenschen und unserer Umwelt zu tun. Dankbarkeit als Quelle von Nächstenliebe, Solidarität, Sorge zur Umwelt zu tragen und Frieden.
Der kommende Sonntag lädt uns auf besondere Art dazu ein uns wieder einmal Gedanken über unsere Dankbarkeit zu machen.

2. Busse: Ein Wort, das uns erschaudern lässt. Da kommen uns gleich weniger schöne Momente, in denen wir falsch geparkt oder zu schnell gefahren sind, in den Sinn. Und dennoch, Busse gehört so sicher zum christlichen Glauben, wie das Amen zur Kirche und darüber hinaus zu gelingendem menschlichen Zusammenleben überhaupt.
Eingestehen können, als Mensch, als Politikerin, als Pfarrer, als Eltern, als Chef, als Lehrerin eingestehen dürfen, dass ich nicht perfekt bin, mir auch mal Fehler unterlaufen, mich bei anderen Menschen und bei Gott entschuldigen und neu zu beginnen oder wieder aufrecht weitergehen zu können. Busse als Möglichkeit von Ängsten und Zwängen, vor negativen Einflüssen gewisser Menschen, oder von Dingen, die meine Fähigkeiten blockieren, frei zu werden, das Potential, welches in mir angelegt ist, freisetzen, erfolgreich, kreativ, glücklich, arbeits- und liebesfähig werden. Kurz gesagt, authentisch und ehrlich zu leben, all das schwingt in diesem alten Wort «Busse» mit.

3. Beten: Im Gebet wenden wir uns im Wissen darum, dass Gott seine Welt nicht preisgibt, mit all dem, was uns beschäftigt, an Gott. Aus dem Gebet entsteht Mut, im Vertrauen auf Gott Verantwortung zu übernehmen und die nächsten Schritte zu wagen. Indem wir das am kommenden Sonntag gemeinsam tun, werden wir daran erinnert, dass wir gemeinsam unterwegs sind und uns gegenseitig brauchen.
«Jetzt ist die Welt endgültig aus den Fugen geraten.» Martin Luther soll einmal gesagt haben: «Wenn ich wüsste, dass morgen die Welt unterginge, würde ich heute noch ein Apfelbäumchen pflanzen.»

Danken, Busse tun, beten: Das heisst, sich aktiv in Leben zu geben, Verantwortung zu übernehmen und mitgestalten zu wollen. Ich lade Sie nicht ein, die Welt zu retten, aber im Kleinen etwas zum Wohl der Mitmenschen und der Umwelt und zur Ehre Gottes beizutragen.

Mit diesen GeDANKen wünsche ich Ihnen allen einen besinnlichen Dank-, Buss- und Bettag.

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