Breite Unterstützung: Aarauer Stadion-Befürworter lancieren ihre Abstimmungskampagne

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Vertreter des Co-Präsidiums (v.l): Ueli Hertig (Präsident Pro Aarau, Architekt), Martina Schwaller (FC Aarau Frauen), Ruedi Vogt und Peter Zubler (Verwaltungsräte FC Aarau AG, Initianten), Salomé Ruckstuhl, Einwohnerrätin SP Aarau. (Bild: Raphael Nadler)

68 Tage noch bis zum 24. November. Dann soll in Aarau über das neue Stadion Torfeld Süd abgestimmt werden. Konkret: über die Teilrevision der Nutzungsplanung – notwendig für die geplanten vier Hochhäuser – und über den 17-Millionen-Franken-Kredit der Stadt für das Miteigentum am Stadion. Die Stadion- respektive die Hochhaus-Gegner haben längst grosse Geschütze aufgefahren.

Nun treten auch die Befürworter auf den Platz. Am Montag lancierte das Komitee «Unser Torfeld» seine Abstimmungskampagne. Die Website ist online und die ersten Abstimmungs-Plakate hängen an der Bauwand im Torfeld Süd.

Das Co-Präsidium teilen sich «25 Persönlichkeiten aus Sport, Politik und Kultur», heisst es in einer Medienmitteilung. «Dutzende Weitere» seien im Komitee aktiv. Ziel sei, «die Aarauer Bevölkerung transparent und umfassend über das geplante neue Stadtquartier mit Stadion und Wohnungen für alle Bevölkerungsschichten zu informieren und von der Qualität des Projekts zu überzeugen». Präsidium respektive Vizepräsidium bilden die FCA-Verwaltungsräte Ruedi Vogt und Peter Zubler. Sie haben auch das Komitee initiiert.

«Projekt ist so überzeugend, dass es breite Unterstützung geniesst»

«Dem Komitee ist bewusst, dass Aarau gespalten ist. Es ist aber der Meinung, die besseren Argumente zu haben als die Gegner», sagte Jürgen Sahli, der durch die gestrige Medienkonferenz führte. Ruedi Vogt betonte, man wolle ungefähr 1000 Personen dazu bewegen, sich dem Pro-Komitee anzuschliessen. «Das Projekt ist so überzeugend, dass es breite Unterstützung geniesst.»

Einwohnerrätin Salomé Ruckstuhl (SP) ging auf das Finanzierungskonstrukt ein und sagte, die Bauherrin HRS stelle sicher, dass Aarau endlich ein neues Stadion bekomme: «Wir sind der viertgrösste Kanton, Spitzenfussball muss bei uns möglich sein.» Eine Beurteilung aus städtebaulicher Sicht nahm Architekt Ueli Hertig (Präsident Pro Aarau) vor: «Für Aarau ergibt sich hier die Chance für kontrolliertes Wachstum am richtigen Ort, ohne Konkurrenz zur Innenstadt.» Das geplante Quartier sei «attraktiv und urban».

Peter Zubler beleuchtete den Sicherheitsaspekt: «Das Brügglifeld gilt zu Recht als Kultstadion», sagte er. Die Infrastruktur sei aber veraltet, die Fanmärsche zu lange, «die Parkiersituation für Anwohner eine Zumutung» und die Erreichbarkeit für Rettungsorganisationen nicht optimal. Im Torfeld Süd finde man für alles bessere Rahmenbedingungen.

Und schliesslich kam auch Martina Schwaller von den FC-Aarau-Frauen zu Wort: Das neue Stadion solle auch für die Frauen und die Junioren «ein neues Daheim» sein, auf dem Kunstrasen sollen wenn möglich auch Trainings stattfinden. «Nicht einmal in grossen Schweizer Vereinen dürfen die Frauen in den Stadien spielen. Aarau könnte hier mit gutem Vorbild vorangehen – mit dem ersten Stadion, in dem Frauen und Männer gleichberechtigt sind.»

Das Abstimmungsdatum ist noch immer unklar

Die Kampagne wird umfassend geführt, das Büro «Baldinger & Baldinger» zeichnet sich verantwortlich dafür. Es wurde kein Aufwand gescheut: Im Vorfeld gab das Komitee beim Institut gfs.bern eine Studie in Auftrag, in der unter anderem mittels einer Fokusgruppen-Diskussion die zentralen Fragen und Konflikte rund ums Torfeld Süd erhoben wurden. So konnte die Kampagne optimiert werden.

Es gibt aber einen Haken: Noch ist nicht sicher, ob die Abstimmung wirklich am 24. November stattfindet wie vorgesehen. Es ist noch ein Bundesgerichturteil zur Revision der Bau- und Nutzungsordnung ausstehend. Kommt das nicht innert etwa zwei Wochen, wird die Abstimmung erst im Februar stattfinden können. Entsprechend muss das Komitee bei seiner Terminplanung flexibel bleiben. «Wir geben die Hoffnung nicht auf, dass der November-Termin eingehalten werden kann», so Ruedi Vogt. «Falls nicht, werden wir alles daran setzen, das Feuer auch über Weihnachten und Neujahr am Brennen zu halten.»

Das Komitee ist aufgeteilt in ein Co-Präsidium, eine Kerngruppe und Mitglieder, die mit ihrem Namen Unterstützung für «unsertorfeld.ch» demonstrieren. Seit Menschengedenken hat es keine Abstimmung mehr gegeben, die eine solche Ansammlung an (Lokal-)Prominenz auf den Plan rief. Mit im Boot sind Präsidenten und Sportler zahlreicher Aarauer Vereine, ausserdem FC Aarau-Spieler, namhafte Architekten, aktive und ehemalige Einwohnerräte fast aller Parteien und Vertreter der Fan-Organisationen.

Das sind die wichtigsten Player

Neben FC Aarau, Stadt und Bauherrin HRS spielen folgende Organisationen beim Abstimmungskampf mit:

Befürworter

«Meinstadion.ch»: Die GmbH um Michael Hunziker (Präsident), Stéphane Meyer und René Herzog trat im November 2017 an die Öffentlichkeit. Ihr Ziel war, mit Hilfe von Crowdfunding Geld für das neue Stadion zu sammeln. 2 Mio. Franken sind zusammengekommen, die Aktion ist abgeschlossen. Derzeit ist die Vereinigung nicht gross aktiv, ihre Exponenten machen aber bei «Unser Torfeld» mit.

«Unser Torfeld»: Das Komitee ist vor der Einwohnerratssitzung am 26. August erstmals in Erscheinung getreten und hat gestern die Pro-Abstimmungskampagne lanciert.

Gegner

«Unser Stadion»: Der Verein unter dem Co-Präsidium von Lelia Hunziker und Stephan Müller hat Mitte August eine Volksinitiative lanciert. Diese verlangt, dass die Stadt ein Stadion baut, aber aus eigenen Mitteln und auf öffentlichem Grund – zum Beispiel auf der Buchser Obermatte. Über 650 Unterschriften sind mittlerweile beisammen, für ein Zustandekommen der Initiative braucht es 1444.

«Verein Torfeld Süd»: Der Verein betont, zwar für ein Stadion zu sein, aber «gegen ein Hochhaus-Ghetto». Deshalb hat der Verein (Präsident: Albert Rüetschi) gegen den Gestaltungsplan «Torfeld Süd» eine Sammeleinsprache mit 157 Unterschriften eingereicht. (nro)

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