Die Wahlen 2019 im Spiegel des Orakels Wählerbefragung

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Wie viele Augen werden die Würfel zeigen? Diese Frage steht letztendlich hinter Cäsars Ausspruch «alea iacta est» – als er 49 v. Chr mit seinem Heer ansetzte, den Rubikon zu überschreiten und die Macht in Rom an sich zu reissen. Um (Wahl-)Kampfglück und Macht geht es auch am

20. Oktober. Orakel? Die gibt es noch immer. Sie heissen heute Wählerumfragen und Wahlprognosen. Wie die Voraussage des Wetters über mehr als zwei Tage hinaus haben sie eine beschränkte Trefferquote, welche die Politologinnen und Politologen als «Vertrauensbereich» bezeichnen.

Wahlprognosen fussen auf Stichproben – basieren auf einer Teilmenge der gesamten Wählerschaft. Ein Teil der Leserschaft dieser Zeitung beantwortet jeweils die Tagesfrage – die Resultate sind zwar Fingerzeige, aber nicht repräsentativ. Systematische Stichproben versuchen die gesamte Wählerschaft im Kleinen abzubilden. Die Befragten entsprechen in Prozenten den echten Teilmengen der Stadt- oder Landbewohner, der Hauseigentümer oder Mieter, der gut verdienenden oder der finanziell weniger gut gebetteten Leute.

Wie findet man die nötigen Probanden? Früher fast ausschliesslich per Telefon. Mit Fragen zur Person wurde erst ausgelotet, in welchen «Topf» man gehört – dann die Fragen zum Sachgegenstand. Auch damals gab es keine mathematisch-statistische heile Welt. Zentrales Problem sind die Nichtwählenden. Wer der Befragten geht tatsächlich an die Urne und handelt? Spannend ist dies vor allem im Segment der erstmals Wählenden oder bisher wahlabstinenten Bürgerinnen und Bürger. Im Aargau dürfte ihr Wahlverhalten für die Grüne Partei matchentscheidend sein. Im bürgerlichen Aargau ist es für eine Linkspartei schwierig, anderen Parteien einen Sitz «abzujagen». Das Reservoir der Grünen sind Neuwähler.

Erstmals vor eidgenössischen Wahlen wird den politischen Präferenzen der Bevölkerung fast ausschliesslich mit Online-Umfragen auf den Zahn gefühlt. Fragebögen, die auf den Internetportalen von Zeitungen, Funk und Fernsehen aufgeschaltet sind, werden von den Surfern selbst ausgefüllt. Das ist kostengünstig und vereinfacht das Sammeln von Daten – innert weniger Tage trudeln Tausende von Antworten ein. Nur, wer hat die geliefert? Kaum jene Leute, die zwar wählen gehen, aber eher selten online sind und am Ausfüllen von Formularen keine Freude empfinden.

Dennoch: Meinungsforschung ist kein Hokuspokus – mathematische Verfahren lichten den Datennebel und führen zu einem «Vertrauensbereich», dem Prozentsatz der maximalen Abweichung der erhobenen Daten vom mutmasslichen Wahlresultat. Von den Umfrageergebnissen profitieren vor allem Parteien, die unter ihren Erwartungen geblieben sind. Deren Mitglieder werden hellwach und steigern den Wahlkampfeinsatz.

Was Umfragen nicht berücksichtigen können, ist die verflixte Mathematik der Demokratie – gemeint ist das Wahlverfahren für den Nationalrat mit dem Instrument des Restmandats. Beispiel: Im Aargau hat 2015 die SP mehr Stimmen erzielt als die FDP – aber einen Sitz an die Freisinnigen abtreten müssen. 2011 eine Zitterpartie zwischen CVP und FDP, aus der Letztere als Siegerin hervorging.

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