Grösste Baustelle im Aargau: 830 Betonpfähle tragen das neue Kantonsspital

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Blick auf die Baustelle: Gut erkennbar sind die Betonpfeiler, die den Untergrund stabilisieren. Der schwarze «Kubus» bleibt stehen, er beherbergt die Tagesklinik. Das alte Bettenhaus (l.) wird abgebrochen und einer Grünfläche Platz machen. © Andreas Fahrländer

Drei grosse Baukräne drehen sich über der Baustelle in Dättwil: Die Bauarbeiten für das neue Kantonsspital Baden laufen auf Hochtouren. In diesen Tagen hat der Hochbau begonnen auf der derzeit grössten Baustelle im Kanton.

Seit dem Spatenstich Ende August 2018 waren der Untergrund und das Fundament für das Projekt «Agnes» vorbereitet worden. Diese Arbeiten sind noch nicht ganz abgeschlossen. Sehr schön sieht man jetzt noch die 830 Betonpfeiler aus dem Boden ragen, die für eine stabile Bodenplatte ins Erdreich unter dem Neubau gegossen wurden.

Baden ist zwar nicht Venedig, aber die Pfähle im Boden haben den gleichen Effekt wie in der Lagunenstadt. Sie müssen nicht nur die enorme Last des Gebäudes tragen, sondern auch Erschütterungen und Erdbeben standhalten.

Die Betonpfeiler sind bis zu 32 Meter lang, je nach Beschaffenheit des Geländes auf dem Moränenhügel von Dättwil. Ein einzelner Pfahl trägt bis zu 700 Tonnen, wie das KSB auf seinem Blog zum Neubau schreibt.

Auf der Website gibt es auch anschauliche Visualisierungen zum Baufortschritt und man kann per Live-Kamera bequem von zu Hause aus zuschauen, wie das neue KSB in die Höhe wächst.

Gute Aussichten auf die Baustelle

Seit kurzem gibt es aber auch eine gute Möglichkeit, den Fortschritt auf der Baustelle in natura zu beobachten. Im obersten Stock des neuen Parkhauses hat das KSB eine kleine Aussichtsplattform geschaffen. Momentan kann man von hier aus zusehen, wie die Bodenplatte fertiggestellt wird.

Für die Aushubarbeiten waren rund 19 000 Lastwagenfahrten nötig. Dafür wurde eine separate Zufahrtsstrasse zur Autobahn A1 durch den Dättwiler Wald geschlagen, die nach dem Ende der Arbeiten wieder aufgeforstet und renaturiert wird.

So konnten viel Staub und Lärm im Siedlungsgebiet verhindert werden. Laut Omar Gisler, Mediensprecher des KSB, hat sich die Idee bewährt. Der grösste Teil des Aushubs landete in der nahegelegenen Deponie Rebhübel in Hendschiken.

Dort wurde das ehemalige Kiesabbaugebiet mit der Erde aufgefüllt und ebenfalls renaturiert. Ein kleiner Teil des Aushubs kam in die Holcim-Deponie in Mülligen, ein weiterer Teil blieb vor Ort in Dättwil.

Diese Erde wird für die Auffüllarbeiten im Gelände um das neue KSB gebraucht.
Während der gläserne «Kubus» – er dient seit 2016 als Tagesklinik unter anderem für die Onkologie und die Nephrologie, also die Nierenheilkunde – als Bestandteil des neuen Hauses bestehen bleibt, wird das lachsfarbene Bettenhaus von 1978 nach der Fertigstellung des Neubaus abgebrochen.

Auf der freiwerdenden Fläche soll eine Grünfläche entstehen und den bereits bestehenden Spitalpark ergänzen. Obwohl das alte Spitalgebäude in den letzten 40 Jahren gute Dienste getan hat, ist es in die Jahre gekommen und entspricht nicht mehr den neuesten Anforderungen an ein modernes, zunehmend digitalisiertes Krankenhaus.

Heilende Architektur mitten im Grünen

Der Entwurf für den Neubau stammt vom Architekturbüro Nickl & Partner aus München, das eine Niederlassung in Zürich hat. Architektin Christine Nickl-Weller, die an der Technischen Uni Berlin eine Professur für Gesundheitsbauten hat, sagte beim Spatenstich: «Es wird keine dunklen Flure mehr geben, sondern viel Luft und Licht im ganzen KSB.»

Auf Dachterrassen und in elf begrünten Innenhöfen sollen sich die Patienten erholen können. Aus jedem Patientenzimmer wird man ins Grüne blicken. Der Mensch soll laut Nickl-Weller im Mittelpunkt stehen.

Die Architektin setzt auf die sogenannte «Healing Architecture», heilende Architektur, die die Genesung von Kranken und Rekonvaleszenten nachweislich fördert. Sehr vereinfacht gesagt: Wer Ausblick auf Bäume und grüne Wiesen hat und sich dadurch wohler fühlt, wird schneller gesund, als Patienten, die auf graue Betonmauern schauen.

Gegen das Bauvorhaben war keine einzige Einsprache eingegangen. Bloss drei Jahre vergingen von der Ausschreibung des Projektwettbewerbs bis zur Baubewilligung im März 2018.

Im vergangenen Juni begingen die KSB-Mitarbeitenden die Grundsteinlegung. Im April 2021 ist die Aufrichte geplant. Das 450 Millionen Franken teure Gebäude mit 400 Betten soll Ende 2022 den Betrieb aufnehmen.

Was Königin Agnes mit dem Kantonsspital Baden zu tun hat

Das Projekt für den Neubau des Kantonsspitals Baden, der jetzt neben dem alten Bettenhaus von 1978 entsteht, trägt den klingenden Namen «Agnes».

Das hat einen guten Grund: Königin Agnes von Ungarn war es, die anno 1349 das erste Badener Spital stiftete – das Agnesen-Spital am Kirchplatz, aus dem später das Stadtspital (heute Regionales Pflegezentrum) und schliesslich das KSB entstand.

Die Habsburgerin war die Tochter von König Albrecht I., der oft in Baden weilte und von seinem Neffen Johann Parricida bei Windisch ermordet wurde. Das von ihrer Mutter Elisabeth gestiftete Kloster Königsfelden machte Agnes zu ihrem Wohnsitz und zu einem blühenden Machtzentrum. In Baden stiftete sie nicht nur das Spital, sondern auch die Spitaltrotte in Ennetbaden.

Das KSB lädt anlässlich des jetzt laufenden Neubaus mit verschiedenen Aktionen dazu ein, das Spital und seine Geschichte besser kennen zu lernen. So wurde letztes Jahr etwa der «KSB-Trail» eröffnet, auf dem sich Jung und Alt auf die Spuren von Königin Agnes begeben können.

Der Postenlauf führt wie eine Schnitzeljagd über das Gelände des Kantonsspitals – inklusive Aussicht auf die Baustelle. Der Badener Wortkünstler Simon Libsig verfasst zudem alle zwei Wochen eine neue Episode seiner 25teiligen «Spital-Dramödie» mit dem Titel «Drei Patientinnen unter einer Decke». Aus der Serie soll am Ende ein Buch entstehen. (af.)

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