In Plastik verpackte Wahlunterlagen - wie umweltschädlich sind die Folien wirklich?

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«Bei uns haben die Kunden die Wahl», sagt Martin Vogel, Chef des Druckbereichs der ZT Medien AG. Zeitschriften schützt er mit Folie oder Banderole für den Posttransport. Bild: bkr

Im dicken Aargauer Wahlcouvert findet sich Plastik. Zwei Couverts mit Werbung der Parteien sind zusammen in eine Folie eingeschweisst. Ein Skandal, finden Umweltaktivistinnen und -aktivisten. Neun Millionen Tonnen Plastikabfall landen jedes Jahr in den Meeren. Wenn unser Konsumverhalten in den nächsten Jahren gleich bleibe, würde es 2050 mehr Plastik als Fische im Meer geben, warnen internationale Umweltverbände und haben die Kampagne «Planet or Plastic» lanciert.

Die Verpackungsindustrie müsse komplett umdenken, lautet die Forderung. Gilt diese auch für den Transportschutz von Zeitschriften und anderer Druckprodukte? Der Zufall will es, dass in der aktuellen Publikation «Umwelt Aargau» des Umweltdepartements ein grösserer Beitrag dem Thema Druckereien und Umweltschutz gewidmet ist. Dieser beantwortet zwei Fragen: Welchen Beitrag leisten Druckereien zu einer sauberen Luft? Und: Wie stark belasten Verpackungen die Umwelt wirklich?

Zitiert wird eine Empa-Studie, in welcher untersucht wurde, wie stark sich Verpackungsmaterialien auf die Ökobilanz einer Zeitschrift auswirken. Auch dem Laien ist klar, dass die unverpackt spedierte Zeitung – eine solche lesen Sie gerade – am besten abschneidet. Dann aber kommt das grosse Staunen.

Betrachtet man die Ökobilanz über den ganzen Produktzyklus hinweg, weist eine LDPE-Folie (Low Density Polyethylen) die besten Ergebnisse auf – vor einer Banderolenverpackung und einem Couvert aus Papier. Apropos Couvert: «Umwelt Aargau» wird für den Posttransport mit einem solchen geschützt – wie auch die Parteienwerbung in den Abstimmungsunterlagen in zwei Kuverts verpackt ist. Die umweltfreundlichere Folie hat einzig den Zweck, sicherzustellen, dass alle Wählenden beide Pakete erhalten – und Wahlbeschwerden vermieden werden können.

Einen Vorteil hat die Papierverpackung: Es landen weniger Plastikfolien im Altpapier. Laut Max Fritz, Direktor des Papierindustrieverbandes ZPK, ein echtes Problem: «Viele folierte Printprodukte gelangen ungelesen und verpackt ins Altpapier.» Hingegen der Kehrichtverbrennungsanlage übergeben wird aus Polyethylen Energie (Wärme und Strom). Ein Faktum bleibt: Kunststoffe werden aus wertvollem Erdöl hergestellt. Laut dem Branchenverband Swissplastics beansprucht die weltweite Kunststoffproduktion – und dies für alle Verwendungszwecke – vier Prozent der jährlichen Erdölförderung.

Und was tun Druckereien für saubere Luft? Für ein gutes Gewissen in der Schweiz drucken lassen, heisst die Schlussfolgerung aus dem «Umwelt Aargau»-Artikel. Das beginnt beim Strom – im Druckbereich eine wichtige Ressource. In Polen stammt er zu 80 Prozent aus Kohlekraftwerken, in Deutschland zu 45 Prozent. Ein anderes Thema sind flüchtige organische Verbindungen (VOC). Für sie gibt es in der Schweiz seit dem Jahr 2000 Lenkungsabgaben, die ihre Wirkung gezeigt haben. Die ZT Medien AG als Beispiel ist bei den VOC auf der Positivliste des Kantons. Beim Papier findet nur solches Verwendung, das aus nachhaltig genutzten Wäldern stammt und, wo immer möglich, einen hohen Altpapieranteil hat – wie das Papier dieser Zeitung. Gedruckt wird zudem klimaneutral via Kompensation über CO -Zertifikate.

Martin Vogel, Geschäftsleitungsmitglied der ZT Medien AG und Technischer Leiter ztprint, ist in der Folien-Frage praxisorientiert: «Wir richten uns nach den Wünschen der Kundinnen und Kunden – Zeitungen werden auch unverpackt spediert.» Der eine oder andere Kunde setze aus Imagegründen auf Papier, andere sehen in der Folie den Vorteil, dass der Zeitschriftentitel in der Verpackung erkennbar ist. Was bevorzugt Martin Vogel? Er schmunzelt. «Als Drucker die Banderole – weil die mit einer Werbebotschaft oder einem Slogan bedruckt werden kann.»

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