Online, offline, allein

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Kürzlich war mein Handy offline. Kein Internetempfang, keine Telefonverbindung, kein W-Lan. Ich bekam nasse Hände und Herzrasen – und ein schlechtes Gewissen. So weit bin ich also schon: Der Ausfall meines Handys wirft mich total aus der Bahn. Dabei habe ich immer gedacht, ich sei nicht technik-abhängig. Es muss nicht das neueste Handy-Modell sein und als Computer tuts auch ein zehnjähriger – zumindest zu Hause. Handy mal weglegen, nicht erreichbar sein? Klar, mach ich regelmässig. Schliesslich habe ich Kinder und will auch in Sachen mobiler Kommunikation ein Vorbild sein. Doch jetzt das. Mein totes Handy stresste mich total.

«Was ist, wenn im Kindergarten etwas ist? Ob sie wohl auf dem Festnetz anrufen?», fragte ich mich und starrte erneut auf den Handybildschirm. Keine Verbindung. «Und im Geschäft? Kennen die überhaupt meine Festnetznummer?» Eigentlich hatte ich frei. Da aber ein Artikel von mir in der Zeitung vom nächsten Tag publiziert wurde, wäre es mir lieber gewesen, erreichbar zu sein. Falls noch Fragen offen sind. Man weiss ja nie. «Die ahnen ja gar nicht, dass ich nicht erreichbar bin», fuhr es mir plötzlich siedend heiss durch den Kopf. «Sie wissen nicht, dass ich ihre Nachrichten gar nicht lesen kann.»

So stellte ich fest: Offline gehen hat zwei Dimensionen. Eine stressige und eine vollkommen entspannte. Wenn ich bestimme, dass ich jetzt nicht erreichbar sein will, dann ist es kein Problem, das Handy wegzulegen. Ich habe ja vorher abgeschätzt, ob ich erreichbar sein muss oder nicht. Und ich habe allenfalls mitgeteilt, dass ich während einer gewissen Zeit eben offline bin. Fällt das Netz aber ungeplant aus, dann sieht es gleich anders aus. Ich muss mein Tun einem äusseren Zwang anpassen und bin nicht mehr so selbstbestimmt, wie ich es gern wäre. Und das Fazit? Schwierig zu sagen. Sich in Gelassenheit üben – vielleicht. Sich nicht abhängig machen von der Technik, vom Internet – ganz sicher. Oder einfach schon im Voraus akzeptieren, dass das Netz auch mal ausfallen kann, man ungewollt offline geht – das wäre das Beste. Denn, und das hat mich dieses Erlebnis gelehrt, so schlimm ist es nicht, nicht erreichbar zu sein.

Weder der Kindergarten wollte anrufen noch meine Kollegen von der Redaktion. Keiner hat gemerkt, dass ich einen halben Tag ungewollt offline war. Und das ist die vielleicht wichtigste Erkenntnis: Es ist besser, sich selber nicht so wichtig zu nehmen.

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