Als "Soulman" schenkt er einsamen Menschen seine Zeit - nun ist David Spielmann für den NAB-Award nominiert

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Die Senioren geben ihm mehr als er ihnen, sagt David Spielmann. Bild: zvg

«Ich will bewusst hilfsbedürftigen Menschen ehrliche und lebensfreudige Anteilnahme an ihrem Leben schenken», sagt David Spielmann (41) aus Kölliken. Deshalb besucht der ausgebildete Theaterpädagoge seit 2017 einsame Senioren zu Hause oder im Heim. Dort schenkt er ihnen Zeit, belebt ihren Alltag, erledigt Besorgungen, spielt mit ihnen, geht mit ihnen spazieren, hört zu oder erfüllt Wünsche – wie zum Beispiel eine Spritzfahrt auf dem Töff.

Auf die Idee des «Soulman» ist David Spielmann gekommen, als er im Zivilschutz im Altersheim einen älteren Herrn kennen lernte. «Da habe ich gemerkt, dass dieser durch unseren Kontakt regelrecht aufblühte.» So wurde ihm bewusst, dass Altersheime zwar wunderbar ausgerüstet sind, sich die Senioren aber trotz guter Betreuung oft allein fühlen. Dies auch, weil dem Personal mit seinen vielen Aufgaben schlicht die Zeit fehlt. «Darum war es mir ein Bedürfnis, in dieser Beziehung etwas zu bewegen.»

So startete David Spielmann zusammen mit seiner Frau Rahel und seinem Freund Patric Neeser 2017 eine Crowdfunding-Aktion für den «Soulman». Das Echo war überwältigend, man gründete einen Verein und realisierte das Projekt. David Spielmann kündigte seine Stelle als Sozialpädagoge und wurde zum «Soulman», der seine Zeit fortan kostenlos älteren Menschen widmete. Dank Spenden und Gönnern läuft das Projekt bis heute. Doch eine Garantie dafür, dass es so bleibt, gibt es nicht. «Am Anfang habe ich das unterschätzt. Ich und meine Familie mussten finanziell oft untendurch. Doch zum Glück haben wir das Experiment nicht abgebrochen – es ging immer wieder eine Tür auf.» David Spielmann ist überzeugt, dass es auch weiterhin gut kommt. Im letzten Jahr hat der Verein einen Kleinbus geschenkt bekommen – damit kann der «Soulman» jetzt auch grössere Ausflüge mit den Senioren unternehmen.

David Spielmanns Verein «Soulman» ist an fünf Tagen in der Woche praktisch rund um die Uhr und sporadisch auch am Wochenende für seine Senioren da. Er besucht sie zu Hause oder im Altersheim und kommt mit ihnen ins Gespräch. Er tut dies ehrlich interessiert und wertschätzend. «Ich frage einfach, was die Person im Moment braucht, und lasse mich darauf ein.» Da im Alter genau solche zwischenmenschlichen Kontakte oft verloren gehen, seien die Leute besonders dankbar dafür. Mittlerweile unterstützen ihn auch immer mehr Freunde und Kollegen bei solchen Einsätzen.

Nominierung ist weiterer Ansporn

Die Nominierung für den NAB-Award kam für David Spielmann aus heiterem Himmel. «Umso mehr freue ich mich darüber, dass dadurch noch mehr Menschen von der Idee erfahren und sie womöglich unterstützen.» Für ihn ist es ein Ansporn mehr, weiterhin für ältere Menschen da zu sein. Für diese Arbeit werde er allerdings jetzt schon reich beschenkt: «Denn die Senioren geben mir viel mehr als ich ihnen.» (az)

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