Datensammler und die E-ID der Bank

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Schweizerinnen und Schweizer sollen schon bald eine elektronische Identität (E-ID) erhalten – nicht zu verwechseln mit der Identitätskarte, die wir auf Reisen ins Ausland mitnehmen. Die E-ID wäre eine Art zentrales Login für zahlreiche Onlineaktivitäten wie Einkäufe, Banktransaktionen oder den Bezug von SBB-Billetten – und irgendwann auch für Behördengänge und Abstimmungen via Internet. Herausgeber der E-ID soll nicht der Staat sein, sondern private Unternehmen wie Banken, Post, SBB oder Swisscom – so wollen es Bundesrat und Parlament. Der Bund würde lediglich die Identität prüfen und bestätigen.

Diese Aufgabenteilung ist höchst umstritten und kommt bei den Stimmberechtigten schlecht an. Laut einer Umfrage der Universität Zürich unterstützen nur gerade zwei Prozent diese Lösung. Netz-Aktivisten laufen Sturm und haben bei den Sozialdemokraten und Grünen Partnerinnen für ein Referendum gegen das neue Gesetz Anklang gefunden. «Wir wollen keinen Pass der CS, UBS oder Swisscom», sagen Konsumentenschützerinnen und -schützer. Wer über die Daten hinter der E-ID verfügt – die irgendwann alle in der Schweiz wohnhaften Personen besitzen dürften –, bekomme ein Wissen, das mehr als ein Wettbewerbsvorteil ist.

Ein alter Weggefährte von mir (nennen wir ihn Max) hat zum runden Geburtstag ein Smartphone einer angesagten Marke geschenkt bekommen. Stolz nimmt er es mit auf die gemeinsame Wanderung. Bei der Mittagsrast in einem Restaurant (nennen wir es «Zum weissen Walfisch») erläutert er mir die unzähligen Funktionen des Geräts – schiesst ein Bild des eben servierten Essens und sendet dieses umgehend seiner Frau. Wir setzen die Wanderung fort. Plötzlich ein Signalton aus Maxens Jackentasche. Er zückt das Smartphone und bekommt die Frage gestellt: «Max, wie war das Essen im ‹weissen Walfisch?›»

Irritiert besuchen wir auf dem Bahnhof den Shop des Telekomanbieters. Ein smarter junger Mann erklärt, dass viele der Apps nur funktionieren, wenn sie laufend erfahren, wo genau sich das Gerät befindet. Mit anderen Worten: Ein Smartphone ist eine elektronische Fussfessel, die wir uns freiwillig anlegen – irgendwelchen Datensammlern unser Bewegungsprofil zur Verfügung stellen.

Weshalb werden wir an den Kassen der Grossverteiler konsequent nach unserer Kundenkarte gefragt? Aus Nächstenliebe, damit wir einen Rabatt in der Grössenordnung eines Prozents nicht verwirken? Glauben Sie, dass in unserer Wirtschaftswelt irgendetwas umsonst ist? Die Zeit der anonymen Rabattmärkli und ihrer Büchlein ist längst passé. Es geht um unsere Daten – sie sind die Währung des Digitalzeitalters.

Wenn etwas wertvoll ist, dann sind Kriminelle nicht fern. Weshalb ziert sich der Bundesrat, die E-ID in eigener Regie herauszugeben? Angst vor der Verantwortung? Der Bund hat sich an IT-Projekten immer wieder die Finger verbrannt.

Ein Paradebeispiel ist das E-Voting – das Wählen und Abstimmen via Internet. Real getestete Verfahren haben sich als zu unsicher erwiesen, weshalb es derzeit nicht möglich ist, elektronisch zu wählen. Franz Grüter, Luzerner Ständeratskandidat der SVP, ist ein IT-Experte. Für ihn birgt E-Voting enorme Gefahren und er will, dass über dessen Einführung nicht der Bundesrat, sondern das Volk entscheidet.

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