Die Kunstmalerin Ruth Wälchli verbindet Mättenwil mit Paris und dem UNESCO-Signet

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Ruth Wälchli in ihrer Stube. Der Mann auf dem von ihr gemalten Bild ist Werner Wälchli. Bild: REW

Markant steht das ehemalige Schulhaus in Mättenwil. Umringt von Bauernhäusern wurde es nach seiner Zeit als Lehranstalt als Bäckerei gebraucht. Heute ist es ein Wohnhaus. In der ehemaligen Backstube sitzt Ruth Wälchli, neben ihr ein dickes Buch. Die Biografie eines Künstlers, gut 1000 Seiten lang. «Da habe ich mir etwas vorgenommen», sagt Wälchli und lacht. Ihr Züritüütsch ist auch nach Jahrzehnten ausserhalb von Zürich noch immer unverkennbar.

1930 kam Ruth Wälchli, damals noch Bögli, in Wülflingen bei Winterthur zur Welt. Nach der Sekundarschule absolvierte sie die Kunstgewerbeschule in Zürich, wo Wälchli dreieinhalb Jahre später das Fähigkeitszeugnis als Grafikerin erhielt.

«Damals hatte man bei Grössen der Schweizer Kunstszene Unterricht in Zürich», erinnert sich Wälchli zurück. So hatte sie etwa Zeichnen bei Ernst Gubler, was ein wahrer Glücksgriff für alle Interessierten war. «Wer Engagement zeigte, wurde gefördert», erinnert sich Wälchli. Eingeteilt war sie auch in die Grafikerklasse von Ernst Keller, dem Schweizer Grafiker und Bildhauer. «Der hat sich immer wahnsinnig aufgespielt vor der Klasse. Regelmässig wurde man mit ‹Was für einen Schmarren hast du da wieder gezeichnet?›, heruntergeputzt.» In seinem kleinen Büro sei dann die Kritik unter vier Augen sehr viel sachlicher und konstruktiv gewesen.

Ihren Mann in der Schule kennen gelernt

Eines Tages kamen zwei neue Schüler in die Klasse. «Der eine war verheiratet und vom Bodensee. Der andere war Aargauer und sah für mich aus, wie der grösste Bauer», sagte sich Ruth Wälchli. Der «Bauer» war ihr späterer Mann, der Brittnauer Werner Wälchli, der 2010 verstarb. «Ich muss ihn mit meinen geflochtenen Zöpfen irgendwie an das Landleben erinnert haben. Bei einem Ausstellungsbesuch sprach er mich an mit ‹Gäll, du bisch au ned vo Züri?›», erinnert sich die 89-Jährige und lächelt in Erinnerungen schwelgend.

1948, der Zweite Weltkrieg war gerade vorüber, zog es Werner Wälchli nach Paris. Zuvor hielt er aber formell bei Ruths Eltern um ihre Hand an. «Meine Mutter wusste genau, um was es geht, als er sich angemeldet hat», erinnert sich Ruth Wälchli. «Sie nahm deshalb ihr bestes Tischtuch hervor.» Der Abstecher nach Paris verlief für Werner wenig versprechend. Die erhoffte Stelle bei einer Pariser Schriftgiesserei erhielt er nicht. Dafür fand er später eine Anstellung als künstlerischer Leiter bei der UNESCO. Dort gestaltete er unter anderem das heute immer noch verwendete Signet der Organisation. Als Ruth Wälchli mit ihrer Ausbildung fertig war, reiste sie ihrem Werner hinterher nach Paris.

Schnell wurde sie schwanger. Um zu verhindern, dass das Kind, sollte es ein Bub werden, von Geburt an Franzose ist und deswegen bei einem weiteren Krieg von der Französischen Armee hätte einberufen werden können, kehrten die beiden zurück in die Schweiz.

Nachdem sie zuerst in Zürich Seebach lebten, fanden sie 1973 ein Haus in Mättenwil, der Heimat von Werner. In der Zwischenzeit arbeiteten die beiden unter anderem als Grafiker für die Annabelle oder die Büchergilde. «Aufträge fertigten wir separat an und präsentierten sie den Kunden, ohne zu sagen, welcher Vorschlag von wem war. Den Lohn teilten wir uns», erklärt Ruth Wälchli.

Heute malt sie nicht mehr mit Ölfarben

Irgendwann kam bei den beiden die Malerei dazu. «Farbig, lebhaft, Landschaften und Porträts – so haben wir gemalt.» Die Bilder von Paul Cézanne oder Pierre Bonnard haben Ruth Wälchli immer gefallen. «Mit ganz abstrakten Bildern kann ich persönlich nichts anfangen», so Wälchli. Gemalt haben die beiden häufig, immer in anderen Zimmern. Ab und zu hätten sie das Werk des anderen begutachtet und die Meinung dazu kundgetan.

Heute malt Wälchli nicht mehr so oft und falls doch, bloss noch Aquarelle. «Mit Ölfarben gibt es immer eine wahnsinnige Sauerei, auch das Bespannen des Rahmens wäre heute für mich schwierig.» Zudem sei sie einfach auch zu müde zum Malen. «Je älter ich werde, desto müder vom Leben werde ich», so Wälchli.

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