Berauschende Opernklänge auf seifiger Handlung

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Wer treibts jetzt schon wieder mit wem? Mozart und Constanze bringen Ordnung in «Cosi fan tutte». Bild: Michael Flückiger

«Liebes Manndl, wo ist’s Bandl?», trällert Constanze (Madeline Engelsmann) ihrem Wolferl Mozart (Jeroen Engelsmann) ins Ohr. Die Bettlaken mag er gerne durchwühlen. Am liebsten aber schlüpft er ihr unter den Rock. Wo er das Gesuchte nicht findet. Im sich nun lustvoll entspinnenden Sing-, Such- und Wühlspiel eilt nicht nur das Paar, sondern auch die Figur des Baritons von Schwyz (Jonathan Prelicz) um das Bett herum. Drübergehüpft und untendurchgewuselt, bejubelt das Trio schliesslich den Fund.

Obwohl aus der Feder Wolfgang Amadeus Mozarts (1756–1791), hat das neckische Lied «Das Bandl», KV 441, in keine seiner Opern Eingang gefunden. Auf die Oper «Mensch Mozart» der Zofinger IG Opera passt es gleichwohl. Weil es Leichtigkeit und neckische Art des Klassik-Rockstars ins Bild fasst. Wobei das Grossartige Mozarts darin bestand, dass er nicht bloss eingängig einfache Notenfolgen zimmerte, sondern auch komplex Tiefgründiges aufs Notenblatt warf.

Lust auf Mozarts Opern machen

Der Librettist Kurt Palm hat das Stück mit viel Schalk als aalglatte Seifenoper deklariert. «Folgerichtig spielen Dreiecksgeschichten in unserer Darbietung ein Leitmotiv», verrät Anna Merz, ihres Zeichens künstlerische Leiterin der IG Opera. Regisseur Corsin Gaudenz meisselt das Geschehen im intensiven Dialog mit den Solisten aus dem Libretto heraus. «Wir wollen die Figur Mozart in Fleisch und Blut zeigen und zugleich Lust auf dessen Opern machen. Das ist unser Anspruch.» Bescheiden ist dieses Vorhaben nicht. So schillernd wie der Komponist sind auch Musik und Handlungen seiner Opern. Mit viel Akribie widmen sich daher Regisseur und Solisten in dieser Probe der Schlüssigkeit und Anschaulichkeit. Die historischen Einordnungen, die die Kunstfigur «Bariton von Schwyz» in Mundart vornimmt, genügt nicht, um das Publikum nicht bloss zu unterhalten, sondern ihm auch Wissen zu vermitteln. Die Nacherzählung von «Le nozze di Figaro» ist müssig, Figurentafeln, die durcheinandergeraten, dienen der Verständlichkeit besser.

Das ganze Stück funktioniert einer Revue ähnlich. Mozart erklärt sich selbst in Wort und Tat. Das Publikum ist dem Komponisten nicht heilig. Er zieht es in ein Rätselspiel hinein – oder er macht einer Dame im Publikum possierlich unanständige Avancen. Was zu Wortgefechten mit Constanze führt. Die Soap-Handlung und die mitunter derbe Sprache kontrastieren mit kraftvoll ausdifferenzierten Ausschnitten aus «Die Zauberflöte», «Don Giovanni», «Die Entführung aus dem Serail» und «Le nozze di Figaro».

«Eine kleine Nachtmusik» darf nicht fehlen. Und als«Das Butterbrot» angestimmt wird, beissen die Darsteller derart herzhaft ins Knäckebrot, dass es kracht. Der Chor lässt es sich nicht nehmen, die bunt zusammengewürfelten Szenen zudem mit Falcos 80er-Jahre Hit «Rock me Amadeus» zu befeuern.

Der Gesang der drei wohldekorierten Profi-Solisten sitzt, die Konzentration gilt dem Rollenspiel und darstellerischen Nuancen. Nicht minder professionell ist das Orchester aufgestellt. Anna Merz lässt durchblicken, mit wie viel Spass sie den Klavierpart durch Yvonne Glur am Akkordeon ersetzt hat: «Hätte es das Instrument damals schon gegeben, Mozart hätte es bestimmt eingesetzt», meint sie.

Der Laienchor aus der Region ist einmal mehr unverzichtbar. Die einzelnen Sängerinnen und Sänger bieten dem Mozart und seinen Opernhelden nicht bloss Widerpart. Wenn sie nicht gerade singen, fungieren sie als Bühnenbildelemente. Mehr Bühnenpräsenz geht nicht.

Die Kunst muss sich jede Freiheit nehmen können

«Unsere Darbietung bietet ungewohnte Rollen, sowohl für die Solisten, wie auch die Musiker und den Chor», unterstreicht Anna Merz. «Das bringt uns nicht nur Herausforderungen, sondern macht uns auch freier und flexibler in der Umsetzung.» Verständlicherweise beinhaltet diese freie Form auch Gelegenheit für Szenenwitz und Knalleffekte. Aus den Probenausschnitten wird rasch klar: Die IG Opera bietet einmal mehr Spass mit Gehalt. Wunderbare Arien sowie Duette und ausgefeilte Coloraturen lassen das musikalische Herz höherschlagen. Mit Unanständigkeiten ist allerdings zu rechnen. Liegt doch bei Mozart die Zunge nah am Arsch. Schliesslich soll, ja muss die Kunst sich jede Freiheit nehmen können, wie er meint.

«Mensch Mozart»

Premiere: Samstag, 26. Oktober, 20 Uhr im Palass in Zofingen.

Weitere Aufführungen: Sonntag, 27. Oktober, Montag; 28. Oktober; Freitag, 1. November; Samstag, 2. November.

Dernière: Sonntag, 3. November.

Vorverkauf via www.igopera.ch oder Stadtbüro Zofingen.

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