Alfred Jost: «Ich versuche jeden Tag bewusst zu leben»

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Bestatter Alfred Jost (rechts) zusammen mit seiner Gattin Andrea Jost und Sohn Mikel Rüegger. Bild: Emiliana Salvisberg

Dicht an dicht brennen unzählige Kerzen. In den Nächten um Allerheiligen und Allerseelen tauchen Grablichter die Friedhöfe in warmes Licht. Sie sind ein Zeichen gegen die Dunkelheit und das Vergessen. Jeden Tag mit dem Tod und der Trauverarbeitung konfrontiert ist Alfred Jost. Als Bestatter begleitet er seit 30 Jahren Verstorbene und deren Angehörige auf dem letzten Weg. Für ihn steht an den beiden Gedenktagen nicht nur der Verlust eines Menschen im Zentrum, sondern vor allem auch die Dankbarkeit, einen geliebten Menschen gekannt zu haben.

«Jedes Ableben bewegt mich, weil der Tod ein unwiderruflicher Abschied vom irdischen Dasein ist.» Alfred Jost hat selber erfahren, wie schmerzlich der Verlust eines geliebten Menschen ist. Er kennt die Trauer und die Gefühlsleere. «Jeden Tag denke ich an meinen Sohn, der vor 18 Jahren gestorben ist», sagt er, hält inne und fährt fort: «Deshalb ist es mir wichtig, Angehörigen möglichst viel abnehmen zu können.»

Im Gespräch mit Hinterbliebenen gehe es ihm darum, individuelle Wünsche wie Sterbekleider und Sarg in Erfahrung zu bringen. Zu seinen Aufgaben gehört das Einsargen, das Aufbahren und das Überführen ins Krematorium, die Kirche und auf den Friedhof. Die Organisation der Begräbnisfeier, das Abfassen von Todesanzeigen und Trauerdrucksachen sowie das Besorgen von amtlichen Dokumenten. Eine weitere Aufgabe sei das Überführen von Leichen ins Ausland oder vom Ausland in die Schweiz.

Ob Abdankung mit Orgel, Predigt und Liedern oder frei gestaltete Zeremonie – Jost findet es wichtig, dass ein Abschiednehmen vom Verstorbenen möglich ist. «In welcher Form auch immer, es ist für alle Hinterbliebenen ein wichtiger Teil der Trauerbewältigung, um zu begreifen, dass der Mensch gestorben ist.» Er selber hat keine Angst vor seinem irdischen Ableben. «Irgendwo und irgendwie geht es weiter, aber niemand kann dem Tod ausweichen.» Über viele Dinge rege er sich gar nicht mehr auf, weil er denke, dass es nicht wichtig genug sei. «Ich versuche jeden Tag bewusst und intensiv zu leben.» Gutes Essen in geselligen Runden lieben er und seine Frau Andrea ebenso wie das Tanzbein zu schwingen. Musikalisch hört er gerne Schlager. «Es ist so positive Musik, die gute Laune verbreitet und mich auch der Texte wegen berührt.» Der 64-Jährige ist ein einfühlsamer Mensch, der seinen Humor bewahrt hat. Kraft tankt der Safenwiler bei seinen täglichen Spaziergängen durch den Wald und beim Bearbeiten von Holz. Jost gibt zu, dass es nach wie vor Situationen gibt, die in stark aufwühlen – bei Opfern eines Unfalls oder bei einem Suizid. «Es ist ein Unterschied mit Eltern zu sprechen, die ihr Kind verloren haben, als mit Menschen zu sprechen, die den 90-jährigen Vater zu Grabe tragen müssen.»

Seit drei Jahrzehnten ist Jost mit dem Leichenwagen unterwegs. Als Bestattungsfunktionär fing er in Zofingen an, weil sein Vorgänger, Robert Häuselmann, damals Unterstützung suchte. «Nach einem Probearbeitstag wusste ich, dass ich das machen möchte.» Er gab seine Arbeit in der Metallbranche auf und arbeitete zwei Jahre lang mit Häuselmann. Nach dessen Tod übernahm Jost die Arbeit seines Chefs und war weitere sechs Jahre Angestellter der Stadt Zofingen, bis er die Bestattungsinstitution privatisierte, die heute Sitze in Zofingen, Oftringen und Reiden hat. Seit Jahren arbeiten seine Ehefrau Andrea Jost und Sohn Mikel Rüegger mit. Zur Seite stehen ihnen vier Teilzeitangestellte. Das Vertrauen und die Offenheit der Hinterbliebenen berühren ihn. «Routine kennen wir nicht, denn jede Bestattung ist einzigartig, wie es der Verstorbene war», sagt Alfred Jost.

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