Der Stadtchor besteht seine Bewährungsprobe

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Unter der Leitung von Hiram Rodrigues dos Santos (l.) führte der Stadtchor Zofingen die Messe in D-Dur von Dvořák auf. Mitwirkende waren auch vier Gesangssolisten und fünf Symphonisten. Bild: Kurt Buchmüller

«Ja, es war eine herausfordernde Probezeit», bestätigte ein Chormitglied. «Wir begannen mit der Einstudierung im Frühling. Dann gab es einen Unterbruch vor und während des Stadtfestes. Danach hatten wir noch zwei Monate Zeit für den Finish.» Es war ja nicht nur die musikalisch anspruchsvolle Messe allein. Der Zofinger Stadtchor musste sich auch vertraut machen mit der Auslegung des lateinischen Textes und der lückenlosen Vernetzung mit den Gesangssolisten und fünf Symphonisten.

Dirigent Hiram Rodrigues dos Santos hatte sich für Zofingen etwas Besonderes ausgedacht. Antonín Dvořák (1841– 1904) hinterliess zwei verschiedene Versionen: eine für Soli und Chor mit Orgelbegleitung und die andere mit Orchesterbegleitung. Hiram Rodrigues fand einen Mittelweg und dieser erwies sich als vollwertig: Reina Abe (Flöte), Letizia Viola (Fagott), Michal Lewkovicz (Klarinette), Martin Danêk (Oboe) und Oliver Picon (Horn) bildeten ein international zusammengesetztes Bläserquintett mit profunder Ausbildung und vielfältiger Konzerterfahrung. Gemeinsam sind ihnen die Entfaltung wunderschöner Klangfarben sowie die Sensibilität und das sinnstiftende Einfühlungsvermögen, mit der sie diese Qualitäten in den Verlauf der Messe einbrachten.

Ähnliches lässt sich von den vier Gesangssolisten sagen, auch sie sind internationaler Herkunft und können eine hochgradige Ausbildung sowie breitgefächerte Konzertpraxis nachweisen. In der Messe traten Jessica Jans (Sopran), Dina König (Alt), Davide Fior (Tenor) und Roland Faust (Bass) nicht nur mit gefühlvollen Soli in Erscheinung, sondern banden sich den Chor unterstützend in «Kyrie», «Gloria» und «Credo» ein. Einzig das «Sanctus» und «Benedictus» überliessen sie nur dem Chor und den Symphonisten.

«Glaube, Hoffnung und Liebe zu Gott»

Eine zweckerfüllende Messe – dieser Ansicht war schon Dvořák selber. Am 17. April 1887 schrieb er einem Freund, er habe die Messe in D-Dur glücklich beendet und Freude daran. «Ich denke, dass es ein Werk ist, das seinen Zweck erfüllen wird. Es könnte heissen: Glaube, Hoffnung und Liebe zu Gott, dem Allmächtigen.»

Das Publikum in der Stadtkirche konnte wahrnehmen, wie im wiegenden «Kyrie» eine kontrastreiche und ergreifende Dynamik entfaltet wird, einzelne Partien des Chores zum Crescendo anschwellen und sich wieder abschwächen, je nach Inhalt des Textes. Das kam auch später immer wieder in erstaunlicher Geschlossenheit des Chores vor, das Kennzeichen erprobter Gesangskultur und durchgreifender Stimmbildung über alle Stimmregister.

Das «Gloria» begann freudig jubelnd, wechselte sodann im Mittelteil zu einer besinnlichen Partie, getragen vom verkleinerten Chor und den Solisten und wieder waren es die dynamischen Steigerungen, die am Schluss der Herrlichkeit Gottes Substanz gaben. Das «Credo», der längste Satz der Messe, ist in mehrere unterschiedliche Abschnitte aufgeteilt. Dementsprechend wird der Text passend zu den jeweiligen Solisten zurückhaltend im Alt und Tenor ausgelegt und sodann vom Chor im Tutti bestätigt, kraftvoll vom Bass und emporsteigend vom Sopran. Die Kreuzigung Christi deklamierte der Chor im Fortissimo, auf die Ungeheuerlichkeit des Geschehens hinweisend. Dieser Satz schloss mit einem feierlichen «Amen».

Nun machte der Dirigent eine Denkpause und zog sich in den Hintergrund zurück. Allein auf sich gestellt, liessen Flöte, Klarinette, Horn und Fagott das Quartett Nr. 1 F-Dur von Rossini erklingen, voller Harmonie, Klangschönheit und Melodik, die unbelastete Seite des Daseins auslegend. Die Rückkehr zur Messe geschah mit einer langen Einleitung des «Sanctus» durch die Symphonisten. Im damit verbundenen «Benedictus» übernahm der Chor den Faden und verdichtete den Text intensiv mit Varianten des Grundthemas. Das folgende «Agnus Dei» begann mit einer ausgedehnten Fugenexposition der Gesangssolisten. Der Chor antwortete mit einem inbrünstigen «dona nobis pacem», gib uns Frieden. Das Besondere an dieser Messe war die Einheit im Zusammenspiel der Mitwirkenden, die Präzision der Einsätze und die dynamische Ausdrucksweise. Der Stadtchor ist und bleibt der Stolz der Stadt!

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