30 Jahre «Bim Buume»: «Die 90er waren die besten Jahre»

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Hannes Baumann und Lebenspartnerin Susanne Kneubühler in der Gaststube. Es gibt keine Karte mehr, das Menü steht jetzt auf Schiefertafeln. Bild: Marc Benedetti
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Ein Foto von 1990: Hannes Baumann (links) mit Ex-Frau Daniela und seinen Mitarbeitern.

Das Restaurant «Bim Buume» ist seit bald 30 Jahren eine sichere Adresse für Gourmets und alle, die Qualität beim Essen schätzen. Am 1. Dezember 1989 eröffnete Hannes Baumann mit seiner damaligen Frau Daniela sein eigenes Restaurant in Wikon. Damals hiess es noch Gasthaus Bahnhöfli. «Wir konnten das Lokal Hermann Gerber abkaufen, der es in dritter Generation geführt hatte», erinnert sich Baumann.

Zwei Dorforiginale waren die ersten Gäste

Er hatte die Schweizerische Hotelfachschule Luzern besucht und bei Spitzenköchen im In- und Ausland bereits seine Sporen abverdient. «Abstrus» sei der Start 1989 gewesen, erinnert sich der Wirt. Die erste halbe Stunde sei niemand gekommen. Baumanns fragten sich bange, ob sie nicht genug Werbung gemacht hatten. «Um 8.30 Uhr ging die Türe auf und ‹Onkel Schnauz›, ein Dorforiginal aus Brittnau, trat ein. Er bestellte ein Bier ohne Glas.» Der zweite Gast war Siegfried Häfliger («Sigu») aus Wikon. «Die Türe flog auf, er trat mit seinem schwarzen Dackel ein, warf die Leine auf die Bank und murmelte etwas auf Russisch. So hatten wir uns den Anfang unseres exklusiven Speiselokals nicht vorgestellt.» Am Freitag hätten sie eröffnet, am Sonntag sei das Wirtepaar den Tränen nahe auf der Gartenterrasse gesessen. «Wir wollten gleich wieder aufhören», sagt Baumann.

Zum Glück haben sie nicht aufgegeben, denn bald sollte das Geschäft brummen. Das Restaurant fuhr zweigleisig: Gediegenes feines Essen im Säli und einfachere Schweizer Gerichte in der Gaststube, als einem Ort für alle und das Feierabendbier. «Die 1990er-Jahre waren die besten.» Viele Geschäftsleute seien eingekehrt, nach dem Mittagessen lange geblieben, hätten ihre Abschlüsse bei ihnen gefeiert und waren spendabel. «Vor allem am Freitagmittag war immer sehr viel los.» Später begann die Ära mit dem Restaurantführer GaultMillau. «Christoph Ringier war oft bei uns zu Gast», erinnert sich Hannes Baumann, «er machte uns schmackhaft, uns doch bewerten zu lassen.» Der Ringier-Verlag («ich habe ihm viel zu verdanken») machte das Restaurant schweizweit bekannt.

Der Betrieb lief gut. Vor 20 Jahren erfolgte die Trennung von seiner ersten Frau. Ein Einschnitt. Baumann holte Küchenchef Antonio Gioiello zurück, der bei ihm gearbeitet hatte (heute «Mostkrug» in St. Erhard). Gioiello kochte, der Chef kümmerte sich um die Gäste. «Eine strenge und schöne Zeit.» Später stand Baumann wieder selber am Herd und erkochte sich die 16 Punkte im «GaultMillau», was für «hohe Qualität und Kreativität» steht. Weil der Restaurantführer ihm aber 2018 einen Punkt entzog, und Baumann sich darüber ärgerte, bat er, nicht mehr im Buch zu erscheinen. «Wir waren überlastet an diesem Tag. Die Kritik war gerechtfertigt. Aber der Tester hätte ein zweites Mal vorbeikommen können.»

Seit 2018 wurde der Betrieb redimensioniert

Seither hat Baumann vieles verändert. Er wollte nicht mehr Punkten und Sternen nachjagen, viel Personal beschäftigen und fast rund um die Uhr im Betrieb stehen. «Buume geht andere Wege», heisst es auf seiner Homepage: «Das Abenteuer beginnt, Buume will’s anders, freier, viel Spielraum und vor allem Freude, um seine liebsten Dinge zu vereinen ...».

Seine liebsten Dinge, das sind die Jagd in den Wäldern der Umgebung, Kochkurse, wo er sein Know-how weitergibt und Kutschenfahrten mit gastronomischem Angebot. Hannes Baumann und seine Lebenspartnerin Susanne Kneubühler haben das Lokal abgespeckt. Die Säle werden nur noch für Bankette geöffnet. Gegessen wird jetzt nur noch in der Gaststube – unter Lampen mit urchigen Hirschgeweihen.

Wild aus eigener Jagd, Schmorgerichte nach traditioneller Art und ein gut ausgestatteter Weinkeller mit regionalen, schweizerischen und internationalen Tropfen locken die Leute in die Gaststätte beim Bahnhof Brittnau-Wikon. «2020 werde ich 60 Jahre alt und stehe dann 40 Jahre am Herd», sagt Baumann nostalgisch, «dann werden wir voraussichtlich nur noch Freitag und Samstag offen haben.» Das Lokal soll ausserdem umgebaut werden. Klein, aber fein, solle es werden.

Hannes Baumann ist seit 12 Jahren Präsident der Region Willisau beim Wirteverband Gastro Luzern. Dort will er auch kürzertreten: Im Februar 2020 wird er das Amt abgeben.

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So sah die Gaststube des «Bahnhöfli» aus, bevor Baumanns das Lokal übernahmen. (Bilder: zvg)
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Das «Bahnhöfli» in Wikon auf einem alten Foto. Das 1911 erbaute Lokal wurde drei Generationen von der Familie Gerber geführt.
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Die Jagd ist seit jeher eine Passion von Hannes Baumann (Bild: Raphael Nadler, Oktober 2018)
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Baumann erkochte sich 16 Punkte im «GaultMillau», was für «hohe Qualität und Kreativität» steht. (Bild: Raphael Nadler, Oktober 2018)
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