Flugplatz, Ölraffinerie und ein Disneyland: die skurrilsten Projekte im Wauwilermoos

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Die erhaltene Naturidylle: Blick vom Santenberg über die Wauwiler Ebene. Bild: Hansjörg Gassmann
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Ein Modell der geplanten Erdöl-Raffinerie im Wauwiler Moos.Bild: Staatsarchiv Luzern

Die Ausgabe 2020 der «Heimatkunde des Wiggertals» ist erschienen. Das Redaktionsteam hat mit vielen externen Autoren auf 232 Seiten einen bunten Strauss von Themen aus dem Einzugsgebiet der Wigger aufgegriffen – vom Luzerner Napfgebiet bis nach Zofingen und Aarburg.

Einen Schwerpunkt bildet der Beitrag über Bauprojekte im Luzerner Wauwilermoos, die alle Makulatur blieben. Manche verbinden diese Landschaft mit der kantonalen Justizvollzugsanstalt. Andere erinnern sich an archäologische Ausgrabungen. Der Naturfreund denkt an ein Reservat zur Beobachtung der einzigartigen Tier- und Pflanzenwelt.

Doch es hätte ganz anders kommen können, schreiben Hansjörg Gassmann und Josef Stöckli in ihrem Beitrag. So gab es zweimal Pläne, einen Flugplatz in der Ebene zu realisieren. Die Planer des damaligen Eidgenössischen Luftamts wiesen 1941 darauf hin, dass neben den bestehenden Flughäfen (Zürich/Dübendorf, Genf und Basel) auch das Szenario eines völlig neuen Zentralflughafens in Betracht gezogen werden sollte. Namhafte Persönlichkeiten setzen sich für einen Grossflughafen in der Wauwiler Ebene ein.

Fliegen war 1941 noch nichts für die breite Masse

Während sich der Luzerner Tourismus mehr Gäste versprach, war die Allgemeinheit eher kritisch eingestellt. Man konnte damals die rasante Entwicklung des Flugverkehrs noch nicht voraussehen und glaubte, nur Geschäftsleute benutzten dieses Fortbewegungsmittel. Der Interkontinental-Flughafen wurde nie realisiert.

1969 gelangten Privatpiloten an den Luzerner Regierungsrat. Sie wollten einen Privatflugplatz errichten und baten, ihnen 16 000 Quadratmeter Land für 50 Jahre im Baurecht abzugeben. Das Ansinnen lehnte der Luzerner Regierungsrat ab. Es gehe nicht an, «einzelne in ihren Hobbies auf Staatskosten zu begünstigen», lautete die Begründung. Fortgeschrittener waren die Pläne für eine Erdölraffinerie auf dem Gemeindegebiet von Schötz. Die Luzerner Regierung hatte den Grossen Rat über diese Pläne der Mittelland-Raffinerie AG informiert, nicht aber die betroffene Bevölkerung. 1964 gab die Kantonsregierung an einer Gemeindeversammlung in Schötz Auskunft. Sie verwies auf den wirtschaftlichen Rückstand des Kantons Luzern. 47 Landbesitzer verkauften Land. Der Bundesrat stoppte das Projekt aber 1966. Der Bau einer Pipeline sei angesichts des Landschafts-, Gewässer- und Umweltschutzes nicht verantwortbar. Die Abhängigkeit der Schweizer Raffinerien von Rohrleitungen ab Marseille und Genua wäre überdies zu gross.

In den 1960er-Jahren plante der Kanton Luzern, einen Kurz- und Mittelwellensender zu errichten. Er sollte die Sendeleistung von Radio Beromünster weit übertreffen. Die befürchtete Strahlenbelastung weckte jedoch grossen Widerstand. Eine weitere Planungsleiche.

In den 1970er-Jahren gab es Pläne für einen Vergnügungspark à la Disneyland. Federführend war der Zürcher Rechtsanwalt Hans W. Kopp, der Gatte von Elisabeth Kopp, die 1984 zur ersten Bundesrätin gewählt wurde. Dieses Projekt war der Bevölkerung sympathisch – doch es versandete ebenfalls.

Flugplatz, Erdöl-Raffinerie, Disneyland, Radiosender: Alle Projekte waren gescheitert. Das Land gehörte aber immer noch der Mittelland-Raffinerie AG Schötz. Der Regierungsrat beendete alle Spekulationen um solche Grossprojekte. Mit einem Grossrats-Dekret kaufte der Kanton alle Aktien der Raffinerie für 10,6 Millionen Franken und damit eine Landfläche von 132,5 Hektaren in den Gemeinden Schötz, Ettiswil und Egolzwil.

Zweimal gab es übrigens auch Pläne, in der Wauwiler Ebene eine Kehrichtdeponie zu bauen. 1967 wollte die Kehrichtbeseitigung Suren- und Wiggertal direkt neben dem Vogelreservat Abfall deponieren. Der Kanton sagte Nein.

Zudem war das Gebiet Hostris in den 1990er-Jahren kurz als Erweiterung der Kehrichtdeponie in Ufhusen im Gespräch, als die dortige Gemeindeversammlung Nein gesagt hatte. Nach einer finanziellen Abgeltung stimmten die Ufhuser dann doch noch zu.

Die Autoren schliessen ihren mit interessanten Dokumenten unterlegten Beitrag mit diesem Fazit: «Die ‹raffinierte Natur› war zum Glück stärker! Es kann nicht nur Zufall sein, dass so hochtrabende und zum Teil irrwitzige Planungen im Sand verliefen. Nebst besonnenen Kräften haben wohl auch höhere Fügungen mitgeholfen, die Wauwiler Ebene zu schützen.» Realisiert wurde einzig um 1850, entlang der Siedlungsgrenze zum Moos, die Bahnlinie Basel–Olten–Luzern.

Zwei Beiträge über Archäologie in Zofingen

Die «Heimatkunde» 2020 ist ab sofort im Buchhandel und in ausgewählten Geschäften erhältlich. «Alle Texte sind lesenswert», sagt David Koller aus Zofingen, Mitglied der sechsköpfigen Redaktionskommission. «Persönlich gefallen mir besonders die Übersicht über die Projekte im Wauwilermoos, der Text über die ‹Kriegsschlaufe› der SBB bei Zofingen, jener zur Zwangsfusion von Eppenwil und Grossdietwil sowie ein Beitrag zur Geschichte des Veloclubs Pfaffnau-Roggliswil.»

Zofingen hat mit zwei Beiträgen über Archäologie einen Platz erhalten. Der erste schildert die Wiederentdeckung der Oberen Badestube auf dem Platz westlich des Pulverturms 2018. Im zweiten geht es um die Renovation des Wohnhauses Rathausgasse 17.

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