200 Jahre alt und morsch: Wird die Engelscheune zu einer neuen Eventlocation?

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Die Engelscheune, wie sie heute (unter dem schützenden Gerüst) noch steht. © Urs Helbling

Denkmalgeschützt ist die Engelscheune nicht. Aber für das Gesamtbild des Ortskerns doch so wichtig, dass der Kanton die Pläne des Oberentfelder Gemeinderats für die marode Scheune über den Haufen geworfen hat. Das kommt die Gemeinde nun teuer zu stehen.

Wie teuer, ist noch nicht klar. Aber eine halbe Million Franken dürfte es sein, mindestens. So hat die Gemeinde das in der Mitteilung zum Budget 2020 geschrieben, ohne weiter auf den Fall einzugehen.

«Mindestens», das betont auch Gemeindeammann Markus Bircher. Aber genauere Zahlen kennt auch er noch nicht. «Klar ist heute erst, dass wir das Dach sanieren werden», sagt er. Genau das also, was die Gemeinde tunlichst vermeiden wollte – aus Kostengründen.

Die Ausgangslage: Im Juli 2018 lag das Baugesuch für den Abbruch des Scheunendaches auf (Eigentümer der Engelscheune ist die Einwohnergemeinde). Das Dach sei akut einsturzgefährdet, hiess es. Dies, weil vor Jahrzehnten tragende Teile entfernt worden waren, was zu einer Verformung der Wände führte. Zwar wurden damals zur Stabilisierung in einer Notfallübung Stahlseile ins Dach gezogen.

Durch die Verschiebungen war das Dach aber undicht geworden, Wind und Wetter setzten dem über 200 Jahre alten Konstrukt zu. «Heute sind selbst massivste Balken teilweise so morsch, dass man sie mit dem Fingernagel auskratzen kann», sagte Bauverwalter Jürg Stucki damals gegenüber der AZ.

Das Dach hätte nun gemäss den Plänen des Gemeinderates nicht durch ein Satteldach, sondern durch ein Flachdach ersetzt werden sollen. Die Fassade wäre stehengelassen worden. Der Grund für die Wahl dieser Massnahme: die Kosten.

Ein Rückbau kostet rund 200000 Franken, ein Ersatz das Doppelte, wenn nicht gar das Dreifache. Doch das war dem Kanton ein zu grosser Eingriff ins Ortsbild.

Nach langem Ringen zwischen Kanton und Gemeinde sowie einer Verwaltungsbeschwerde von Seiten der Gemeinde, wurde diese im Juni 2019 vom Regierungsrat dazu verpflichtet, das Dach und die Aussenmauern in Zusammenarbeit mit der Denkmalpflege zu sanieren.

Kostenpunkt: die genannte halbe Million, mindestens. Weil sich die Sanierung auf einen Beschluss des Regierungsrates stützt, kann Oberentfelden nicht über die Investition abstimmen.

Ein neues Dach allein bietet der Gemeinde aber keinen Mehrwert. «Auch wenn wir das Dach sanieren, so bleibt es doch nur eine Scheune», sagt Markus Bircher. Nutzen kann man das Gebäude nur als Lager- oder Abstellraum.

Das Problem: Das Dach ist nicht isoliert, die Böden sind unterschiedlich hoch, es gibt keine Toiletten, geschweige denn hindernisfreie Eingänge beziehungsweise Lifte. Lauter kostenintensive Dinge, welche die Gemeinde im Juli 2018 dazu bewogen haben, das Dach zurückzubauen.

Abklärungen zu künftiger Nutzung laufen

Doch genau diese Investitionen könnten jetzt Thema werden. Getreu dem Motto: Wenn schon, denn schon. «Wir müssen nun abklären, was getan werden müsste, um die Engelscheune künftig zu nutzen», sagt Markus Bircher.

Eine Nutzung beispielsweise als Mehrzweck- oder Konzertraum, mit einer Bühne für Theatervorstellungen oder dergleichen. Solche Nutzungen würden nicht nur den gewünschten Mehrwert bieten, sondern auch Mieteinnahmen generieren.

Zu einem allfälligen Ausbau laufen aktuell Abklärungen mit Architekten und Holzbauingenieuren. Liegen Pläne zur Machbarkeit und erste Zahlen auf dem Tisch, wird der Gemeinderat weitere Schritte skizzieren und diese der Bevölkerung vorstellen können. Wann dies sein wird, kann Bircher heute noch nicht sagen. «Wir hoffen aber, dass wir im Frühling zumindest mit der Sanierung des Daches beginnen können.»

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