Wenn der Trainer die Nerven behält und zum Matchwinner wird

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Olten und Langenthal trafen zum zweiten Mal in dieser Saison aufeinander. (Bild: freshfocus)

Es waren 49 Minuten absolviert, da erhielt eine Allerweltspartie, fernab von hoher Intensität und magistraler Qualität, doch noch Derbycharakter. 2:0 hatte der EHC Olten geführt und war in allen Belangen die bessere, konstantere Mannschaft, als der SC Langenthal die Partie innert 97 Sekunden vom 0:2 zum 3:2 wendete. Es waren 97 Sekunden, in denen die Powermäuse eine Auszeit nahmen und alles falsch machten, was nur falsch gemacht werden kann. Erst patzerten die Verteidiger bei der Zuordnung, danach griff auch noch der sonst einmal mehr überragende Torhüter Silas Matthys daneben. Doch wer dachte, dass das Team auseinanderfallen würde, täuschte sich. Gerade noch rechtzeitig zog Trainer Fredrik Söderström sein Timeout. Doch von einer wütenden Brandrede war beim Schweden nichts zu sehen. Gelassen schwor er seine Spieler in 30 Sekunden noch einmal ein. «Es gab keine Gründe, wütend und gestresst zu sein. Damit hätte ich bloss die Spieler angesteckt», sagte Söderström darauf angesprochen. «Ich sagte ihnen: Es gibt nun zwei Dinge, die wir tun können: Entweder wir nerven uns über den nächsten Mitspieler und weinen über diese drei Tore vor uns hin. Oder wir versuchen, diese Partie wieder an uns zu reissen und zu gewinnen.»

In die Erfolgsspur zurück

Es waren Worte, die fruchten sollten. Wohl überlegte Worte, die ihn letztlich zum Matchwinner machten: Denn Olten fand, als wäre nichts geschehen, wieder in die Erfolgsspur zurück und behielt die Nerven. Erst übernahm Topskorer Dion Knelsen die Scheibe hinter dem eigenen Tor und kam am anderen Ende zum Abschluss, worauf Stan Horansky, am richtigen Ort stehend, den Abpraller verwertete. Danach fackelte Jewgeni Schirjajew nicht lange, indem er mit einem Direktschuss alleine zentral vor dem Tor, 73 Sekunden vor Ende der regulären Spielzeit, die Führung wieder auf die Seite des EHCO brachte. Es war schliesslich das Gamewinning-Goal. Denn Philipp Rytz, plötzlich die Ruhe in Person auf dem Eis, setzte, bei seinem ersten Auftritt im Schoren seit dem Wechsel vom SCL zum EHC Olten im Frühling, mit dem 5:3 ins leere Tor den Schlusspunkt hinter diese verrückte Partie, die lange keinen Derby-Charakter hatte. 

Verhaltener Auftakt

So starteten die beiden Teams äusserst verhalten. Langenthal schien, fast schon eingeschüchtert von Oltens Aufwind der letzten Wochen, mit einer erschreckenden Passivität loszulegen, während Olten ebenfalls eher zurückhaltend startete. Es mag vielleicht auch damit zu tun haben, dass die Anspannung vor dem Derby gefühlt so gross war, wie in keinem einzigen der unzähligen (acht an der Zahl!) Derbys in der Quali der letzten Saison. Die Aufstockung auf 12 Teams und die damit verbundene Modusänderung auf lediglich vier Qualifikations-Duelle scheint der Mittelland-Rivalität in Olten und Langenthal gutzutun. Die Derbys gehören wieder zu den Quali-Highlights beider Mannschaften.

Sinnbildlich für den verhaltenen Start stand die Statistik, gemäss welcher der EHC Olten erst in der 10. Minute den ersten Schuss aufs Tor verzeichnete. Doch danach gings rund: Ausgerechnet die beiden Oltner B-Lizenzspieler von den SCL Tigers erwiesen sich als Türöffner. Joel Salzgeber gewann das Offensivbully, worauf Keijo Weibel abschloss, wiederum Salzgeber nachfasste und sein allererstes NLB-Tor schoss (14.).

Mit dem  neunten Sieg in zehn Partien darf der EHC Olten nun in Richtung Spitzentrio schielen. In den nächsten zwei Wochen stehen jedoch lediglich drei Partien auf dem Programm. Der EHC Olten gastiert bei den GCK Lions (Samstag), empfängt den EHC Winterthur (Fr., 29.11.) und reist zu den Ticino Rockets ins Tessin (So., 1.12.) – Zähler, die mit Blick in Richtung Tabellenspitze fast schon als Pflichtpunkte erscheinen.

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