Die Umfahrung Mellingen befindet sich nach einem schier endlosen Ringen auf der Zielgeraden

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In der Ausschreibung des Kantons wird der 1. Juni 2020 als Startschuss für den Bau der Umfahrung genannt. © Visualisierung: ZVG

Das lange Warten hat ein Ende. Als Mellingens Gemeindeammann Bruno Gretener (FDP) an der Gemeindeversammlung das Traktandum Verschiedenes eröffnete, ging es wie fast immer in den letzten zehn Jahren auch um das Thema der geplanten Umfahrung. «Schon oft habe ich an dieser Stelle erzählt, dass es endlich losgehen wird», sagte Gretener, aber nach den vielen Einsprachen, Verhandlungen und Verzögerungen «haben die Leute kaum noch daran geglaubt.»

 

Nun hatte Gretener aber Substanzielles zu berichten. «Der Baubeginn erfolgt sehr wahrscheinlich im nächsten Jahr.» Genauer: im Sommer. Der Kanton hat die Aufträge für die Bauarbeiten an der Umfahrung öffentlich ausgeschrieben. Es geht um eine Strassenbrücke über die Reuss von etwa 170 Metern, eine Fussgängerbrücke von zirka 100 Metern sowie verschiedene Strassenarbeiten.

 

In den Ausschreibungen im Amtsblatt wird der 1. Juni 2020 als Starttermin genannt. Im vergangenen Jahr hiess es noch, die Bauarbeiten für die Umfahrung würden im Frühjahr 2021 beginnen. Ebenfalls ersichtlich wird aus den Ausschreibungen: Am 16. September 2022 soll das 37 Millionen Franken teure Projekt abgeschlossen sein.

Landerwerbsverfahren noch nicht abgeschlossen

Einziger kleiner Haken: Das Landerwerbsverfahren ist noch nicht komplett in trockenen Tüchern. Der Kanton hat mit rund 20 Parteien verhandelt, und «mit fast allen wurden einvernehmliche Lösungen gefunden», sagte Gretener. Der Optimismus sei jedenfalls gross, dass auch diese Hürde noch erfolgreich gemeistert werde. Die 1,9 Kilometer lange Umfahrung des Städtchens verschlingt offiziell 4,34 Hektaren Fruchtfolgeflächen.

In Mellingen und beim Kanton macht man sich jedenfalls bereits Gedanken zum Spatenstich und zur Eröffnungsfeier. Mit dem zuständigen Regierungsrat Stephan Attiger müsse noch ein Termin für den Spatenstich gefunden werden, sagte Gretener mit einem Lachen. Gut möglich, dass dies dann nicht der 1. Juni sein werde.

Spatenstich nicht nur mit Krawattenträgern

Klar ist jedenfalls, dass es kein «trockener» Spatenstich mit ausschliesslich Krawatten-, Helm- und Würdenträgern werden soll. «Wir wollen diesen Anlass mit der ganzen Bevölkerung feiern», sagte Gretener, «alle sollen dabei sein können.» Auch mache man bereits Überlegungen, wie man dereinst die Eröffnung der Umfahrung feiern wolle. Gemeinsam mit dem Kanton wolle man diese Anlässe aufgleisen.

Die langersehnte Umfahrungsstrasse soll das Reussstädtchen vom Durchgangsverkehr entlasten. Jeden Tag fahren rund 17000 Fahrzeuge durch die Altstadt mit ihrem Ortsbild von nationaler Bedeutung. Der Grosse Rat hatte im November 2010 dem Millionenkredit zugestimmt, das Aargauer Volk im Mai 2011.

Doch erst im Juni 2018 wurde das Projekt rechtskräftig, nachdem das Departement Bau, Verkehr und Umwelt (BVU), die Gemeinde Mellingen sowie VCS und WWF eine Vereinbarung unterzeichnet hatten. Das Projekt wurde mit ökologischen und flankierenden verkehrlichen Massnahmen zusätzlich optimiert.

Mit der erwarteten Verkehrsentlastung will der Gemeinderat auch die Altstadt aufwerten. Dazu wurde das Projekt Plaza ins Leben gerufen, wie Gretener an der Gemeindeversammlung bekanntgab. Das spanische Wort für Platz bedeutet in Mellingen: «Planung Zentrumsentwicklung und Aufwertung Altstadt». Es heisst aber auch: Die Altstadt soll ein Ort werden, an dem sich die Bevölkerung trifft.

Bevölkerung soll Ideen für Altstadt einbringen

Man wolle die Planung rund um den Linden-Kreisel und die Hauptgasse in der Altstadt vorantreiben. Im Idealfall beginnen die Arbeiten unmittelbar nach Fertigstellung der Umfahrung. Die Bevölkerung soll sich bei der Planung aktiv einbringen, so der Wunsch des Gemeinderats. Zu diesem Zweck findet am 4. April 2020 ein ganztägiger Workshop statt, zu dem alle interessierten Mellinger eingeladen sind.

Im Budget für das kommende Jahr stellt Mellingen einen Betrag von 1,1 Millionen Franken für die Umfahrung bereit. Diese erste Tranche entspricht 20 Prozent des Gemeindeanteils. Trotz budgetierten Investitionen von insgesamt 7,435 Millionen Franken im Jahr 2020 bleibt der Steuerfuss bei 110 Prozent. Die 107 anwesenden Stimmbürgerinnen und Stimmbürger stimmten Budget und Steuerfuss ohne Diskussion mit deutlichen Mehr zu.

Pro-Kopf-Verschuldung wächst an

Auf Mellingen kommen nun einige Jahre mit hohen Investitionen zu. «Ab 2023 werden sich die Ausgaben wieder normalisieren, 2025 werden wir das Gröbste überstanden haben», wagte Gretener einen Ausblick. Die Pro-Kopf-Verschuldung der Gemeinde dürfte in den nächsten Jahren allerdings über die 4000-Franken-Marke klettern. «Wichtig ist aber der Trend», betonte der Ammann, «ab 2025 sinkt die Verschuldung pro Kopf wieder in Richtung des kantonalen Richtwerts von rund 2500 Franken.»

Gewichtigster Posten bei den Investitionen im kommenden Jahr ist aber nicht die Umfahrung, sondern der Neubau des Primarschulhauses Kleine Kreuzzelg. Vier Millionen Franken sind als erste Tranche budgetiert. Sollte die Baubewilligung für den 18-Mio.-Franken-Neubau nicht mit einer Beschwerde angefochten werden, könnte der Baubeginn bereits im Februar 2020 erfolgen. Ansonsten drohen zusätzliche Kosten für Schulraum-Provisorien.
Wie Budget und Steuerfuss wurden an der Gemeindeversammlung auch die anderen Anträge des Gemeinderats mit deutlichem Mehr angenommen.

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