Corina Eichenberger: Eine Politikerin, die Gleichstellung lebt

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Zwölf Jahre lang war Corina Eichenberger aus Kölliken Nationalrätin und mauserte sich in der Zeit zu einer der wichtigsten Stimmen der Sicherheitspolitik. Nun widmet sie sich anderen Dingen (Bild: Joel Widmer)
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Wehmut: Nach der letzten Kommissionssitzung verabschiedet sich Corina Eichenberger von SVP-Nationalrat Thomas Hurter. (Bild: Joël Widmer)

Ihr letzter Arbeitstag im Bundeshaus ist ein besonders kurzer. Schon um 9.10 Uhr am vergangenen Dienstagmorgen gehen die Türen des Zimmers 286 auf. Die zweitägige Sitzung der Sicherheitspolitischen Kommission (SiK) ist schon morgens früh beendet, weil am Vortag einige Geschäfte speditiv behandelt wurden. Die Kölliker FDP-Nationalrätin Corina Eichenberger tritt hinaus und herzt einige der Kollegen besonders herzlich, so auch SVP-Nationalrat Thomas Hurter. Es ist Eichenbergers letzte Kommissionssitzung in ihrer zwölfjährigen Laufbahn als Nationalrätin. Es heisst Abschied nehmen von der Arbeit im Bundeshaus. Heute werden die neu gewählten Nationalrätinnen und Nationalräte vereidigt.

Obwohl sie sich schon lange entschieden hat, diesen Herbst nicht mehr anzutreten, ist Eichenberger noch voll im Element. «Gestern war eine spannende Sitzung mit dem Planungsbeschluss zu den Kampfjets», erzählt sie. «Das ist jetzt super aufgegleist!» Sie werde jetzt schon etwas wehmütig. Sie sei immer gerne an die Sitzungen der SiK gegangen.

Edi Engelberger war ein guter Götti

Dass Eichenberger zur Sicherheitspolitikerin wurde, war Zufall. Eigentlich hätte sie sich auch gerne mit Steuer- oder Wirtschaftsfragen beschäftigt. «Nach der Wahl vor zwölf Jahren wurde ich halt einfach eingeteilt», sagt sie und lacht. Das Thema Sicherheit sei sehr umfassend. «Und ich hatte mit Edi Engelberger einen sehr guten Götti, der mich in die Kommission einführte», sagt Eichenberger, die über die Jahre zu einer wichtigen Stimme der Sicherheitspolitik in der FDP wurde. Das sieht auch SVP-Kollege Hurter so: «Corina ist sehr kompetent und wichtig für die Position der FDP – und sie ist eine angenehme Kommissionskollegin, die immer für ein Spässchen zu haben ist.»

Mit der Armee hatte Eichenberger vor ihrer Nationalratskarriere nicht viel am Hut. «Ich habe mich einfach ins Thema eingearbeitet und dann gefiel es mir immer mehr», sagt sie. Sich als Frau in einer Männerdomäne zu behaupten, ist für Eichenberger schon ein Leben lang Normalität. Mit ihr tritt im Frauenwahljahr eine Politikerin ab, welche Frauenförderung nie an die grosse Glocke hängte, die aber Gleichstellung jahrelang eindrücklich vorlebte. Schon 1982, als sie als Anwältin zu arbeiten begann, war sie von Männern umgeben. «Da musste ich mich schon behaupten.» Einige alteingesessene Berufskollegen hätten damals schon gedacht, sie hätten die junge Kollegin schnell im Sack, sagt sie und lacht.

Tagesmutter und die Eltern halfen mit

Auch bei der Kinderbetreuung ging sie für die damalige Zeit unkonventionelle Wege. Sie arbeitete Teilzeit. «Ich hatte das Glück, eine super Tagesmutter zu haben und konnte auf die Hilfe meiner Eltern zählen.» Darum machte sie in den 90er-Jahren auch noch politisch Karriere, obwohl ihr Mann 1992 gestorben war. Nach der Wahl in den Grossrat 1993 erntete die alleinerziehende Mutter von zwei Kindern, die damals fünf und acht Jahre alt waren, nicht nur angenehme Kommentare.

Für Eichenberger war immer klar, dass sie auch im Beruf Karriere machen wollte. Den Grundstein dazu legten ihre Eltern: «Ich bin in einer Familie aufgewachsen, in der alle gleich behandelt wurden, ungeachtet des Geschlechts.» Und es sei auch für die Familie, für die Kinder eine Bereicherung, wenn man den tollen erlernten Beruf auch ausübe.

Dank dieser Grundhaltung schaffte es Eichenberger bis ganz nahe ans politische Machtzentrum Bundesrat. Die spannendsten Momente ihre Polit-Karriere waren die Mitarbeit in den Untersuchungskommissionen zur UBS-Krise und zum gescheiterten Armeechef Roland Nef. «Da hatte ich schon sehr tief Einblick in die Arbeit der Landesregierung.» Und da stellte sie auch fest, dass in Krisen auch das Menschliche entscheidend sein könne. «In Gremien muss man miteinander funktionieren.» Sie habe zum Glück aber auch feststellen können, dass der Bundesrat im Notfall auch gut funktioniere. Das habe die UBS-Affäre gezeigt.

Einen schwierigen Moment erlebte Eichenberger gegen Ende ihrer Karriere, als der Schweizer Spion Daniel M. in Deutschland verhaftet wurde und so eine Operation der Schweizer Behörden gegen die deutschen Steuerfahnder aufflog. Als Vizepräsidentin der Geheimdienstaufsicht GPDel gab sie gegenüber Medien offenherzig Auskunft und bestätigte den Geheimdienst-Einsatz. Sie gab in ihrer redlichen Art etwas zu, was durch deutsche Akten schon bekannt war und an dem niemand mehr zweifelte, obwohl die involvierten Bundesstellen mehr verwedelten als informierten.

Beim Geheimdienst gehören Finten dazu

Doch im Geheimdienst-Umfeld gelten andere Gesetze. Da ist die Redlichkeit gegenüber der Wählerschaft nicht das oberste Gebot. Da sind Lügen und Finten an der Tagesordnung. Doch weil sich die Kollegen und insbesondere wohl auch die einflussreiche Kommissionssekretärin übergangen fühlten, musste Eichenberger aus der GPDel zurücktreten. Sie selbst will heute nicht mehr viel dazu sagen. «Es hat menschlich Kraft gekostet», sagt sie nur.

Das sind vergangene Zeiten. Nun freut sich Eichenberger auf mehr Zeit mit dem Partner, mit den Kindern und vor allem den Grosskindern. Doch ganz leer wird die Agenda nicht sein. Die immer gut vernetzte Nationalrätin wird nicht auf einen Schlag zur Pensionärin. «Das berufliche Leben geht weiter», sagt Eichenberger, die auch Verwaltungsratspräsidentin der ZT Medien AG ist. Die Agenda sei einfach etwas weniger dicht bepackt.

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