Die Angst um die Sicherheit wird grösser – und was das Sorgenbarometer sonst noch zeigt

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Auf Platz eins der Sorgen liegt die Altersvorsorge, auf Platz zwei die Gesundheit, auf Platz drei die Ausländer. (Archivbild) © KEYSTONE/CHRISTOF SCHUERPF

Das Vertrauen der Bevölkerung in die Schweizer Institutionen ist innerhalb eines Jahres regelrecht eingebrochen. Parteien, Kirchen und Medien wird zunehmend misstraut. Dies geht aus dem Sorgenbarometer 2019 hervor. Es beruht auf einer repräsentativen Umfrage bei 2495 stimmberechtigten Personen. Im Auftrag der Grossbank Credit Suisse beantwortete das Forschungsinstitut GFS Bern die Frage, welches die grössten ­Sorgen der Schweizerinnen und Schweizer sind, und wie gross ihr Vertrauen in Institutionen ist.

Dabei zeigte sich nicht nur der Vertrauensverlust in Kirchen (minus 25 Prozentpunkte) und bezahlte Zeitungen (minus 23), politische Parteien (minus 22), sondern eine allgemeine Vertrauenskrise. Die 20 Institutionen, zu welchen die Teilnehmer befragt wurden, verloren insgesamt mehr als einen Viertel des Vertrauens. Um das Vertrauen zu ermitteln, werden die Teilnehmer gefragt, wie viel Kredit sie einer Institution auf einer Skala von 1 bis 7 geben. Die EU hat von allen abgefragten Akteuren im Bereich Politik und Behörden den tiefsten Wert (3,1), die Polizei die höchste Punktzahl (5,2).

Politik hat die Aufgaben nicht erfüllt

Die Forscherinnen und Forscher um Lukas Golder und Cloé Jans führen den Vertrauensverlust auf ein wahrgenommenes Versagen der Politik zurück. Im Vorjahr habe der Sorgenbarometer gezeigt, dass das Volk Lösungen für die bestehenden politischen Grossbaustellen erwarte. Damit dürften die Altersvorsorge, die Gesundheitspolitik und das Rahmenabkommen mit der EU gemeint sein.

2019 werde nun klar, «dass die Politik diese Aufgabe in den Augen des Volkes nicht erfüllt hat», schreibt das GFS. Die sinkende Fähigkeit der Politik, tragfähige Lösungen zu schmieden, werde zudem als die grösste Gefahr für die Schweizer Identität gesehen – noch vor Problemen mit der EU oder der Einwanderung. «In den Augen der Bevölkerung ist die Ansage klar: Der Bundesrat muss seine Führungsrolle wieder besser wahrnehmen, und das Parlament muss wieder mehr Kompromisse suchen», heisst es in der Synthese der Studie. Lukas Golder weist aber auch darauf hin, dass im Vergleich zum Ausland die Schweizer ihrer Regierung immer noch überdurchschnittlich vertrauen.

Im jährlich durchgeführten Sorgenbarometer geht es auch darum, wie drängend gewisse Probleme für die Bevölkerung sind. Die drei meistgenannten Sorgen blieben gegenüber dem Vorjahr gleich. Auf Platz eins liegt die Altersvorsorge, auf Platz zwei die Gesundheit, auf Platz drei die Ausländer. Der Klimawandel macht in der Rangliste einen Platz gut und rangiert neu auf Platz vier. Im Jahr 2016 lag die Umwelt noch auf Platz 13. In der Altersgruppe der 18- bis 39-Jährigen wird die Umwelt sogar als zweitwichtigstes Problem neben der AHV genannt.

Woher kommt die Sorge um die Sicherheit?

Den spektakulärsten Aufstieg hingelegt hat die Sorge um die persönliche Sicherheit. Sie machte ganze neun Ränge gut und ist momentan die sechstgrösste Schweizer Sorge. Bemerkenswert ist, dass das Thema in den letzten Jahren eher an Bedeutung verlor. Dazu passt, dass das Vertrauen in die Polizei trotz allgemeinem Vertrauensverlust zugenommen hat.

Im Gegensatz zum politischen Vertrauensverlust können die GFS-Forscher hier keine schlüssige Erklärung abliefern. Bei verwandten Problemfeldern lasse sich keine ähnliche Dynamik beobachten. «Die Frage nach dem Kern dieser neuen Unsicherheit bleibt somit noch zu klären», heisst es in der Studie.

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