Ein letztes Mal im Dienst des Bremgarter Christchindlimärts

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Prächtige Weihnachtsstimmung auf der Reussbrücke zur Altstadt. (Bilder: Severin Bigler)
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Blick auf den Christchindlimärt in der Altstadt von Bremgarten.
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Romantische Abendstimmung im weihnachtlichen Lichtermeer.

Samstagnachmittag auf dem Christchindlimärt in Bremgarten. Der Markt ist gut besucht, die Leute laufen langsam an den festlich geschmückten Ständen vorbei, halten Ausschau nach Geschenken für ihre Liebsten. In der Luft liegt der Geruch von Glühwein und Punsch, von Crêpes und Raclette. Etwas abseits davon liegt das Büro des Christchindlimärts. Dort arbeitet Ursula Lightowler, die heute ihren 76. Geburtstag feiert und seit acht Jahren Präsidentin des Markts und seit 25 Jahren aktiv dabei ist. Lightowler (im Bild rechts) hat am 31. Dezember ihren letzten Arbeitstag. Sie gibt das Präsidium an Nachfolgerin Sabina Glarner ab.

Ursula Lightowler macht sich fertig für einen Spaziergang über den Markt. Doch so schnell kann sie das Büro nicht verlassen: Ein Haufen Kinder stürmen den Raum, die Plaketten für einen guten Zweck verkaufen und Fragen zum eingenommenen Geld haben. Auch während des Spaziergangs wird Lightowler von Marktfahrern erkannt und gegrüsst, sie schüttelt Hände mit alten Bekannten und hält einen Plausch mit Helfern.

Die Angst vor dem Scheitern war anfangs gross

Zuerst spaziert die Präsidentin zum Obertorplatz. Dort, wo vor 25 Jahren der erste Christchindlimärt stattfand. Heute steht immer noch dieselbe Krippe mit den gleichen Figuren auf dem Platz und auch der Samichlaus ist unverändert anzutreffen. «Früher fuhr der ganze Verkehr von Bern nach Zürich über Bremgarten», sagt Lightowler. «Als dann die Umfahrung gebaut wurde, war das für uns der Startschuss, den Christchindlimärt zu organisieren.» Mit «uns» meint Lightowler engagierte Leute aus dem Gewerbe – zu denen auch sie zählte. Sie führte die Bijouterie «am Bogen», die sie vor zehn Jahren verkaufte. «Obwohl ich in Oberrohrdorf wohne, habe ich mich immer mehr zu Bremgarten hingezogen gefühlt», sagt sie.

Am Anfang waren auf dem Christchindlimärt rund 200 Stände, jetzt sind es über 300. Auch die Besucherzahl stieg rasant. In den ersten Jahren schlenderten insgesamt 40000 Menschen pro Jahr über den Christchindlimärt – inzwischen sind es 100000. «Mit einem solchen Erfolg haben wir damals nicht gerechnet», sagt Lightowler. «Im Gegenteil, wir hatten ziemlich Angst, dass wir mit dem Markt wieder aufhören müssen.» Erst bürgten die Komiteemitglieder mit ihrem eigenen Geld für den Christchindlimärt. «Wäre etwas schiefgelaufen, hätten wir selbst in die Tasche greifen müssen.» Inzwischen ist das anders, ein Verein besteht und die Stadt unterstützt die Durchführung des Markts.

Lebensader Glühwein: 5000 Liter werden getrunken

Nun schlendert die Präsidentin durch die Marktgasse, wo mehrheitlich handgemachte Waren angeboten werden. Dort stoppt sie am zweitschönsten Stand des Markts, der deswegen prämiert wurde. «Es ist doch wunderbar, wie viel Mühe sich die Leute geben!», sagt sie. Danach geht sie zu einem der Glühweinstände, die vom Verein Christchindlimärt geführt werden. Sie bestellt zwei Tassen mit weissem Glühwein. Das heisse Getränk hat, neben seinen wärmenden Eigenschaften, noch eine andere Funktion für Lightowler. Glühwein ist eine grosse Einnahmequelle. «Wir verkaufen über 5000 Liter während des Christchindlimärts», sagt sie. An gut besuchten Abenden gehen zwei Tassen innerhalb einer Minute über die Theke. Finanziell bedeutet das, dass rund 150000 Franken über Glühwein finanziert werden. 300000 sind nötig, um den Markt auf die Beine zu stellen. Der Rest wird unter anderem über die Einnahmen der verschiedenen Beizli finanziert.

180 Cars bringen Besucherinnen und Besucher

«In den letzten beiden Jahren waren wir finanziell eher knapp unterwegs», sagt Lightowler. «Es regnete und stürmte, da hatten nur wenige Leute Lust, unseren Markt zu besuchen.» Dieses Jahr sieht es gut aus. Es ist fast schon warm draussen, nur vereinzelt fallen ein paar Regentropfen auf die Köpfe der Besucher. Lightowler läuft weiter in Richtung Holzbrücke. «Es ist schon lustig, wie viele Sprachen man hier hört», sagt sie. «Italienisch, Französisch, Englisch. Rund 180 Cars mit Besuchern von überallher kommen zum Christchindlimärt.»

Während des Markts ist Ursula Lightowler von acht Uhr morgens bis halb zwölf Uhr nachts auf den Beinen. Was treibt sie an? «Als ich etwa zehn Jahre alt war, besuchte ich mit meinem Grossmami einen Christchindlimärt in Schaffhausen. Das hat mich total fasziniert», sagt sie. Was ihr aber am meisten gefällt – und nach ihrem Rücktritt auch am meisten vermissen wird –, ist die kulturelle Arbeit. «Was den Bremgarter Christchindlimärt von anderen Märkten unterscheidet, ist das kulturelle Angebot, das wir bieten», sagt sie. Es bereite ihr unglaublich Freude, Musiker und andere Kulturschaffende einzuladen und mit ihnen zu arbeiten. Ihre Familie unterstützte sie stets. Ihr Mann, Robert Lightowler, kümmerte sich unter anderem um die Finanzen des Christchindlimärts.

Jetzt wollen sich die Lightowlers aus dem Geschehen zurückziehen, Platz für Jüngere machen. Ursula Lightowler erhofft sich, dass so neue Ideen und Anreize im Vorstand geschaffen werden. Sie redet sehr positiv davon, aber man merkt ihr an, dass ihr der Abschied nicht leicht fällt. Die 76-Jährige beschreibt sich als Person, die nur ungern daheim sitzt und nichts tut. Deswegen ist sie auf der Suche nach einem neuen Projekt, dem sie sich widmen kann. Dem Christchindlimärt wird sie aber auch in Zukunft treu bleiben.

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Ursula Lightowler (Bild) bleibt dem Christchindlimärt verbunden. (Bild: Nora Güdemann)
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Maritza Beck und Gregor Fröhlich arbeiten am Stand von Floristin Ursula Meier.
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Diese Kläuslein passen zum Märt.
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Hübsche Engeli warten auf Käufer.
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