Das sagt der forensische Psychiater über den Feuerteufel von Merenschwand

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Andreas Frei, Leitender Arzt Forensik der Psychiatrie Baselland: «Da muss man sich fragen, ob der Täter persönliche Erlebnisse verarbeitet.» © Keystone

In diesem Jahr musste Merenschwand gleich zwei Brandstiftungsserien über sich ergehen lassen. Und zwar scheinbar von zwei verschiedenen Täterschaften. Im August haben ein 22-Jähriger und eine 17-Jährige gestanden, die Kistenfabrik, ein Waldhaus und eine Hecke in Brand gesteckt zu haben. Vergangene Woche wurde nun nach den Brandstiftungen an vier ehemaligen Bauernhäusern ein 37-Jähriger in Untersuchungshaft genommen.

Was können Motive solcher Brandstiftungen sein? Andreas Frei, Leitender Arzt Forensik der Psychiatrie Baselland erklärt: «Bei Jugendlichen handelt es sich oft um Vandalenakte, also um unmotivierte Zerstörung. Ob sie einen Stein durch eine Scheibe werfen oder etwas anzünden ist im Grunde egal.»

Es ist möglich, dass die Brände vom August aus dieser Motivation gelegt worden sind. Bei den neuen Bränden sehe es aber ganz anders aus, vermutet der forensische Psychiater.

Es könnten reale oder wahnhafte Kränkungen sein

«Bei solchen Brandstiftungen sind drei Punkte abzuklären», beginnt Frei. «Es waren scheinbar stets alte Bauernhäuser, die angezündet wurden. Da muss man sich fragen, ob der Täter persönliche Erlebnisse verarbeitet, ob er beispielsweise Kränkungen erlebt hat und diese mit Bauern oder Bauernhäusern verbindet. Zu fragen ist auch, ob diese Kränkungen real sind oder wahnhaft, also ob er eine Mission hat und vielleicht solche Häuser vernichten muss.»

Als Zweites müsse man auch Feuerwehrleute hinterfragen: «Es hat leider schon mehrere Fälle gegeben, bei denen Feuerwehrleute sich besonders hervortun wollten und so zu Brandstiftern wurden. Diese Motivation gibt es.» Gegenüber dem «Blick» sagt Feuerwehrkommandant Patrick Fischer jedoch, dass aus seiner 89-köpfigen Truppe «keiner verhaftet» worden sei.

Drittens könne es sein, dass sich jemand abreagieren müsse: «Möglich sind Konflikte mit der Gesellschaft, die auf diese Weise gelöst werden sollen.»

Es könnte sich auch um die Taten eines Nachahmers handeln

Die Pyromanie, also die Lust am Feuer oder krankhaftes Feuerlegen als reine Triebkraft, sei ein Konstrukt, von dem man ausgehe, dass es nicht existiert, hält Frei fest. «In den letzten 10, 20 Jahren kam man in der Psychiatrie von der Idee einer Manie ab.»

Stattdessen gehe man davon aus, dass eine übermässige Kränkung der Auslöser für solche Taten sei. «Dann ist es möglich, dass sich die Täter für diese Kränkungserlebnisse rächen wollen.» Auch im Fall von Merenschwand sei es sehr wahrscheinlich, dass die Brandstiftungen etwas mit den Bauernhäusern, Bauern oder Themen in deren Kontext zu tun haben.

Dass es gleich zwei Brandstiftungsserien im selben Dorf in nur einem Jahr gab, könnte ebenfalls zwei Ursachen haben: «Entweder ist es Zufall», macht Frei bewusst. «Andererseits ist es möglich, dass es sich um ein Nachahmerdelikt handelt, das kommt immer wieder vor. Labile Leute können beispielsweise durch die Berichterstattung über eine Tat zur Nachahmung angeregt werden.

Darum ist es auch in der Verantwortung der Medien, abzuwägen, was man wie bringt.» Nachahmertaten machen es Ermittlern schwer, vor allem, wenn sie parallel anfangen. In Merenschwand lagen vier Monate zwischen den beiden Brandserien.
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