Erste Hinweise: Wird Mammut nach China verkauft?

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Mammut ist eine der bekanntesten Schweizer Marken – aber vermutlich schon bald nicht mehr in Schweizer Besitz. Denn seit gestern ist klar, dass der Schweizer Mischkonzern Conzzeta den Outdoor-Brand absetzen will. Mit grösster Wahrscheinlichkeit ins Ausland, vielleicht nach China. Es wäre nach Sigg (Flaschen) und Bally (Schuhe) eine weitere Traditionsmarke, die in chinesische Hände überginge. «Das Umfeld im Outdoor-Bereich ist nicht einfach, auch wenn wir bei der Digitalisierung grosse Fortschritte gemacht haben», sagt Ernst Bärtschi, Conzzeta-Verwaltungsratspräsident. Mammut sei eine starke Marke. Seit Jahren behauptet sie sich auf dem europäischen Markt. Doch der Durchbruch in den heute zentralen Märkten in Asien (mit Ausnahme von Japan) und Amerika ist bisher nicht gelungen. «Dafür suchen wir geeignete Partner», so Bärtschi.

Von der Outdoor-Marke zum Lifestyle-Brand

Seit mehr als 35 Jahren ist Mammut im Besitz des Mischkonzerns Conzzeta. Doch im Verlauf dieses Jahres kam der Conzzeta-Verwaltungsrat zum Schluss, dass man künftig auf die Blechbearbeitung (Bystronic) fokussieren will. Deshalb will man die anderen drei Bereiche (Schmid Rhyner, FoamPartner und Mammut) bis Ende 2020 verkaufen.

Dabei titelte diese Zeitung noch 2010 «Mammut reisst Conzzeta raus», weil das Industriegeschäft lahmte, während die Outdoor-Branche boomte. Es kamen die Digitalisierung, der Frankenschock und Mammut geriet ins Trudeln. Von 2015 bis 2017 schrieb der Outdoor-Brand nur knapp schwarze Zahlen. 2016 musste Rolf Schmid, der das Unternehmen zuvor während zwei Jahrzehnten erfolgreich führte, gehen. Oliver Pabst übernahm und machte aus der Outdoor-Marke einen Lifestyle-Brand.

Obwohl die neue Ausrichtung viel Geld kostete und noch immer kostet, wuchs der Gewinn 2018 auf 5,2 Millionen Franken und der Umsatz auf knapp über 250 Millionen. Wie Conzzeta durchblicken lässt dürften diese Zahlen 2019 weiter angewachsen sein. Man hat quasi die Braut hübsch gemacht. Jetzt soll sie unter die Haube kommen und eine möglichst hohe Mitgift erzielen. Ein Schritt, den in der Branche kaum jemanden erstaunt. Gerade weil das Geschäft in Asien nie wirklich ins Rollen kam. Bärtschi sagt: «Im Vergleich zur Konkurrenz fehlt uns die kritische Masse. Es gibt Konzerne, die mit Mammut mehr erreichen könnten als wir.»

Wie Peking 2022 den Verkauf beeinflussen könnte

Wer das sein könnte, sagt er nicht. Doch der Verkaufspreis ist relativ hoch – Experten rechnen mit 350 bis 400 Millionen Franken. Und zudem soll der neue Besitzer die Marke weiterbringen, das heisst insbesondere den Zugang zum asiatischen und amerikanischen Markt verbessern. Daher ist es eher unwahrscheinlich, dass Mammut in Schweizer Besitz bleibt. Viel eher wird einer der grossen Player der Outdoor-Branche zum Zug kommen. Wie zum Beispiel die amerikanische VF Corporation zu der Marken wie The North Face oder Timberland gehören. Oder der chinesische Anta-Sports-Konzern, der erst Anfang Jahr die zuvor finnische Amer Group aufkaufte, die Marken wie Salomon, Atomic oder Arc’teryx besitzt.

Was für einen Verkauf nach China sprechen könnte: 2022 finden die olympischen Winterspiele in Peking statt. Der Wintersport steckt im Reich der Mitte noch in den Kinderschuhen, aber er dürfte stark wachsen. Deshalb sind insbesondere chinesische Hersteller stark auf der Suche nach international bekannten Marken. Swissness mögen sie, das wissen wir längst.

Schweizer Kleidermarken und ihre Leidenswege

Switcher ging 2015 völlig überraschend Konkurs. Doch der kultige Wal (das Switcher-Logo) ging nicht lange auf Tauchstation. Schon ein Jahr nach dem Konkurs wurde der einstige Marketingleiter Marc Joss vom indischen Textilhersteller Sulochana kontaktiert. Zusammen präsentierten sie 2017 an der Herbstmesse in Solothurn eine erste Kollektion von Shirts, Polos und Sweatern. Seit Juli 2019 bearbeitet Joss den Markt intensiv. Bis heute hat er rund 80000 Kleidungsstücke verkauft. Ab Januar wird er zwei Angestellte haben, ab April drei.
Zimtstern wurde 1995 von Thomas Meyer und Reto Kuster in einer Garage im Aargau gegründet. Sie stürmen die Herzen der Snowboarder, die Marke wird international bekannt. Aber das Snowboarden verlor seine Magie und Zimtstern ging im Februar 2018 praktisch ein. Im November wurde es dann an zwei Deutsche verkauft, welche die Marke im Bike-Business wieder aufbauen wollen. Man kann Zimtstern unterdessen wieder in ausgewählten Spezialgeschäften in der Schweiz kaufen.

Der Schuh- und Lederkonzern Bally gehört zu den traditionsreichsten Schweizer Marken überhaupt. 1999 wurde die Marke an eine US-Investmentgesellschaft verkauft, neun Jahre später an die deutsche Milliardärsfamilie Reimann. Diese verkaufte im Februar 2018 an den chinesischen Textilriesen Shandong Ruyi, der nun laut Handelszeitung selbst in finanziellen Schwierigkeiten stecken soll. (sel)

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