Vom Gerichtssaal direkt in Sicherheitshaft: Freddy Nock muss für 10 Monate hinter Gitter

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Freddy Nock betritt am Mittwochmorgen das Bezirksgericht Zofingen (Bild: Ennio Leanza Keystone)
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Verzichtete während des Prozesses auf eine Aussage: Freddy Nock (Bild: Ennio Leanza Keystone)

Eine toxische Liebe mit einem bitterbösen Ende. So kann man die Beziehung zwischen Freddy Nock und seiner Noch-Ehefrau nach dem Gerichtsprozess in Zofingen beschreiben.

Fünf Stunden lang hörten die Bezirksrichterinnen und Bezirksrichter am Mittwoch zwei komplett unterschiedliche Versionen der Geschichte von Freddy Nock und seiner Frau. Am Abend um acht Uhr eröffneten sie dann das Urteil: Freddy Nock ist der versuchten vorsätzlichen Tötung schuldig. Das Gericht verurteilt ihn zu einer teilbedingten Freiheitsstrafe von 2,5 Jahren, davon muss Freddy Nock zehn Monate hinter Gitter. Ausserdem muss Nock direkt nach Ende der Verhandlung für drei Monate in Sicherheitshaft, wie es der Staatsanwalt in seinem Plädoyer am Morgen gefordert hatte. «Es ist von einer konkreten Fluchtgefahr auszugehen, aber auch von einer Wiederholungsgefahr», argumentierte die Gerichtspräsidentin während der Urteilsbegründung.

Freddy Nock traf das Urteil offensichtlich unerwartet, sichtlich erschüttert schüttelte er den Kopf und lächelte nervös.

Von zwei weiteren Anklagepunkten freigesprochen

Blenden wir zurück. Die Vorwürfe gegen den Hochseilartisten waren massiv: Der Aargauer Hochseilkünstler aus Uerkheim musste sich nebst der versuchten vorsätzlichen Tötung auch wegen mehrfacher Gefährdung des Lebens und mehrfacher versuchter Körperverletzung verantworten. 2008 ist Nock laut Anklage das erste Mal gewalttätig geworden. Im gemeinsamen Haus in Uerkheim soll er seine Frau nach einem Streit gewürgt haben: «Der Beschuldigte würgte seine Frau tatsächlich so stark, dass sie deutliche blaue Flecken am Hals davontrug», steht in der Anklageschrift. Die beiden befanden sich im Schlafzimmer im ersten Stock. Anschliessend soll Nock seine Frau zum Treppengeländer gebracht haben: «Dort angekommen, hob er ihren ganzen Körper mit seinen Armen über das Geländer.» Nock soll mehrfach gefragt haben: «Wotsch abegheie?»

Nock musste zur Einvernahme den Gerichtssaal verlassen

Freddy Nocks Ehefrau bestätigte die Schilderung der Staatsanwaltschaft im Gerichtssaal unter Tränen. Sie – die eigentliche Geschädigte in diesem Prozess – hatte eine getrennte Einvernahme verlangt um einer Konfrontation aus dem Weg zu gehen. Freddy Nock hörte von Nebenzimmer aus zu. «Das Würgen war so heftig, dass ich einen Druck in den Augen verspürt habe», erinnert sich die Frau. Nock sei an diesem Morgen ausgerastet, weil er eifersüchtig gewesen sei. Das Gericht sprach ihn aber in diesem Punkt frei. Dass sich Nocks Frau in akuter Lebensgefahr befunden habe, sei nicht erwiesen, so die Begründung des Gerichts.

Das zweite Mal soll Freddy Nock laut Anklage im Jahr 2013 am Tag der Verleihung der Swissawards ausgerastet sein. «Er hat zu Hause seinen Autoschlüssel nicht gefunden und mir die Schuld dafür gegeben», erzählt seine Ehefrau den Richtern. Nock soll daraufhin einen Spiegel zerschlagen haben. Am Abend dann, nach der Preisverleihung, haben er und seine Frau in einem Hotel übernachtet, wo er wieder ausgerastet sein soll. «Er packte meinen Kopf und schlug ihn gegen drei Mal gegen die Wand.» Sie habe sich gewehrt, woraufhin er ihr auf dem Bett ein Kissen aufs Gesicht gedrückt haben soll: «Er hat nicht aufgehört. Also habe ich mich totgestellt.» Als Freddy Nock dies bemerkt habe, soll er sie gefragt haben, ob sie ihn verarschen wolle. «Er fing an, mich zu schlagen.» Dieser Erstickungsversuch wurde Nock nun zum Verhängnis und brachte ihm den Schuldspruch wegen versuchter vorsätzlicher Tötung ein. Trotzdem heirateten die beiden wenige Monate später. Wieso sie nach diesem Vorfall bei ihm geblieben sei, will einer der Richter wissen. «Ich habe den Mann über alles geliebt», sagt die zierliche blonde Frau unter Tränen. «Ich begreife bis heute nicht, dass der Mann, den ich über alles geliebt habe, mir so etwas antun konnte.»

Freddy Nock verweigerte die Aussage vor Gericht

Er werde heute keine Aussagen machen, sagte Freddy Nock gleich zu Beginn der Befragung. Er wirkte ruhig. Auch als dem Staatsanwalt Simon Burger während des Plädoyers aufmerksam zuhörte. Dieser sprach von einer Diskrepanz zwischen der öffentlichen Wahrnehmung und der Realität. In den Medien sei Freddy Nock bekannt als freundlicher Artist und Botschafter der Schweiz: «Er hat aber auch eine andere Seite», sagte Burger. Unter den Gewalttaten gegen seine Frau hätten vor allem die Kinder gelitten.

Die zwei Kinder, die Nocks Ehefrau aus erster Ehe hat, machten gegenüber der Polizei Aussagen, die Nock stark belasteten. So soll die Tochter von Nocks Ehefrau 2013 nach den Swissawards aus dem Nebenzimmer des Hotels mitbekommen haben, wie Nock seine Frau verprügelt habe. Die Tochter war bei diesem Vorfall 10 Jahre alt. Gegenüber der Polizei sagte sie bei einer Befragung Jahre später aus, dass die Mutter geschrien habe: «Fühlst du dich stark, wenn du mich schlägst?»

An diesem Abend war auch eine von Nocks eigenen Töchter aus erster Ehe in besagtem Nebenzimmer. Bei der Einvernahme durch die Polizei habe sie geweint und bestätigt, dass sie gehört habe, wie ihr Vater seine Ehefrau geschlagen habe. Genau diese Aussagen wurden Freddy Nock schlussendlich zum Verhängnis. Es sei Aussage gegen Aussage gestanden, sagte die Gerichtspräsidentin bei der Urteilseröffnung. «Von der ersten Einvernahme an waren die Ausführungen von Frau Nock einstimmig», argumentierte sie das Urteil weiter. Frau Nock sei nicht von sich aus zur Polizei gegangen und habe auch nicht die Öffentlichkeit gesucht. «Ausserdem haben sie nicht bestritten, dass sie sie teilweise am Hals gepackt und im Hotel an die Wand gedrückt haben», fährt sie fort. Nicht zuletzt seien die Aussagen von Nocks Ehefrau durch die Kinder gestützt worden.

Staatsanwalt Simon Burger hatte eine Freiheitsstrafe von 7,5 Jahren gefordert. Freddy Nocks Verteidiger hingegen einen vollumfänglichen Freispruch. Er hatte damit argumentiert, dass die Ehefrau ein Machspiel gegen den Beschuldigten führte. «Sie versuchte ihn durch gezielte Anzeigen schlecht zu machen, um seine Chancen auf eine Obhut zu schmälern.» Nocks Ehefrau hatte niemals mit der Polizei über die Vorfälle gesprochen. Erst im Jahr 2015, als das Paar sich vorübergehend trennte, und Freddy Nock das alleinige Sorgerecht für den Sohn beantragte, sei seine Ehefrau mit den Vorwürfen aufgekommen.

 

 

Den Prozessverlauf können Sie HIER nachlesen.

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Ein Leben auf dem Hochseil: Freddy Nock. Bild: Keystone (September 2018 in Zermatt)

Die Aufs und Abs im Leben des Hochseilartisten Freddy Nock: Freddy Nock, der sich im Laufe der Jahre über die Landesgrenzen hinaus einen Namen als Hochseilartist gemacht hat, stammt aus einer Zirkusfamilie.

 

Seine Herkunft

Freddy Nock wurde am 10. Dezember 1964 in Gränichen geboren. Sein Vater Alfred Nock gründete den gleichnamigen Zirkus. Im Alter von 11 Jahren begann er mit dem Hochseillauf und reiste als Zirkusartist durch die Welt. Schon seine Grosseltern waren Seilläufer. Ende der 90er-Jahre zog sich Freddy Nock aus dem Zirkusleben zurück und machte sich als Solokünstler einen Namen, indem er als Extremsportler verschiedene Weltrekorde aufstellte. Der in Uerkheim wohnhafte Nock ist weltweit vor allem als Hochseilläufer bekannt. Seine Läufe in mehreren 100 bis mehreren 1000 Meter Höhe absolviert er meist ungesichert und mit einer Balancierstange.

Seine Hochseilrekorde

Freddy Nock hält aktuell 22 Weltrekorde. Den ersten Guinness-Weltrekord sicherte er sich 1998 für den Lauf auf einem Tragseil auf der Signalbahn in St. Moritz. 2009 holte er einen weiteren Weltrekord, als er mit seiner Balancier-Stange und einer Steigung von 56 Prozent auf die Zugspitze lief. 2011 stellte Nock einen weiteren Weltrekord auf: Auf einer Höhe von 3300 Metern über dem Meer lief er auf dem Tragseil der Corvatsch-Seilbahn talwärts. 2018 lief Freddy Nock in Zofingen 25 Stunden im Todesrad und knackte damit seinen eigenen Weltrekord. Die ersten 5 Minuten dieses Weltrekords lief Nock gemeinsam mit seinem Sohn Leo. «Diesen Rekord widme ich meinem Sohn und allen Vätern und Kindern, die unter einer Trennung oder Scheidung zu leiden haben», sagte Freddy Nock am darauffolgenden Tag.

Seine Ehe

Immer wieder machte die Beziehung zwischen Freddy Nock und seiner Partnerin Ximena Schlagzeilen. 2006 wurden sie ein Paar, 2011 kam Sohn Leo zur Welt. Freddy und Ximena brachten insgesamt sechs Kinder aus erster Ehe mit in die Beziehung und teilten vieles aus ihrem Leben mit den Medien. 2013 heiratete das Paar auf einem Hochseil in neun Meter Höhe, begleitet von den Fernsehkameras der Nation. Nur zwei Jahre später verliess Ximena den Hochseilartisten. Er habe sich nur auf seinen Weltrekordversuch konzentriert und seine Ehefrau vernachlässigt, sagte Nock damals zu den Medien, er wolle aber um sie kämpfen, kündigte er an. Nach einem halben Jahr kam das Paar wieder zusammen. 2017 folgte dann die endgültige Trennung. Seither tobt ein Rosenkrieg: Sowohl Ximena als auch Freddy Nock reichten Strafanzeigen gegeneinander ein und streiten sich um das Sorgerecht um den mittlerweile achtjährigen Sohn Leo. Die Scheidung ist noch nicht vollzogen. (tel)

Ihr Eintrag wird nach einer Überprüfung online gestellt.

Urteil

AP
schrieb am 12.12.2019 19:38
Ein unverständliches Urteil, wo doch seine Töchter das Gegenteil behaupten
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