Podiumsdiskussion: Manon – eine Überlebens- und Kunstfigur

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Kunstfigur und Künstlerin zugleich: Manon (2. v. r.) im Gespräch mit Stefan Zweifel, Lekha Sarkar und Patrick Frey (v. l.). Bild: mif

«Die Kunstfigur Manon gab es schon lange vor der Künstlerin», sagt die Performancekünstlerin zum Schluss dieses Abends über sich selbst im Palass in Zofingen. «Ich habe diese Figur gebraucht, um zu überleben. Das war ihre ursprüngliche Funktion. Erst später haben die Leute begonnen, sie als Kunstfigur und Künstlerin wahrzunehmen.» Es ist als ob der Abend zur Ausstellung «Manon», die noch bis am 23. Februar 2020 im Kunsthaus Zofingen zu sehen ist, auf diese Schlussworte hingezielt hätte. Im ersten Teil nähert sich Lekha Sarkar mit ihrem Film «Manon – Glamour und Rebellion» aus dem Jahr 2013 der Künstlerin an. Im zweiten Teil versucht eine Podiumsdiskussion, Bruchstellen zwischen Kunstfigur und Privatperson freizulegen. So analytisch das alles angelegt ist, bleibt die Kunstfigur unangetastet. Weil sie ein Werk von grosser auratischer Kraft geschaffen hat. Weil sie selber ein Werk ist.

Selbstbewusstsein heisst bei Manon Rollenbewusstsein

Wer ist Manon? Lekha Sarkars Film gibt Antworten, indem sie die Künstlerin selber sprechen lässt. Das Publikum begegnet einer selbstbestimmten Person, die sich mit der grazilen Leichtigkeit einer Tänzerin durch die Szenen bewegt. Selbstbewusstsein, das wird spürbar, heisst bei ihr Rollenbewusstsein. Die Freiheit besteht darin, sich nicht zu verstecken, sondern sich ganz bewusst und aktiv in Szene zu setzen.

Die Kindheit Manons ist unschön. Ihre Mutter, ein Model, das unter heftigen Depressionen leidet, hat sie als hässliches, ungeliebtes Kind stigmatisiert. Sie hat ihrer Tochter keinen Halt geboten. Erst an der Kunsthochschule habe sich das geändert. Da war die junge Frau plötzlich jemand. Später war sie plötzlich noch sehr viel mehr. Weil sie mit der männlich definierten Form des Kunstschaffens brach und mit dem lachsfarbenen Boudoir etwas gestaltete, das «so weiblich war, dass es weiblicher nicht mehr geht». «Für dich ist die Rolle der Künstlerin nicht vorgesehen», beschreibt Kunstkritiker Jörg Heiser im Film die Ausgangslage für Frauen mit Drang zur Kunst in den 70er-Jahren. Er verdeutlicht damit, wie schambehaftet es für diese Frauen war, über das Musendasein hinaus zur Kunsttäterin zu werden. Und inwiefern Provokation und Offensive Hilfsinstrumente waren, um diese Scham zu überdecken. Seit dem verspielten lachsfarbenen Boudoir gibt es Manon als Künstlerin. Schritt für Schritt hat sie durch den männlichen Blick definierte Konstruktionen von Weiblichkeit aufgebrochen.

Bewusstwerdung durch das Spiel

Der 2013 entstandene Film ist dicht und abgründig. Die Podiumsdiskussion mit Manon, der Filmemacherin Lekha Sarkar, dem Kabarettisten und Verleger Patrick Frey sowie dem Moderator Stefan Zweifel ist es nicht minder. Wo hört die Kunstfigur Manon auf, wo fängt die Privatperson an? Die Frage zielt am Kern der Sache vorbei. Die Person ist die stets anwesende Instanz, die sich sehr bewusst und reflektiert als Kunstfigur in Szene setzt und mit viel Ernst und Sorgfalt begleitet und beobachtet. Dank dieser Inszenierungen ist sie überhaupt erst präsent. Zweifellos: Person und Kunstfigur sind miteinander verschmolzen. Dass Manon erwähnt, wie wichtig ihr der Raum, die Räume sind, verwundert nicht. Denn das Rollenspiel braucht geeignete Bühnenbilder.

Manon hat sich nicht immer nur selbst in Szene gesetzt, wie Patrick Frey erwähnt: «Du hast die Rolle der Domina in die Kunst eingeführt. Du hast mit ‹Manon Presents Men› 1976 Männer nach deinem Wunsch inszeniert und im Schaufenster einer ehemaligen Metzgerei ausgestellt.» Die Inszenierung von Männern ist der Einzelfall geblieben.

Ausstellungseinrichtung als Auftritt

«Am besten geht es mir», sagt Manon einmal, «wenn ich eine Ausstellung vorbereite. Dann weiss ich, was ich zu tun habe, weiss ich, was ich will.» Danach folge oft eine grosse Leere. Mag sein, dass diese entsteht, weil das Licht über der Bühne ausgegangen ist. Manon scheint sich dank der Manifestation in der Kunstfigur ihrer selbst erst gewiss werden zu können. Sie hat sich als Künstlerin definiert, indem sie ihre Verletzlichkeit objektiviert und inszeniert und zu ihrer grössten Stärke verwandelt. Das ist anrührend – und in gewisser Weise auch grossartig.

Die Ausstellung «Manon» ist noch bis am 23. Februar 2020 im Kunsthaus Zofingen zu sehen. Öffnungszeiten: Dienstag, 18 bis 21 Uhr, Samstag/Sonntag, 11 bis 17 Uhr.

www.kunsthauszofingen.ch

 

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