Züri West und Co.: Spotify lässt die Musik von Schweizer Künstlern links liegen

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Dabei haben sie sich nun Spotify geöffnet, trotzdem sind Züri West mit ihrem Frontmann Kuno Lauener auf keiner Playlist des Streaminganbieters zu finden. © CH Media

Wie wichtig Streaming geworden ist, zeigt sich auch daran, dass selbst die Gallier von Züri West ihren Widerstand aufgegeben haben. Jahrelang verweigerte sich die Berner Band Spotify, bis an diesem 6. Dezember. «Man verärgert die Leute, wenn man nicht dabei ist», sagte Züri-­West-Manager Stefan Mischler der «Berner Zeitung».

Das wichtigste Ziel aller Bands sind die von Spotify kuratierten Listen. Im Falle von Züri West wäre das die Playlist «Schweizer Mundart». Knapp 30'000 Spotify-User folgen dieser Liste, wer es da drauf schafft, der generiert ohne grossen Aufwand viele Plays und grosse Reichweite.

In der Schweiz hat Spotify keine Mitarbeiter

Aber: Züri West schafft es derzeit nicht auf diese Liste. Gar keine neue Musik schafft es auf diese Liste. Sie ist seit Sommer in einen Dornröschenschlaf gefallen. Dies gilt ebenso für die Liste «Schwiizrap» mit 22'000 Abonnenten, wie das Hip-Hop-­Magazin «Lyrics» schreibt, und alle anderen speziellen Schweizer Listen von Spotify. Auf der «Schweizer Mundart»-Liste fehlt das grossartige «Beat Breu» der St.Galler Dachs ebenso wie die neuen Songs von Bligg und vielen weiteren Künstlern.

«Für Schweizer Musiker ist es momentan eine enorm schwierige Situation», sagt Andreas Ryser, Präsident vom Branchenverband Indie-Suisse. Das Problem: Spotify hat keine Mitarbeiter in der Schweiz. Den Überblick über die Schweizer Musik soll eigentlich das Büro in Berlin bewahren. «Die klagen aber über fehlende Ressourcen», sagt Ryser. Darum sind die Listen eingeschlafen. Ryser vermisst nicht nur die kuratierten Listen, sondern auch die Aufmerksamkeit: «Wenn jemand in der Schweiz wäre, den Markt sondieren und am Ende auch Tipps an die Kuratoren anderer Länder geben würde, wäre das enorm wertvoll für Schweizer Musiker.» So könnten diese wiederum in wichtigen Playlisten anderer Länder aufscheinen und so beispielsweise den Grundstein für eine erfolgreiche Europa-Tour legen.

Spotify hat hierzulande gemäss einer Studie rund 1,6 Millionen Nutzer. Geht man davon aus, dass rund die Hälfte das Premium-Angebot für monatlich 12.50 Franken nutzt, dann setzt Spotify in der Schweiz jährlich 120 Millionen Franken um – ein Schweizer Büro mit zwei Angestellten wäre finanzierbar.

Keine Reichweite für Schweizer Künstler

«Mich ärgert, dass sie sich immer als Freunde der Musiker geben und dann solche Sachen machen», sagt Ryser. Am Schluss sei halt auch Spotify einfach «ein Tech-Unternehmen, das Kohle machen will – und derzeit ja noch immer rote Zahlen schreibt». Für Schweizer Musiker sei es ohne einen für die Schweiz zuständigen Mitarbeiter enorm schwierig, im Neuerscheinungs-Dschungel auf dem Streamingdienst hervorzustechen. «Es ist eine Katastrophe», so Ryser. In einigen anderen Ländern unterhält Spotify eigene Büros – etwa in Schweden, Holland und Frankreich.

2020 soll es für die Schweiz besser werden, haben Spotify-­Mitarbeiter gegenüber Indie-­Suisse versichert. Was sich ändern wird, weiss Ryser nicht. Ein Schweizer Büro sei aber wohl nicht geplant. Spotify antwortete auf einen Fragenkatalog dieser Zeitung nicht.

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