Geschichten zwischen Ankunft und Abschied, die zu Herzen gehen

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Tinu Heiniger (Mitte) mit seinen musikalischen Freunden Hank Shizzoe (links) und Michael Flury. Bild: mif

«Sig froh, dass es nume Nastüechli si», zieht Roots-Gitarrist Hank Shizzoe seinen Freund Tinu Heiniger auf, als dieser die Papiertaschentücher-Päckli sammelt, die in der Kleinen Bühne Zofingen in die Instrumentierung geflogen sind. Nur weil er nach einem einzigen gefragt hat.

Nein, Unterwäsche singt sich ein Heiniger nicht herbei. Ein grosser Erzähler, der mit seinen Geschichten zu verführen versteht, ist er gleichwohl. Einer eben, der seine aus Alltagssituationen geborenen Lieder in leise, jazzig bis bluesige Wehmut hineinzubetten versteht. Und zwar so, dass es einen direkt ans Herz greift. Seine Heiniger-Abende zur Advents- und Weihnachtszeit haben Tradition. Jeden Dezember tritt er mit anderen Sidekicks an. Wobei der Begriff Sidekick bei fein geschliffenen Musikern wie Hank Shizzoe an Gitarren und Banjo sowie Michael Flury an Posaune und Glockenspiel doch reichlich untertrieben ist.

Vom Panorama zur Momentaufnahme

Mit «Verbi isch nid verbi» entführt das hochkarätige Trio das Publikum auf einem ersten stimmungsvollen Klangteppich ins Emmental der 50er-Jahre, in die Kindheitswelt Heinigers. Es ist eine Welt, die gegenüber dem Heute in so vielem nicht mehr bestehen kann. Und doch war sie so, wie sie war. «I gseh d’Wäut no gäng wie sie isch gsi, wo ni no e Bueb bi gsi», singt der inzwischen 73-jährige. Auch wenn man mit der Zeit geht, die Vergangenheit kann man doch nie ganz abstreifen. Vom grossen Panorama geht es in die Momentaufnahmen wie im Lied «Abschied»: «Du dräisch di nomau um u luegsch mi a/När seisch, du weisch, i muess jetz ga/Nei, gang no nid, blib no ne chli/Wett no chli mit dir zäme sy …»

Heinigers Liedtexte an der Schwelle zwischen dem, was nicht mehr sein kann und dem Neuen, das sich zaghaft ankündigt, erleben in der Musik ihr kongeniales Pendant. Dem Bandleader und Hank Shizzoe gelingt auf ihren Gitarren ein graziles Zusammenspiel mit feinen Harmonien, die sich ineinander verschleifen. Michael Flury nistet sich derweil mit lauschigen Posaunentönen ins Klangbild ein. Der Gesang ist manchmal schwelgerisch, ufert gerne auch mal in Lautmalereien zum Mitsingen aus. Alle drei Musiker legen sich in jeden einzelnen Klang und Ton hinein. Den Stimmungen, die sie kreieren, lauschen sie innig hinterher. Die Lust an der Musik, das Auskosten der Melodien zündet im Publikum so manche innere Weihnachtskerze an.

Die Sprüche, die zwischen den Liedern fallen, sind offensichtlich spontan und nicht einstudiert. Selbstredend dürfen die hintersinnig verträumten Liedzeilen auch mal neckisch lustig statt wehmütig sein. Mit «Mini Röse» besingt Heiniger die Dorfschönheit, bei der so manche gelegen sind. «Wenn i gwüsst hät, wies geit, hätt i mi ou zue nere gleit.» Herzerfrischend lässt «Moonglow», eine Benny-Goodman-Nummer, die Liebe zum alten Jazz aufblühen. Und «Wabish Blues» ist ein virtuoses Schaulaufen von Shizzoe und Flury, die hier auch mal etwas lauter und lüpfiger werden.

Beiläufig perlende Könnerschaft

Der begnadete Slide-Gitarrist Shizzoe zerdehnt die Klänge und spickt sie mit beiläufigen Finessen. Könnerschaft ist bei ihm subtile Klanggestaltung und kein technisches Muskelspiel. Posaunist Michael Flury ist eine Entdeckung: Er streichelt die Töne, schickt virtuose Klangbilder auf Samtpfoten durch den Trichter. Das Glockenspiel intoniert er ohne Bling, moduliert den Klang mit vibrierenden Handflächen. Man kann sich kaum satthören an diesen Stimmungsbildern. Auch nicht am virtuos vibrierenden Klarinettenspiel Heinigers, der Blatt und Holz erdig fiepen und röhren lässt .

Es gibt da einige Reminiszenzen an diesem Abend. So etwa jene an Bob Dylan, dessen «Mississippi» Heiniger 1:1 ins Berndeutsche übersetzt hat, oder jene an den 100 Jahre alten Song «Careless Love», den Shizzoe frisch entstaubt hat. Das Trio hat die Klasse, jede Vorlage in etwas ganz Eigenes zu verwandeln. Spass hat es gemacht, dieses Konzert. So viel Herz und Atmosphäre in 130 Minuten ist selten zu erleben. Das Publikum jauchzt.

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