Frühlingsrollen und grosse Party: so verbringen ein Buddhist und eine Muslimin die Feiertage

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Die Familie Bui am Basler Weihnachtsmarkt. Bei den Buis steht ebenfalls ein geschmückter Weihnachtsbaum zu Hause und am 25. Dezember wird ein Festessen aufgetischt. Bild: zvg
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Hejer Mejri feiert mit ihrer Familie am 31. Dezember ein grosses Fest. Bild: lh

Quoc Hung Bui (48), Rothrist, Buddhist

«Ich bin Buddhist, wuchs aber auch mit den christlichen Traditionen auf. In Vietnam, meinem Heimatland, sind nämlich 40 Prozent der Bevölkerung Christen. So bekamen ich und meine acht Geschwister von Kindesbeinen an die Rituale an Weihnachten mit und übernahmen sie zum Teil. Mit Kollegen besuchte ich zum Beispiel auch ab und an die Kirche. Leider habe ich aber nicht nur gute Erinnerungen an die Weihnachtsfeiern meiner Kindheit. Damals wütete in Vietnam nämlich der Krieg. Mein Vater geriet dabei ins Gefängnis und meine Mutter musste sehr viel arbeiten, um für uns sorgen zu können. Ausserdem verbot es die Regierung, Weihnachten gross zu feiern. Die Zeiten waren wirklich furchtbar. Vor 30 Jahren schliesslich flüchtete ich nach Thailand, wo ich von der UNHCR als Flüchtling anerkannt wurde. Danach reiste ich in die Schweiz ein. Mittlerweile wohne ich mit meiner Frau und unseren drei Kindern schon lange in Rothrist. Hier leben wir den buddhistischen Glauben, lassen aber auch Platz für das Christentum. So haben wir als Familie auch schon die Kirche in Zofingen besucht. Für mich hat jede Religion ihre Schönheit und es lohnt sich, sich auch mit anderen Glaubensrichtungen auseinanderzusetzen.

Die Weihnachtstage feiern wir sehr ähnlich wie die Christen, abgesehen vom Kulinarischen. Am 25. Dezember veranstalten wir ein Festessen, bei dem wir vietnamesische Spezialitäten wie Frühlingsrollen, gebratene Ente oder gebratenen Reis auftischen. Zum Dessert gibt es eine schöne Torte. Wir haben auch einen Weihnachtsbaum und verteilen Geschenke. Meinen Kindern erzähle ich jedes Jahr die Geschichte, wie der Weihnachtsbaum zu uns kam. Am 26. Dezember geniessen wir ein chinesisches Fondue mit Meeresfrüchten und Gemüse. Für mich sind die Weihnachtstage nicht nur heilig, sondern vor allem auch die Möglichkeit, viel Zeit mit der Familie zu verbringen. Und das ist mir enorm wichtig. Zum chinesischen Neujahrsfest am 25. Januar treffen wir dann wieder viele Vietnamesen und zelebrieren die buddhistische Tradition.»

Aufgezeichnet von Larissa Hunziker

Hejer Mejri (45), Aarburg, Muslimin

«Ich stamme aus Tunesien und bin vor dreizehn Jahren mit meinem Mann, meiner Tochter und meinem Sohn in die Schweiz gekommen. Seit drei Jahren wohnen wir nun in Aarburg. In Tunesien sind nur etwa ein Prozent der Einwohner Christen. Der Grossteil ist muslimisch, es gibt aber auch viele Juden. Weihnachten wird in Tunesien deshalb nicht wirklich gefeiert. In den grossen Einkaufszentren gibt es aber auch Weihnachtsbäume, die dekoriert und beleuchtet werden, aber viel weniger als in der Schweiz. Der 24. und 25. Dezember sind in Tunesien ganz normale Tage. Die Christen nehmen aber frei, um Zeit mit ihren Familien zu verbringen. Richtig gefeiert wird dann erst am 31. Dezember. Dann gibt es ein grosses Fest mit Familie und Freunden, um das Ende des alten und den Beginn des neuen Jahres zu feiern. Zu essen gibt es eine tunesische Spezialität, ein gebratenes, gewürztes Poulet. Dazu gibt es Kartoffeln und Gemüse, manchmal auch Fisch. Der ganze Tisch ist voller Essen. Ganz wichtig sind die Süssigkeiten und vor allem die grosse Torte. In den Tagen vor dem 31. Dezember stehen die Leute in Tunesien Schlange vor den Bäckereien. Um 24 Uhr werden Glückwünsche für das neue Jahr ausgetauscht. In Tunesien kann man den 31. Dezember auch in allen Hotels feiern. Dort wird Musik gespielt, ein Sänger oder eine Sängerin tritt auf und man kann tanzen. Viele Jugendliche gehen zum Feiern auch in Diskotheken. Das letzte Mal haben wir vor zwei Jahren mit der ganzen Familie in Tunesien gefeiert.

Den 24. und 25. Dezember verbringen meine Familie und ich ebenfalls wie ganz normale Tage, es gibt auch nichts Spezielles zu essen. Aber am 31. Dezember machen wir dann ein grosses Fest. Dieses Jahr kommt mein Vater aus Tunesien zu Besuch, letztes Jahr war meine Schwester aus Paris da. Ich werde das Poulet kochen und selber eine Torte backen.

Weihnachtsgeschenke verteilen wir nicht. Bei uns gibt es Geschenke, vor allem für die Kinder, an Bayram, den Feiertagen. Da trifft sich die ganze Familie mit Nachbarn und Freunden und jeder Besucher gibt den Kindern etwas, zum Beispiel neue Spielsachen oder Geld. Tradition ist es auch, dass die Kinder am Ende des Ramadans neue Kleider bekommen. Auch die Erwachsenen kaufen sich dann manchmal neue Klamotten.»

Aufgezeichnet von Larissa Hunziker

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