Eine Woche nach dem «Abschalt-Fest»: Erster Direktor des AKW Mühleberg im Interview

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«Als ich nach der Autobahnausfahrt ‹Mühleberg› der alten Strasse entlang bis zum Kraftwerk hinunterfuhr, hatte ich das wehmütige Gefühl des Letztmaligen», sagt Hans-Rudolf Lutz (86) aus Lostorf, erster Direktor des Kernkraftwerks Mühleberg. (Bild: Remo Fröhlicher)

Hans-Rudolf Lutz, das Kernkraftwerk Mühleberg wurde letzten Freitag vom Netz genommen. Wie haben Sie diesen Tag erlebt?

Hans-Rudolf Lutz: Ich war geladener Gast beim «Abschalt-Fest». Als ich nach der Autobahnausfahrt «Mühleberg» der alten Strasse entlang bis zum Kraftwerk hinunterfuhr, hatte ich das wehmütige Gefühl des Letztmaligen. Es waren sicher über 3000 Male, dass ich diese Strecke bei jedem Wetter zurückgelegt hatte. Nachdem um 12.30 Uhr die letzte Gruppe der Steuerstäbe eingefahren war, wurde mir sehr bewusst, dass der BKW nun 25 Prozent eigener Kraftwerksstrom fehlen und dieser entweder mit französischem Kernenergiestrom oder aus Deutschland mit stark CO2-belastetem Kohlestrom ersetzt werden wird. Das kann jederzeit auf der Website www.electricitymap.org nachgeprüft werden.

Wie haben Sie in Ihrer Zeit als Mühleberg-Direktor die Widerstands-Bewegung gegen Kernkraftwerke wahrgenommen?

Gegen das Kernkraftwerk Mühleberg gab es zu meiner Zeit keine eigentliche Bewegung. Es waren nur vereinzelte Personen, ganz im Gegensatz zu dem im gleichen Zeitintervall in Vorbereitung befindlichen Gösgen. Dies führte dann zur ersten eidgenössischen Abstimmung über die Zurückbindung der Kernenergie im Jahre 1979. Ich habe mich damals natürlich stark gegen diese Initiative eingesetzt – mit Erfolg!

Wird die Abschaltung einen Einfluss auf den Betrieb des Kernkraftwerks Gösgen haben?

Nur insofern, als dessen Produktion nach dem Ausfall von Mühleberg für die schweizerische Strom-Eigenversorgung umso wichtiger geworden ist.

Wie müsste Ihrer Ansicht nach das Problem des radioaktiven Abfalls gelöst werden?

Das Problem der hochradioaktiven Abfälle ist, was den zeitlichen Ablauf und die notwendige Technik anbelangt, einwandfrei gelöst. Was in der Schweiz noch offen ist, betrifft den Standort des Endlagers. Die Zwischenlagerung des hochaktiven Abfalls, die schon im Reaktor beginnt, wird weltweit nun seit 60 Jahren mit zunehmend grösseren Mengen durchgeführt. Momentan geht es dabei um hunderttausende von Tonnen, die sich in allen Ländern, welche Kernkraftwerke betreiben, angesammelt haben. Ich kenne keinen Vorfall, bei dem irgendwelche Personenschäden aufgetreten sind, sei es bei den unzähligen Transporten oder der Zwischenlagerung im Freien, vor allem in den USA, oder in gemauerten Zwischenlagern, zum Teil als Wasserpools. Finnland hat als erstes Land ein unterirdisches Tiefenlager gebaut und wird ab nächstem Jahr darin abgebrannte Brennelemente in Kupferbehälter lagern. Sie sollen aber bis zum endgültigen Verschluss noch während 100 Jahren überwacht werden. Von einem «untragbaren Risiko» zu sprechen ist meines Erachtens fehl am Platz.

Warum halten Sie erneuerbare Energien nicht für im Stande, ein «Black Out» zu verhindern?

Blackouts können durch Überlastung von Hochspannungsleitungen und Ausfall von Produktionsanlagen entstehen. Um sie zu verhindern müssen die Netzleitstellen in der Lage sein, unverzüglich mit geeigneten Gegenmassnahmen einzugreifen. Das sind Hydrospeicher- und Pumpspeicherkraftwerke aber auch thermische Kraftwerke, die schon mit kleiner Leistung laufen und dann rasch hochgefahren werden können. Solch schnelle Änderungen sind weder mit Fotovoltaikanlagen, Stichwort Dunkelheit, oder Windanlagen, Stichwort Flaute, möglich. Wer bei diesen Überlegungen von Panikmache spricht, versteht gar nichts!

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