Eine echte «Institution im Dorf»: Die Dagmerseller Kreuzberg-Wirtin Maria Vogel-Herzog

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Ein Hoch auf die Gastgeberin: Maria Vogel-Herzog nimmt auch mal am Stammtisch Platz. Bild: Jakob Ineichen

Natürlich hatte sie nicht damit gerechnet. Man glaubt es der 72-jährigen Maria Vogel-Herzog gerne, dass sie nicht das Rampenlicht und auch nicht ein gross angerichtetes «Dankeschön» sucht. Die «Kreuzberg»-Wirtin ahnte auch nicht, weshalb der Dagmerseller Gemeindepräsident sie unbedingt an der letzten Budgetgemeindeversammlung dabei haben wollte. Sie wäre wohl nicht gegangen, es fehlt ihr schlicht die Zeit, ausser Haus zu gehen, an öffentlichen Veranstaltungen teilzunehmen. Eine kleine «Notlüge» des Gemeindepräsidenten und das Drängen des Sohnes liessen sie schliesslich hingehen. Beim letzten Traktandum lüftete dann der Gemeindepräsident das Geheimnis, die Überraschung für Maria Vogel war perfekt: Sie wurde als diesjährige Preisträgerin des «Kulturbatzens», des Anerkennungspreises der Gemeinde Dagmersellen, vorgestellt.

Da sitzt sie Wochen später einem gegenüber im «Sääli» ihres Restaurants «Kreuzberg». Der Mittagsservice ist vorüber. Maria Vogel-Herzog nimmt sich etwas Zeit für ein Gespräch, kann sich endlich etwas setzen, durchatmen. Am Vormittag und über den Mittag war sie voll in der Küche beschäftigt. Über 50 Mittagessen hat die versierte Köchin heute zubereitet. Darunter viele Tagesmenüs, aber auch einiges «à la carte». Und natürlich gingen diverse der hausgemachten, legendären Cordons bleus über die Theke, mit denen sich die Kreuzberg-Wirtin weit über die Region hinaus einen Namen gemacht hat. Auf den Kulturbatzen angesprochen, da strahlt Maria Vogel-Herzog wieder: «Diese Wertschätzung der Bevölkerung ist eine riesige Freude für mich». Was meint sie, wofür sie diesen Preis erhält? «Ich habe wohl einiges richtig gemacht die letzten Jahre hindurch», sagt sie und schmunzelt. Gemeindepräsident Philipp Bucher deutscht dieses «Richtigmachen» konkret aus: Die Kreuzberg-Wirtin Maria Vogel sei im Dorf eigentlich eine Institution. «Sie ist eine überaus liebenswerte und sehr aufmerksame Gastgeberin, da für jedermann. Sie kann zuhören und Anteil nehmen», sagt Bucher. Sie sei eine Dorfwirtin, wie sie im Büchlein stehe und wie es sie leider sonst kaum mehr gebe. Nein, die einstige Bauerstochter ist nicht gebürtige Dagmersellerin, in Schongau ist sie im Kreis von zehn Geschwistern aufgewachsen, viel zu früh hat die Familie die Mutter verloren. Mit den älteren Schwestern im Wechsel hat sie lange die Rolle als Ersatzmutter für die kleineren Geschwister wahrgenommen. Einen Beruf erlernen, das war damals und gerade in dieser Situation kein Thema. «Ich ging am Wochenende zwischendurch etwas servieren, um das Haushaltsgeld aufzubessern.» So ist sie in Gastgewerbe gekommen.

Seit 1975 wirtet sie im «Kreuzberg»

Einmal selber Wirtin sein, nein das war überhaupt nicht ihre Ambition. Einen Gastbetrieb zu führen, das war aber der Traum ihres Mannes Walter. Maria machte die Wirteprüfung und das Ehepaar übernahm einige Tage nach der Hochzeit im Mai 1975 das Restaurant «Kreuzberg».

44 Jahre sind inzwischen ins Land gegangen. Sie ist immer noch da und führt den Betrieb seit vielen Jahren allein. Ihr Mann ist vor fünf Jahren, nach langer Krankheit, gestorben. «Ich hatte viel Glück mit meiner Gesundheit», sagt sie. «Ich spüre aber, es kann nicht ewig so weiter gehen. Es sind lange Arbeitstage.» Denkt Maria Vogel ans Aufhören? Schon, sagt sie, aber es werde nicht heute und morgen und auch nicht im kommenden Jahr sein. «Fürs 2020 stehen schon zu viele Reservationen an», sagt sie mit einem Lächeln. Sie wird also weiterhin praktisch rund um die Uhr für ihre Gäste da sein. Nicht aber am Abend des 12. Januar 2020: Dann findet um 17 Uhr im Pfarrei- und Gemeindezentrum Arche die Verleihung des Kulturbatzens statt. Für diese «Absenz» dürften ihre «Kreuzberg»-Gäste bestimmt ein Nachsehen haben.

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