Das Mittelland ist die Badewanne des Nebels

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Abendstimmung an der Nebelgrenze. Bild: Tobias Walt

Kräftige Gewitter in den Sommermonaten und Schneefälle sowie heftige Stürme im Winter. Das ist es , was Meteorologen lieben – also Spannung und Abwechslung. Je nachdem, wie intensiv man sich mit dem Wetter beschäftigt, kommt es vor, dass man mehrmals täglich die Wettermodelle konsultiert, um sich über die neusten Berechnungen zu informieren. Als am zuverlässigsten gilt unter den meisten Schweizer Meteorologen das europäische Wettermodell des European Centre for Medium-Range Weather Forecast (ECMWF) in Grossbritannien, an welchem sich die Schweiz gemeinsam mit 21 weiteren europäischen Staaten beteiligt. Als Abgleich wird mit zweiter Priorität meist das US-amerikanische Global Forecast System (GFS) konsultiert, welches vier Mal täglich – und somit doppelt so oft wie das europäische Modell – die Prognosen neu berechnet.

Zu Beginn des neuen Jahres bietet das Wetter in der Schweiz weder Spannung noch grosse Abwechslung, denn wir befinden uns meist unter Hochdruckeinfluss. Die grösste Herausforderung, die sich den Meteorologen während Hochdrucklagen im Winter stellt, ist die Vorhersage der Obergrenze des Nebels über dem Schweizer Mittelland. Dieses dient dem Nebel sozusagen als Badewanne. In klaren Winternächten kann von den Alpentälern und dem Jura kalte Luft in Richtung Flachland abfliessen, ausserdem bildet sich solche durch Ausstrahlung auch an Ort und Stelle. Es entsteht im Mittelland ein sogenannter Kaltluftsee, welcher tagsüber aufgrund der schwachen Sonneneinstrahlung nicht ausgeräumt werden kann. Weil kalte Luft weniger Feuchtigkeit aufnehmen kann als warme, kondensiert das Wasser in der übersättigten Luft – und es bildet sich Nebel. Ist die Nebelschicht vom Erdboden abgehoben, spricht man von Hochnebel. Nur der Wind kann in den Wintermonaten den Kaltluftsee ausräumen, indem er die verschiedenen Luftschichten durchmischt. Erst ab Mitte Februar hat auch die Sonne mit ihrer Einstrahlung wieder die Kraft, den Nebel im Laufe des Tages aufzulösen.

Die Bise hebt den Nebel wie eine Hebebühne an

Der einzige Wind, der dem Nebel nicht an den Kragen geht, ist die Bise. Sie hebt ihn an wie eine Hebebühne und drückt ihn in Richtung der Alpentäler. Je stärker die Bise auffrischt, desto höher steigt die Nebelobergrenze. Während sie bei einer leichten Bise etwa zwischen 900 und 1100 Metern zu liegen kommt, hockt bei einer mässigen Bise gar die Spitze des Bürgenstocks mitten in der Nebelsuppe. Ohne Bise findet man die Sonne laut Meteo Schweiz in der Regel oberhalb von 800 bis 900 Metern und südwestliche Winde senken die Nebelgrenze auf bis zu 500 Meter herunter. Der Südwestwind kündigt jedoch oft eine Front an, welche den Nebel mit der bereits erwähnten Luftschichtendurchmischung früher oder später ohnehin ganz verschwinden lässt. Genau dies geschieht am heutigen Dienstag. Statt des Nebels sind einige Wolken am Himmel zu sehen . Es sollte jedoch trocken bleiben. Morgen Mittwoch bildet sich der Nebel dann aufs Neue.

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