«Beim Volkswandern ist man mit allen per Du»

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Diese Wandergruppe ist aus Titisee-Neustadt in Deutschland extra nach Hirschthal gereist. «Die Wanderstrecke im Suhrental geniesst auch ennet der Grenze einen guten Ruf», sagt Rolf Senn, Präsident der Wandergruppe Hirschthal (l.), mit den Gästen aus dem Schwarzwald. Bild: sih
Susanne Wullschleger, 52 Raumpflegerin, Brittnau: «An Volkswanderungen finde ich spannend, dass man durch kaum bekanntes Gebiet läuft. Bisher habe ich pro Jahr etwa drei bis vier Märsche gemacht, mir jedoch den Vorsatz genommen, öfter wandern zu gehen, und heute den Anfang gemacht. Es ist sehr schön hier. Der Kaffee war besonders gut.»
Daniela, 50, und Ralf Wagner, 53 Hausfrau und Logistiker, Schupfart: «Wir starten für einen Verein in Oberhof, Deutschland, wo Ralf herkommt, um für diesen Punkte zu sammeln. Pro Jahr nehmen wir etwa an 10 Märschen teil, das ist nicht besonders viel. Gut gefallen haben uns hier die schöne Strecke und die Aussicht. Der Hund kann leider keine Punkte sammeln.»
Hansrudolf Hürzeler, 83 Pensionär, Brittnau: «Ich wandere der Gesundheit zuliebe, und weil man immer etwas Neues sieht. Heute bin ich mit Kollegen hier und bin die sechs Kilometer lange Strecke gelaufen. An den Hirschthaler Wanderungen nehme ich schon seit vielen Jahren teil. Pro Jahr absolviere ich etwa 30 bis 40 Märsche.»
Sepp Hodel, 73 Waldarbeiter, Richenthal: «Ich nehme pro Jahr an 35 bis 40 Märschen teil, vor allem wegen der Natur. Die Wandervereine helfen einander gegenseitig, jemand aus meiner Gruppe arbeitet heute in der Küche, dafür unterstützen uns die Hirschthaler bei unserem Marsch, der am 8. Mai, dem Europäischen Wandertag, stattfindet.»

Insgeheim hatte Rolf Senn eine grosse Teilnehmerzahl erwartet. Seine Prognose sollte in Erfüllung gehen: Bis am Samstagmittag gingen über 300 Wanderfreunde auf die sechs oder die zehn Kilometer lange Strecke durch die Hirschthaler Wälder. Für das ganze Wochenende rechnete Senn mit gut 600 Teilnehmenden. Seit 22 Jahren organisiert der Präsident der Wandergruppe Hirschthal, die der Europäischen Volkssportgemeinschaft EVG angeschlossen ist, Volksmärsche, etwa drei pro Jahr. Am Wochenende bescherten zwei glückliche Umstände der Hirschthaler Gruppe eine überaus erfolgreiche Veranstaltung: Das Wetter und die Tatsache, dass gleichzeitig nur in der Westschweiz eine weitere Volkswanderung stattfand. «Unsere Wanderung hat einen guten Ruf und es kommen Teilnehmer aus der ganzen Schweiz», erklärt Senn stolz. Sogar aus Titisee-Neustadt im Schwarzwald sei eine Gruppe angereist.

Wandergruppen kämpfen ums Überleben

Zwar ist Wandern wieder mehr im Trend. Trotzdem kämpfen die Wandergruppen mit dem Mitgliederschwund. «Jedes Jahr geben mehrere Vereine auf», erzählte Senn. Die Hirschthaler Gruppe jedoch ist mit 55 Mitgliedern, davon 15 aktiven Wanderern, gut aufgestellt. Letztes Jahr belegte sie in der Gruppenwertung gesamtschweizerisch den zweiten Platz. Viele Mitglieder nehmen beinahe jedes Wochenende an einem Marsch teil und sammeln dadurch Punkte für sich selbst und den Verein. «An Volkswanderungen treffen alle Gattungen von Leuten aufeinander und man ist gleich mit allen per Du», erklärte Senn und fügte hinzu: «Alle sind sehr anständig, nie kommt etwas weg.»

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