Erinnerungen in Form von Videokassetten

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Die Medienbranche ist seit Jahren, ja seit Jahrzehnten, einem immensen Wandel unterworfen. Wir Zeitungsjournalisten bekommen das immer wieder hautnah zu spüren. Aber auch Fernsehen und Radio müssen immer mehr umdenken – denn alternative Geschäftsmodelle stellen beispielsweise das Fernsehen, wie wir es jahrzehntelang gekannt haben, zur Diskussion. Daher könnte man auch fragen: «Schaust du noch fern oder netflixt du schon?» Ich bekenne mich: Ich bin ein treuer Fernsehzuschauer – allerdings nur dank Comeback-TV. So kann ich schauen, was ich will, wann ich will. Und wenn es langweilig ist oder zu viel Werbung gezeigt wird, spule ich vor. Was für ein Luxus!

In meiner Kindheit hatten wir diesen Luxus noch nicht. Ich erinnere mich sogar noch ganz schwach an einen Fernseher, der keine Fernbedienung hatte. So war auch klar: War die Sendung vorbei, war sie vorbei. Keine Chance, sie zu einem späteren Zeitpunkt zu schauen. So mussten wir Prioritäten setzen: Die geliebte Sendung – oder doch eher ein Abendessen mit der Familie geniessen. Selbstredend, dass meine Eltern die Prioritäten nicht gleich gesetzt haben wie ich. So war es dann das Ereignis, als meine Grosseltern einen Videorekorder mit Aufnahmefunktion gekauft haben. Wir haben sie mit einem Multipack leerer Videokassetten versorgt und sie haben im Gegenzug für uns Sendungen und Filme aufgenommen. Wenn wir bei den Grosseltern zu Besuch waren, konnten wir die Aufnahmen dann schauen. Oft hats sogar für mehr als nur einen Asterix-Film gereicht – das Dessert durften wir nämlich vor dem Fernseher essen. Alles Dinge, die zu Hause tabu waren.

Viele dieser Videokassetten mit Asterix-Filmen und Pingu-Geschichten haben wir vor einigen Jahren entsorgt. Einen Videoplayer besitzt schon lange keiner mehr in der Familie. Trotzdem fiel es mir nicht leicht, diese Kassetten in den Abfallsack zu stopfen. Klar, sowohl Asterix als auch Pingu könnte ich auf DVD kaufen oder auf Youtube schauen. So waren es auch nicht unbedingt die Videokassetten, die ich nicht wegwerfen wollte, sondern vielmehr die damit verbundenen Erinnerungen. Und ganz ehrlich: Ich bin nicht sicher, ob nicht doch noch die eine oder andere Videokassette in meinem Büchergestell liegt. Beispielsweise die mit dem Segelfilm «Wind», einem Spielfilm aus dem Jahr 1992, der sich rund um den America’s Cup dreht. Mit dieser Kassette ist eben auch so eine Erinnerung verbunden: Wir haben den Film damals im Segellager mit einem Videobeamer an eine Kirchenwand geworfen. Ob das der höheren Macht nicht gefiel? Jedenfalls führte ein spektakuläres Gewitter zum Abbruch unserer Open-Air-Kino-Aufführung.

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