Nächstes Jahr dürfen bereits 16-Jährige auf die Autobahn – das sagen Verkehrs-Experten dazu

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16-jährige Töfflenker auf der Autobahn: Benjamin Giezendanner (rechts) begrüsst die Gesetzesänderung, Thierry Burkart ist besorgt. © Pixabay/AZ/Montage: mwa

Ab 2021 dürfen bereits 16-Jährige ein Motorrad mit einem Hubraum von 125 Kubikzentimeter (ccm) fahren. Diese Gesetzesänderung hat der Bundesrat im Rahmen einer Revision der Führerausweisvorschriften verabschiedet. Bisher war das Fahren eines 125ccm-Mottorrads erst mit 18 Jahren erlaubt.

Das bedeutet auch: 16-Jährige sollen künftig auf Autobahnen unterwegs sein, wie Johannes Michael Baer, Leiter des Strassenverkehrsamts Aargau, bestätigt: «So, wie wir das Gesetz interpretieren, das momentan in einer provisorischen Fassung vorliegt, ist das ab 2021 möglich.» Baer rechnet nicht damit, dass sich diesbezüglich noch etwas ändern wird.

Benjamin Giezendanner begrüsst die Änderung. «Ich habe da keine Bedenken. Es gibt ja entsprechende Schulungen und Prüfungen», erklärt der SVP-Nationalrat auf Anfrage der AZ. Er sehe kein zusätzliches Risiko, sondern allenfalls eine Verschiebung. Giezendanner betont aber: «Man gibt heute den Jungen viel mehr Verantwortung, dann sollten sie auch davon profitieren können.» So könne es etwa für Jugendliche in Randregionen eine Chance sein, wenn sie beispielsweise in der Lehre dank einem Töff ein paar Kilometer mehr zurücklegen könnten.

«16 Jahre sind zu früh»

Kritischer sieht die Gesetzesänderung Roger Wintsch, Präsident des Aargauer Fahrlehrerverbands: «Ich halte mich da an die Ergebnisse aus der Hirn-Forschung. Die besagen klar, dass die Impuls-Kontrolle nicht Schritt hält mit dem Wachstum. Das bedeutet, dass Jugendliche noch weniger Gefahrenbewusstsein haben als Erwachsene – je jünger desto gefährlicher.» Deshalb befürchte Wintsch mehr Unfälle auf den Strasse. «Ob das tatsächlich so ist, wird sich in ein paar Jahren zeigen. Ich hoffe, ich irre mich.» 

Würden mehr Verkehrssicherheits-Kurse helfen? «Das Problem ist, dass das auf freiwilliger Basis wohl kaum funktioniert. Und noch mehr obligatorische Kurse können wir auch nicht befürworten», erklärt Wintsch. Die Fahrlehrer seien aber durchaus bereit, alles dafür zu tun, um den Jugendlichen im Rahmen der Ausbildung die Sicherheit beim Töfffahren nahe zu bringen. 

Auch Thierry Burkart, neu gewählter FDP-Ständerat und Präsident der Aargauer Sektion des Touring Clubs Schweiz hält die vom Bundesrat beschlossene Gesetzesänderung für heikel. Für ihn ist klar: «Mit 125ern können bereits hohe Geschwindigkeiten erreicht werden. Für 16-Jährige ist das Fahren solcher Motorräder noch zu früh.»

Zu denken gibt Burkart auch der Zeitpunkt der Prüfungsreife. Die neue Verordnung hält zwar fest, dass 16-jährige Töfffahrer erst mit Prüfungsreife auf die Autobahn dürfen. «Es herrscht aber eine grosse Unklarheit darüber, wann diese Reife erreicht ist, » so Burkart. Der Ermessenspielraum sei zu gross. Hier brauche es weitere Überlegungen.

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