Gemeinderatswahlen: Alles wartet auf Wolfgang Kunzelmann

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Die Ausgangslage für die Gesamterneuerungswahlen in Wikon ist elf Tage vor dem Eingabeschluss für Wahlvorschläge am 3. Februar immer noch nicht ganz klar. Bekannt ist: Gemeinderätin Esther Ammann (SP) wird nicht mehr zu den Wahlen antreten. Es gibt also eine Vakanz. «Es ist korrekt, dass ich, wie bereits vor Amtsantritt angekündigt, nur bis zu den Gesamterneuerungswahlen das Amt übernehme», sagt Esther Ammann auf Anfrage. Sie betreut das Ressort Bildungswesen und ist seit April 2019 im Amt.

Die beiden CVP-Vertreterinnen, Gemeindepräsidentin Michaela Tschuor (siehe Box) und die im Juli 2019 neu gewählte Gemeinderätin Rosmarie Brunner treten wieder an. «Ich finde das Amt als Sozialvorsteherin spannend, es gefällt mir», sagt Brunner auf Anfrage. Sie würde ihr Engagement gerne fortsetzen.

Auch der parteilose Ivan Zanin, der das Ressort Bauwesen betreut, will erneut kandidieren. «Wir haben momentan ein gutes Einvernehmen im Gemeinderat», sagt Zanin, «ich stelle mich gerne für eine weitere Legislatur zur Verfügung.» Er wurde 2017 in stiller Wahl gewählt. Damals traten Esther Ammann und Roger Wymann (SP) zurück.

Kunzelmann und die SVP Wikon schweigen

Der 2017 gewählte Gemeinderat und Finanzvorsteher Wolfgang Kunzelmann (SVP) will sich partout nicht in die Karten blicken lassen über seine Pläne. Dem Vernehmen nach auch nicht gegenüber Gemeinderatskollegen. Er müsse das mit der Partei besprechen. Ein Mail dieser Zeitung und mehrere Telefonanrufe blieben unbeantwortet.

Kunzelmann hat bekanntlich Gemeinderatskollegen und eine ehemalige Gemeindeschreiberin wegen verschiedener Straftatbestände angezeigt, das Verfahren bei der Staatsanwaltschaft Sursee läuft noch. Einzelne Gemeinderatsmitglieder wurden bereits von der Luzerner Justiz befragt. Die Zusammenarbeit im Gemeinderat dürfte – trotz offiziell gutem Einvernehmen – unter solchen Umständen nicht einfach sein. «Der Gemeinderat hat momentan grösste Mühe, vernünftig zu operieren», sagt ein gut informierter Wikoner. Steht die SVP Wikon noch hinter ihrem Gemeinderat? SVP-Präsident Silvan Schütz sagte auf Anfrage, man werde die Situation in diesen Wochen «bereinigen». Es finde eine SVP-Vorstandssitzung statt, fügt er hinzu. Konkreter wollte er sich nicht äussern.

Bisher ist also nur klar, dass der Sitz von Esther Ammann im Gemeinderat frei wird. Es gibt eine Kandidatin. Die parteilose Carmen Hodel aus dem Hintermoos tritt an, wie sie mitteilte. Sie ist Sozialpädagogin und Unternehmerin mit eigener Gesundheitspraxis. Hodel hat letzten Sommer schon einmal kandidiert. Damals suchte Wikon nach dem Amtswechsel von Michaela Tschuor eine neue Sozialvorsteherin. Hodel lag mit 170 Stimmen bloss 29 Stimmen hinter Rosmarie Brunner. Die SP Wikon unterstützt offiziell Hodels Kandidatur und hat sie aktiv für die Kandidatur angefragt. SP-Präsident Roger Wymann sagt auf Anfrage, die SP sei zufrieden, jemanden zu unterstützen, der ähnlich denke. Eine eigene Kandidatur stellt die Partei nicht auf. «Andere Parteien wären diesmal gefordert», fügt Wymann hinzu.

Die CVP hat ihre Hausaufgaben gemacht. Bei der SVP herrscht Funkstille. Und die Liberalen? «Die FDP wird noch einige Gespräche führen», sagt Ortspartei-Präsident Andreas C. Brändle. Fakt ist aber: Es drängelt sich niemand um eine Kandidatur für den Gemeinderat. «Da unterscheiden wir uns nicht von anderen Dörfern», sagt Brändle. Mit ihren beiden letzten Gemeinderäten hatte die Partei Pech. Der ehemalige Gemeindepräsident René Wiederkehr und Gemeinderat Markus Dietrich waren zuerst parteilos, traten dann 2015 mit viel Elan in die neu gegründete FDP ein und später wieder aus – und im Gemeinderat zurück. Seither ist die FDP nicht mehr in der Wikoner Exekutive vertreten.

Übrigens: Politinteressierte Wikoner vermuten, dass Wolfgang Kunzelmanns Schweigen auf eine erneute Kandidatur hinweist. Und dass der teilweise umstrittene SVP-Gemeinderat auf eine stille Wahl hofft. Wenn nämlich die vier Bisherigen sowie Carmen Hodel antreten, also fünf Kandidierende für gleichviele Sitze, kommt es zu stillen Wahlen. Von dieser Zeitung befragte Wikoner würden sich aber weitere Kandidaturen – und damit eine Auswahl und einen Wahlkampf – wünschen. Vielleicht kommt ja bis 3. Februar alles anders. Gewählt wird in Wikon am 29. März.

«Stabilität ist das, was die Gemeinde braucht»

Michaela Tschuor (CVP) kandidiert erwartungsgemäss für eine Wiederwahl als Gemeindepräsidentin. «Wir haben bei der Reorganisation der Gemeinde schon einige Eckpfeiler eingeschlagen», sagt sie auf Anfrage, «in den nächsten vier Jahren geht es an die Umsetzung. Ich finde es unglaublich spannend, als Gemeindepräsidentin mit Verwaltung und Bevölkerung diesen Prozess mitzugestalten. Der Veränderungsprozess reizt mich.» Ziel sei am Ende eine aufgeräumte und beruhigte Gemeinde Wikon, welche wieder Vertrauen zu den Behörden habe. «Stabilität ist das, was unsere Gemeinde braucht», fügt Michaela Tschuor hinzu. Am 24. Januar wird die CVP Wikon ihre Nominationsversammlung abhalten. Neben der Gemeindepräsidentin will auch Rosmarie Brunner wieder antreten. (ben)

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