Lyrikfan Ulrich Suter: Mit Poesie in Bahnhofs-Wartesälen begann alles

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Ulrich Suter ist begeistert vom alten Kloster St. Urban. Bild: Heidi Bono
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Suter an der Klostertüre. Ein Benediktiner aus Engelberg brachte ihn einst hierhin.

Ulrich Suter hat mit seinen Literaturtagen unter dem Titel «Seetaler Poesiesommer» eine ganz besondere Plattform für Dichter und Künstler aus verschiedenen Regionen der Schweiz geschaffen. Seit 2000 bietet er jedes Jahr von Juli bis November in allen vier Landessprachen ein Programm an, das auch Veranstaltungen von Nordschweden bis Sizilien mit einschliesst.

Eine ganz spezielle Einrichtung schuf er auch 2004 im altehrwürdigen Kloster St. Urban mit der traditionellen Lesereihe «Lyrik im Kloster». Auf die Frage, was ihn denn so fasziniere, vor allem an der Lyrik, sagt er spontan: «Es liegt sehr viel drin in wenigen Worten.» Ulrich Suter wohnt im luzernischen Schongau, er ist verheiratet und hat vier Kinder.

Aussergewöhnliche Laufbahn

Ulrich Suter hat Jahrgang 1961 und ist im Suhrental aufgewachsen. Nach einer Lehre bei der SBB arbeitete er kurze Zeit als Bahnangestellter. Bereits damals organisierte er Lesungen in unterschiedlichen Wartesälen an Schweizer Bahnhöfen. Sein nachfolgendes Studium in Kunstgeschichte und Literatur bildete eine gute Grundlage für die Arbeit als selbstständiger Kulturvermittler. Suter hat ein Buch geschrieben. «Literarische Innerschweiz» gilt als Standardwerk.

Der Start mit den Lyrik-Lesungen in St. Urban war nicht einfach, doch das Konzept bewährte sich. «Ich habe offene Ohren auch für leise Stimmen», sagt Suter. «Mir geht es um die ganze Bandbreite der Lyrik.» Sowohl bekannte wie unbekannte Autoren sollen ihr Schaffen vorstellen können, erklärt er. Auf die Frage, was ihn geprägt habe, führt er den deutschen Dichter Friedrich Hölderlin an: «Aber schön ists, die Seele zu entfalten und das kurze Leben.» Solche Verse gehen Suter «unter die Haut».

Auch Lesungen in den anderen Landessprachen

Die Veranstaltungen in St. Urban haben eine besondere Vorgeschichte. An einer Ausstellung in einem alten Usego-Gebäude in Olten habe er einen Benediktiner-Pater aus Engelberg getroffen. «Der hat mich straks nach St. Urban gefahren», erzählt Suter.

Das war eine «wunderbare Fügung», und seither findet immer am 7. des Monats um 17 Uhr im altehrwürdigen Abtsaal des Klosters eine Lesung statt. «Eine treue Besuchergruppe kommt seit vielen Jahren an die Lyrikveranstaltungen im Kloster – egal ob es ein Wochen- oder ein Sonntag ist», sagt der Organisator. Er lobt das aufmerksame Publikum: «Es kommt auch vor, dass die Zuhörer spontan helfen, Formulierungen für eine Übersetzung zu finden, wenn bei einem Text in Französisch oder Italienisch der Autor und sein Übersetzer am Ende ihres Lateins sind. Ist das nicht phänomenal?»

Ab und zu wird Ulrich Suter – auch was den Leseort betrifft – vor besondere Aufgaben gestellt. Dann nämlich, wenn der alte Abtsaal von der Klosterverwaltung für Anlässe beansprucht wird. Er schafft es aber immer wieder, ein überaus passendes Ambiente zu bieten. Auch in der alten Bibliothek «darf» ab und zu gelesen werden. So hat der Tessiner Journalist Guido Grilli hier seine Werke präsentiert und wurde von Übersetzerin Monica Oliari, die ebenfalls regelmässig anwesend ist, bestens unterstützt. In ungewohntem Rahmen fand vor zwei Jahren auch eine Lesung des Lyrikers Christoph Ferber statt, der in Sizilien lebt. Selber konnte er aus Gesundheitsgründen nicht kommen und wurde von der Berner Lyrikerin Barbara Traber vertreten.

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