Vor 25 Jahren brach dieser Aargauer Schlagzeuger in die USA auf – er blieb und ist erfolgreich

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Seit 2012 tourt Künzli mit der Sängrin Regina Spector (zVg)

Manchmal blättert er durch seine Agenda und da ist nichts. Bloss Leere, Seite für Seite, Woche für Woche. Aber das kann sich rasch ändern, das weiss Mathias Künzli (44). Und deshalb lässt ihn das kalt. «Es geht immer auf, irgendwer ruft immer an», sagt er.

Seit 25 Jahren schon geht es auf, seit 1995 lebt Künzli als Schlagzeuger und Perkussionist in den USA, tourt mit Grössen wie Lauryn Hill, Moby, Regina Spektor oder dem Cellisten Yo-Yo Ma um die Welt, spielt in der Schweiz für Steff La Cheffe oder Erika Stucky. Dabei war das doch alles so nicht geplant.

Aufgewachsen ist Mathias Künzli in Reinach. Bis 13 trommelte er bei den Tambouren, weil es an der Musikschule bis dann keinen Schlagzeugunterricht gab, spielte danach in verschiedenen Schülerbands und machte seine Ausbildung an der Dante Agostini Drum School in Olten und der allgemeinen Abteilung der Jazzschule in Luzern.

Seine Helden: Jimi Hendrix, John Coltrane, Elvin Jones, Led Zeppelin, Pink Floyd, The Cure, Tony Williams. Warum ausgerechnet Schlagzeug? Mathias Künzli zuckt mit den Schultern. «Trommeln ist für mich logisch. Ich muss trommeln.»

Die Abenteuerlust drängt ihn, er will weg

Als er 1995 aufbricht, knapp 20 Jahre alt, will er einfach weg, die Abenteuerlust drängt ihn. Musiker und Lehrer Fritz Renold rät ihm, in die USA zu gehen, ans Berklee College of Music in Boston. Dafür erspielt er sich in Paris zwei Stipendien, dann bricht er auf, rasch und ohne grosse Vorbereitung. Geplant sind ein, zwei Semester im Ausland. «Aber der Maths kam nicht mehr zurück», sagt er und lacht, selbst nach all der Zeit noch hörbar verwundert.

Nach sechs Jahren in Boston zieht Künzli 2001 in die Jazz-Metropole New York, mit 3400 Dollar im Sack. Er beisst sich durch, spielt in bis zu 20 Bands gleichzeitig, springt da ein und sagt dort zu, ein Telefonanruf und los gehts, auf die Bühne, ins Studio, auf Welttournee.

Präsenz ist alles, Flexibilität noch mehr. Künzli spielt in der Carnegie Hall in New York, der Royal Albert Hall in London, dem Sydney Opera House, tritt in den Shows von David Letterman und Jay Leno auf, macht Filmmusik für Kinofilme und Fernsehserien, komponiert Tanzstücke für Choreografen.

 

Er spielt, spielt, spielt. Tag für Tag, Nacht für Nacht, mit Leuten aus der ganzen Welt. Begleitet Streichquartette und Rockbands, spielt mit Iren und Brasilianern, mit Freejazz-Trios und Hip-Hoppern, schafft es in die Bands von Musikern mit Millionenpublikum. Doch auf diesen Momenten ruht er sich nicht aus.

«Ich bin nicht der Meilenstein-Typ, nicht der Trophäensammler.» Was er will, ist Trommeln, mit glaubwürdigen Künstlern. Davon leben können will er auch und das kann er. «Ich habe alles passieren lassen. Eigentlich mein Leben lang.»

Zu viel geworden ist ihm der ganze Zirkus nie, nicht das Reisen, nicht das Unvorhergesehene, höchstens manchmal die Hetzerei. Das Trommeln aber schon gar nicht. Was ihn ausmacht? «Ich tüftle immer», sagt er. «Und ich liebe das Orchestrale.» Höchst selten komme er mit bluttem Schlagzeug an, meist habe er noch zwanzig Taschen dabei, gefüllt mit allerlei anderem Zeug.

Rasseln, Flaschen, Rohre, Stangen, Muscheln, Äste, was auch immer ein spezielles Geräusch macht. Das mache ihn wohl aus, mache es ihm möglich, auch nach 25 Jahren im Haifischbecken Musikindustrie mithalten zu können.

Den Kontakt mit dem Wynental hat er nie verloren

Was ihn erdet: die Natur. Und der Kontakt mit daheim. Zwei- bis dreimal pro Jahr kommt er heim ins Wynental, heim nach Reinach, schläft in seinem ehemaligen Bubenzimmer oder im Sommer auf dem Balkon. «Ich bin ein sehr nostalgischer Mensch, meine Heimatverbundenheit habe ich nie verloren.»

Er liebe den Hallwilersee und Kopfsteinpflaster, die Leute hier. «Sie sind direkter, geerdeter und verbindlicher. Es ist ein gesundes Miteinander, nicht so klebrig.» Wenn er hier ist, trifft er so viele Freunde wie möglich, verabredet oder spontan. Und natürlich trommelt er: «Livekonzerte und Studioaufnahmen stehen immer auf dem Programm, das ist mir wichtig und würde ich künftig auch gerne noch intensivieren.»

Künzli tüftelt immer an neuen Klängen, das macht ihn aus.

Künzli tüftelt immer an neuen Klängen, das macht ihn aus.

© Zur Verfügung gestellt

Seit dreieinhalb Jahren nun wohnt Mathias Künzli in Los Angeles. New York hat er vorübergehend als Wohnort verlassen, nach 16 Jahren. Der Liebe wegen; seine Frau Hanna-Lee Sakakibara ist Schauspielerin und Tänzerin. Der Umzug war und ist eine grosse Umstellung, noch immer und auch wenn Künzli fast jeden Monat für Jobs hinreist.

«New York ist Musik, Los Angeles roter Teppich», sagt er, mit gewissen Vorbehalten natürlich. In LA würden Namen noch mehr zählen, alles sei noch oberflächlicher. Und doch sei es unabdingbar, sich in diesen Kreisen zu bewegen, sein Netzwerk weiter auszubauen. «Ich muss vor Ort sein, mich zeigen, mich in neue Kreise vorarbeiten und die Leute finden, die mir zusprechen; die gibt es hier natürlich auch. Nur wer dich kennt, bucht dich.»

Auf die eine Anfrage wartet er noch

Wohin ihn seine Reise noch führen soll, weiss Künzli nicht. Noch gefällt ihm das unstete, schnelle Leben, noch hat er nicht genug. «Noch bin ich hungrig, noch will ich in der Szene mitmischen.» Und noch reiche das Ersparte nicht, um sich in einem Chalet im Wallis zur Ruhe zu setzen, sagt er und grinst. «Noch nicht.»

Künzli zieht seine Agenda aus dem Rucksack, blättert sich durch die ersten Wochen des neuen Jahres. Sie sind fast leer, da sind erst ein paar Plattenaufnahmen und Liveshows notiert.
Wer weiss, vielleicht kommt sie ausgerechnet jetzt, die Anfrage, von der Mathias Künzli seit Bubentagen träumt: die von Paul McCartney.

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