In dieser Bar kehrt das junge Wynental ein – 20-Jährige betreiben sie freiwillig

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Das Team der Kellerbar (Bild; Flurina Dünki)

Sie heissen Anita, Oliver, David, Matthias und Yanick. Sie sind um die 20 Jahre alt, wohnen in Reinach, Gontenschwil, Burg und Menziken, machen eine Lehre, die Kanti oder stecken in ihren ersten Berufsjahren. Ganz normale junge Erwachsene eben, wie es sie im Wynental und allen übrigen Tälern des Planeten gibt. Und wie alle ihre Altersgenossen haben sie ein Hauptbedürfnis für jene Tageszeit, die nach dem durchgestandenen Pflichtprogramm kommt: In ihrer Freizeit das tun können, was ihnen beliebt.

Was logisch klingt, ist oft gar nicht so einfach, denn Voraussetzung dafür ist, dass es Orte gibt, wo man hingehen kann. Wo man ungestört ist und nicht zu viel Geld ausgeben muss. Anita, Oliver, David, Matthias und Yanick haben so etwas gefunden. Im 2018 eröffneten Freizeithaus Onderwerch in Reinach (neben dem Fussballplatz) betreiben sie an zwei Freitagen pro Monat die Kellerbar. Ausser der Theke steht dort drin ein Töggelikasten und ein Dartspiel, dazwischen schwarze Ledersofas, auf denen es sich die Nachwuchs-Barbetreiber zum Gespräch mit der AZ gemütlich gemacht haben.

Das Bar-Team organisiert sich selber

Das Gute daran: die jungen Wynentaler haben damit nicht nur für sich eine Feierabendbeiz geschaffen, sondern auch für ihre Altersgenossen zwischen 16 und 25 Jahren. «Und», sagt Anita Andric, «auch Alte sind bei uns willkommen».

Die 23-Jährige war bereits im Bar-Team des Jugendhauses in Menziken, solange dieses existierte. Von Meinrad Dörig, dem Leiter der regionalen Fachstelle Jugend, habe sie erfahren, dass im Onderwerch, dem ehemaligen Trafohaus, auch eine Bar geplant sei. Anita nahm ein paar Bar-Kollegen von Menziken mit nach Reinach. Dort trafen sie auf den Logistik-Lehrling Yanick Fessler und David Zimmerli, KV Lernender. Die beiden sind in ihrer Freizeit das DJ-Duo Tronix und waren auf der Suche nach einem Übungsraum im Onderwerch, als ihnen die Kellerbar auffiel.

Heute sind sie ein eingespieltes Team. Eines, das selbstständig Einsatzpläne macht, Getränke nachbestellt und zusammen entscheidet, welche Themenpartys organisiert werden sollen. «Wenn wir unsere Ideen gesammelt haben, gehen die Vorschläge nach oben», sagt Matthias Hunziker.

Herausfinden, was sie wirklich wollen

Mit «oben» gemeint ist Sascha Gisler, der Hausleiter Onderwerch der Fachstelle Jugend. Er coacht die junge Truppe und setzt Grenzen, wo eine Idee nicht realisierbar ist. Die Goa-Party für nächsten Freitag hat er bereits abgesegnet. «Den Jungen Gehör schenken» lautet das Rezept des 39-jährigen Sascha Gisler. «Wie soll man herausfinden, was sie wirklich wollen, wenn man ihnen das Wort nicht gibt?»

Was sie wollen, ist «etwas für die Jungen der Region machen», wie es Anita sagt. Aber können sie den Ausgang in die Bar überhaupt geniessen, wenn sie selber hinter der Tresen stehen? «Mich macht es zufrieden, wenn wir den anderen etwas bieten können», sagt der DJ David Zimmerli. Und Oliver Lehnherr, der schon einen Barkurs absolviert hat, wirft ein: «Als Organisator habe ich viel mehr Möglichkeiten, als wenn ich einfach als Gast herkomme, vor allem lerne ich etwas.» Verdienen tut das Bar-Team nichts, die Bar ist ihr Hobby. Mit dem Eingenommenen werden Getränke, Dekomaterial und anderes Nötige gekauft. Gerne hätten sie noch ein paar Gspähnli mehr im Team, die auch gerne im Untergeschoss des Onderwerch hinter der Theke stehen würden. Das übrige junge Wynental kann einfach nur einkehren. Diesen Freitag am besten in Schwarzlicht-gerechter Ausstattung.

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