Juwel aus der Gotik findet neuen Platz in der katholischen Kirche Reidens

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Pfarrer Jaroslaw Platunski: «Die Gottesmutter ist einzigartig.» Bild: ben
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Die Statue ist zirka 80 Zentimeter hoch und steht in einer panzerglasgesicherten Nische. Bild: zvg
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Die Marienburg in Wikon. In deren Kapelle stand die Muttergottes, bevor sie nach Reiden umzog. Bild: ben
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«Die Statue war wohl einst das Ziel von Wallfahrten auf die Marienburg.» Christian Meyer, Abt des Klosters Engelberg

Die Pietà, wie die gotische Marienstatue als «unsere Herrin vom Mitleid» kunsthistorisch bezeichnet wird, ist etwa 80 Zentimeter gross und in ihrer Darstellung ein bedeutendes Zeitzeugnis aus dem Mittelalter. Pietà steht begrifflich für die Abbildung der trauernden Maria als Schmerzensmutter mit dem Leichnam Jesu in ihrem Schoss (siehe Box).

Seit kurzem ist die bedeutsame Statue in der katholischen Kirche von Reiden ausgestellt. Der unbekannte Künstler bildete die Mutter Gottes in einer einzigartigen Ansicht ab: Maria steht aufrecht mit dem Leichnam und hält ihn nicht sitzend im Schoss wie in anderen Darstellungen. So einzigartig wie ihre Darstellung so präsentiert sich auch ihre Geschichte in der Region bis heute. Zuletzt stand die Pietà in der Kapelle der Marienburg in Wikon.

Rund hundert Jahre nach ihrer Fertigstellung um 1400 wäre die Statue fast für immer verloren gegangen: In den Religionswirren wurde die Marienskulptur 1527 von aufgebrachten Bürgern beim Bildersturm der ein Jahr danach protestantisch gewordenen Gemeinde Brittnau in ein Grab geworfen. Später sei sie von den protestierenden Bürgern zum Spott auf einen Brunnenstock gestellt worden, hält ein 42-zeiliges Gedicht in Frakturschrift auf einer Holztafel in der Kapelle der Marienburg zur Geschichte fest. Einer frommen Katholikin gelang es, die Muttergottes von hier aus ins Schloss Wikon in Sicherheit zu bringen. Schlossvogt Joseph Christoph Pfyffer liess 1711 die Gedenktafel mit dem Gedicht zum kulturhistorischen Juwel erneuern.

Sie stand wohl in einer Kirche der Region

«Diese Statue ist einzigartig in Europa», sagt der katholische Pfarrer von Reiden und Wikon, Jaroslaw Platunski stolz. Die kantonale Denkmalpflege habe sich mit ihr beschäftigt, und die Schwestern in Wikon hätten ihre Geschichte ebenfalls erforschen lassen. «Die Gottesmutter ist wohl einmal in einer Kirche oder Kapelle gestanden. Wo genau, weiss man aber nicht mehr.» Nun kann sie also in Reiden bewundert werden. Zum neuen Standort sagt Platunski: «Wir kamen zum Schluss, sie passe vom Stil her besser in die Kirche von Reiden. In Wikons Kirche hängt ja bereits ein historisches Bild.»

Der Reider Kirchenratspräsident Markus Husner freut sich ebenfalls über das Juwel. «Die Muttergottes-Verehrung kenne ich seit meiner Schulzeit», sagt er. Sie bedeute ihm viel. Die katholische Kirchgemeinde Reiden stellte finanzielle Mittel zur Verfügung, um der Leihgabe aus der Marienburg einen würdigen Platz zu geben. Für die Statue hat Schreiner Philipp Affentranger einen Beichtstuhl umgebaut und eine «Muttergottesnische» mit Beleuchtung eingerichtet. Für Sicherheit ist ebenfalls gesorgt: Die wertvolle Pietà steht hinter Panzerglas.

Einsegnung durch den Abt von Engelberg

Am Sonntag, 2. Februar, um 11 Uhr wird ein Festgottesdienst in der katholischen Kirche Reiden stattfinden. Der Abt von Engelberg wird dem Gottesdienst vorstehen und die Statue einsegnen. In Anwesenheit der Pfarreimitglieder und von eingeladenen Gästen. Kirchenratspräsident Markus Husner und Michaela Tschuor, die Gemeindepräsidentin von Wikon, werden ebenfalls Ansprachen halten. Im Anschluss gibt es einen Apéro im Pfarreizentrum.

Der Abt von Engelberg, Christian Meyer, sagt auf Anfrage dieser Zeitung, die Pietà sei wohl einst Ziel von Wallfahrten auf die Marienburg gewesen und später vergessen gegangen. Sie sei an den Ort gebunden gewesen und nicht an die Schwestern. Deshalb sei sie nach deren Auszug im Kloster verblieben. «Ich freue mich, dass die Schmerzensmutter jetzt eine neue Heimat gefunden hat», sagt Abt Christian. Das Benediktinerkloster Engelberg und das Kloster Marienburg hatten traditionell eine enge Beziehung. Und das kam so: Laut dem Abt war die Gründerin des Klosters in Wikon, Gertrud Leupi (1825–1904), zuerst eine Ingenbohler Schwester. Durch ihre Arbeit im Bürgerheim von Engelberg habe sie die benediktinische Spiritualität kennengelernt. «Es hat ihr den Ärmel reingezogen», sagt der Abt, «danach wurde sie eine Benediktinerin.»

Bis zirka 1997 sei der Seelsorger der Schwestern der Marienburg (Spiritual) deshalb immer ein Benediktiner aus Engelberg gewesen. Danach sei dies aufgrund des Personalbestands nicht mehr möglich gewesen. Doch als Delegierter des Bischofs vom Bistum Basel blieb der Abt der Verantwortliche und erste Ansprechpartner für die Schwestern. Im Februar 2019 zogen die Nonnen ins Frauenkloster Sarnen.

Was ist eine Pietà?

Die Pietà (auf Italienisch: Mitleid, Erbarmen) ist in der bildenden Kunst die Darstellung Marias als «Mater Dolorosa» (Schmerzensmutter) mit dem Leichnam ihres vom Kreuz abgenommenen Sohnes Jesus Christus. Die stehende Maria entwickelte sich in der im Mittelalter zur Blüte gelangenden Marienverehrung. Die sitzende Schmerzensmutter ist jünger; im Gegensatz zur Beweinung Christi liegt der Leichnam Jesu dort immer in Marias Schoss – und die Muttergottes sitzt. Die Darstellung wird auch Vesperbild genannt und findet sich in vielen katholischen Kirchen. Die Szene bildet die vorletzte Station der Kreuzwegandacht.

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