Nach Gebühren-Einführung: Spreitenbacher verursachen nur noch halb so viel Abfall pro Monat

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Ausnahmezustand: Unmittelbar vor der Einführung der Sackgebühr türmten sich in Spreitenbach die Müllberge. © Claudia Laube

Überquellende Container, stapelweise Abfallsäcke und an jeder Ecke Sperrgut: In den letzten Septembertagen herrschte ein Ausnahmezustand neapolitanischen Ausmasses. Spreitenbach verabschiedete sich vom alten Abfallreglement, das auf einer Pauschale – abhängig von der Wohnungsgrösse – basierte. Per 1. Oktober wurde die Sackgebühr eingeführt. Nach dreimaligem Nein an der Gemeindeversammlung hatte auch die letzte Gemeinde im Kanton Ja gesagt, wenn auch widerwillig und auf Druck des Gesetzgebers.

Seit vier Monaten herrscht in Spreitenbach nun kantonaler Normalzustand. Wie fällt die Bilanz aus? Eine Mitteilung des Gemeinderats Anfang Januar liess aufhorchen. «Im Rahmen der letzten Papiersammlung ist festgestellt worden, dass aus relativ vielen Haushalten nebst Altpapier und Karton auch Fremdstoffe zur Entsorgung bereitgestellt wurden.» Und weiter: «Mit Sicherheit nicht in die Papiersammlung gehören Elektronikabfall, Tetrapackungen, Styropor und Plastik.»

Nur noch 170 statt 310 Tonnen pro Monat

Viktor Ott, Bereichsleiter Tiefbau und Entsorgung der Spreitenbacher Gemeindewerke, zeichnet ein differenziertes Bild. Erfreulich sei: «Die Abfallmenge hat deutlich abgenommen.» Vor der Reglementsänderung hat die Müllabfuhr durchschnittlich 310 Tonnen pro Monat eingesammelt. Im September 2019, im letzten Monat vor der Einführung der Sackgebühr, waren es gar 450 Tonnen. Nun liegt der Wert bei 170 Tonnen pro Monat.

Otts Fazit: «Es wird weniger Abfall produziert, er wird grundsätzlich bewusster entsorgt und getrennt.» Bei den Wertstoffen, also vom Aluminium bis zum Glas, sei eine deutliche Zunahme zu verzeichnen. Anfangs seien die Sammelstellen regelrecht überquollen, da mussten auch die Gemeindewerke ihre Lehren ziehen und die Container der Sammelstellen öfter entladen.

Was mit der Einführung der Sackgebühr zugenommen hat, sei hingegen die wilde Entsorgung. Überraschend kommt dies nicht. Ott hatte bereits im vergangenen Herbst damit gerechnet. Der Kehricht wird in öffentlichen Abfallkübeln entsorgt oder neben den Wertstoffsammelstellen oder dem Altpapier deponiert. Die Touren zu den öffentlichen Abfallkübeln wurden deshalb erhöht. Wurden sie früher noch wöchentlich durchgeführt, werden die Kübel nun täglich oder mindestens alle zwei Tage geleert.

Abfallsünder werden hart angepackt

Eine andere Massnahme, die die Gemeinde ergriffen hat: Abfallsünder werden hart angepackt. Wer seinen Abfall nach wie vor in Gratissäcke packt oder im öffentlichen Raum entsorgt, wird gebüsst. «Irgendwo finden wir früher oder später immer einen Hinweis, von wem der Abfall stammt», sagt Ott. Oft sei es nötig, den Güsel zu durchwühlen. Das sei zwar unangenehm, aber angebracht und effizient. «Wir haben schon einige Bussen à 400 Franken zuzüglich Aufwandgebühr ausgesprochen», sagt Ott. Theoretisch sind Bussen bis 2000 Franken möglich.

Was dem Bereichsleiter der Gemeindewerke ebenfalls aufgefallen ist: «Die Trennung von Müll bereitet immer noch einigen Haushalten Mühe.» Oft sei es wohl keine böse Absicht, sondern schlicht mangelndes Wissen. Altpapier und Karton werden nicht sauber getrennt, Fremdstoffe wie etwa Styropor werden mit dem Karton entsorgt. Aber auch schon Drucker oder Glätteisen seien für die Papiersammlung vor die Tür gestellt worden.

Am meisten Probleme bereitet indes das Grüngut. «Viel Plastik und gekochte Speisereste finden sich darin», sagt Ott. Hier müssten die Leute noch zusätzlich motiviert werden, besser auf eine korrekte Trennung zu achten und Fremdstoffe zu vermeiden.

Für Abfall-Touristen nicht mehr interessant

Insgesamt fällt Otts Bilanz aber ansprechend aus. Die neue Abfall-Ära sei gut angelaufen, auch wenn ein Mehraufwand für die Gemeindewerke nicht abzustreiten sei. Im Sinne der Abfalltrennung und des Umweltbewusstseins sei es zu begrüssen, dass Spreitenbach die Sackgebühr eingeführt hat. «Eine Phase der Angewöhnung ist normal», findet Ott, «und Ausreisser wird es immer geben.»

Erwünschter Nebeneffekt: Der Abfall-Tourismus hat massiv abgenommen. Früher haben viele Auswärtige ihren Abfall in Gratissäcken in Spreitenbach abgeladen. In der Gesamtrechnung hat dies wiederum die Abfall-Pauschalen der Haushalte belastet. Doch die Zeiten, in denen Spreitenbach ein Eldorado für Abfall-Touristen war, gehören der Vergangenheit an.

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