Swiss, Läderach und die Toleranz

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Chefredaktor Philippe Pfister.

In der Schweiz wächst die Gruppe der Religionslosen rasant. Schon 28 Prozent aller über 15-Jährigen gehören keiner Religionsgemeinschaft an. Es gibt inzwischen mehr Konfessionslose als Reformierte, und in Zürich und Basel bilden die Religionslosen die grösste Gruppe. Um die fundamentale Verschiebung richtig einzuschätzen, muss man sich eine Zahl aus dem Jahr 1970 vor Augen halten: Damals gehörten annähernd 100 Prozent der Bevölkerung einer der Landeskirchen an – die eine Hälfte war katholisch, die andere reformiert.

Leute, die mit Religion nichts am Hut haben, werden möglicherweise jubeln und denken, mit dem Abschmelzen religiöser Vorstellungen wichen auch bornierte und fundamentalistisch angehauchte Denkmuster zurück.

Ich habe den Eindruck, dass eher das Gegenteil der Fall ist. Das neue Dogma, das sich immer mehr ausbreitet, brandmarkt religiöse Vorstellungen – vor allem jene, die die Moral betreffen – als rückständig und abstrafungswürdig. Jüngstes Beispiel ist die Swiss, die nach zehn Jahren die Zusammenarbeit mit dem Schokoladen-Hersteller Läderach beendet, weil dessen CEO Johannes Läderach offensiv christliches Gedankengut vertritt. Läderach passe nicht zum «Markenfit», wie es heisst. Spätestens jetzt weiss jeder Unternehmer, jede Unternehmerin im Land: Wer kritisch zu Gender oder zur Abtreibung steht, dem droht auch ökonomisch die Bestrafung. Also lieber den Mund halten!

Dem neuen Dogma ist fatalerweise der Gedanke völlig fremd, dass gerade Christen zwischen Sünde und Sünder unterscheiden: Weil Leute wie Läderach eine Praxis wie die Abtreibung ablehnen, heisst das nicht, dass sie Frauen deswegen verurteilen oder gar hassen. Die Nächstenliebe gilt allen, unabhängig von ihren Meinungen oder Taten. Es ist so: Von Leuten wie Läderach kann man etwas über Toleranz lernen.

Ihr Eintrag wird nach einer Überprüfung online gestellt.

Danke Herr Pfister

Roland Kyburz
schrieb am 17.02.2020 21:46
Bin froh, gibt es auch noch Berichte dieser Art! Übrigens weiss ich aus 1. Hand, dass Läderach z.B. auch Homosexuelle Angestellte hat, von einer Phobie, wie gewisse es nennen, kann also nicht die Rede sein.

Lieber Herr Pfister

Jana Widmer
schrieb am 08.02.2020 19:34
Als Chefredaktor hätte ich Ihnen mehr Recherche zugetraut, möglicherweise bewusst nicht? Hof Oberkirch, Namenswechsel als Verschleierungstaktik, Domino Servite Privatschule, Kwasizabantu, Südafrika, Rassendiskriminierung, Erlo Stegen, Zuckerbrot, Peische, Züchtigung ok, ich könnte noch viele Schlagwörter aufschreiben, leider, ich kann nicht glauben, dass sie nichts davon wissen, jeden Monat Versammlung, gehen sie mal hin....oder sind sie befürworter, diese Gesinnung hat nichts mit christlich zu tun

Swiss auf falschem Kurs

Jürg Streuli
schrieb am 08.02.2020 10:12
Die Linken verharmlosen beim Islam von der Verschleierung bis zur Scharia fast alles. Das Christentum wird hingegen als reaktionär verschrien. Die Abstrafung von Läderach durch die Swiss ist völlig unakzeptabel.

Eigenartige Perspektive

Philippe Meister
schrieb am 07.02.2020 23:15
Das Thema ist zugegeben komplex und ich erkenn die Gefahr, dass kaum mehr Meinungen möglich sind, ohne jemanden vor den Kopf zu stossen und Empörung zu ernten. Jedoch finde ich Ihre Sichtweise bestenfalls einseitig. Es geht nicht darum, was Herr Läderach glaubt, sondern was er tut. Er engagiert sich aktiv für die Einschränkung der Recht von Menschen in diesem Land. Und es zeut nicht von Tolleranz sein handeln gut zu heissen. Allgemein finde ich es mehr als Zynisch in diesm Fall Toleranz zu fordern. Denn genau das bringt Herr Läderach nähmlich nicht auf, und er arbeitet daran, dass möglichst viele Andere das auch nicht tun.

Sehr oberflächlicher Kommentar, Herr David Steiner!

Sabine Seringer
schrieb am 07.02.2020 11:52
Sehr geehrter Herr Steiner, es mag durchaus sein, dass die Läderachs einst in einem radikalen christlichen Umfeld unterwegs waren. Inwiefern ist dies jedoch relevant für die gegenwärtige Diskussion? Ist es wirklich gesellschaftlicher Fortschritt, wenn man zu Boykott aufruft, Farb- und Buttersäureanschläge durchführt und Angestellte eines Konzerns verunglimpft, aufgrund angeblicher homophoben Aussagen? Für mich ist das ein gesellschaftlicher Rückschritt.

Danke

Peter Müller
schrieb am 07.02.2020 10:55
Danke für den wertvollen Kommentar. Wer ebenfalls nicht einverstanden ist mit dem Läderach-Boykott, kann online eine Petition unterschreiben (Patriot Petition). Bereits 6'800 Personen haben unterschrieben.

Sehr Oberflächlicher Artikel

David Steiner
schrieb am 07.02.2020 10:32
Mit ein bisschen recherche ist einfach herauszufinden, in welchen radikalen christlichen Umfeld die Läderachs auch mitgewirkt haben(KSB).
Wer hier von Toleranz redet, ist wohl im letzten Jahrtausend stehen geblieben.
Dass homophobe und diskriminierende Äusserungen in der demokratischen Schweiz mehr Widerspruch auslösen als noch vor wenigen Jahren, nennt man gesellschaftlichen Fortschritt.

Danke!

Sonja Ammon
schrieb am 06.02.2020 22:45
Danke Herr Pfister für Ihren wertschätzenden und mutigen Beitrag. Dies kommt leider in den Zeitungen nicht mehr so oft vor!

Hut ab!

Erwin Pfister
schrieb am 06.02.2020 10:32
Danke für die klare Stellungnahme gegenüber der intoleranten Haltung der "Swiss". Schade, dass nicht alle Medien so reagieren!

Toleranz?

Sebastian Büchler
schrieb am 06.02.2020 09:45
Christliche Werte sind meines Erachtens Nächstenliebe, Barmherzigkeit, Gerechtigkeit.
Inwiefern ist die Unterdrückung von Frauen oder die Diskriminierung einzelner Gruppen ein christlicher Wert? Herr Läderach scheint (wie der Autor dieses Beitrags) eine ganz spezielle Form von christlichen Werten und Toleranz zu haben...

Bezeichnend

Herbert Blaser
schrieb am 05.02.2020 21:00
Ich habe einen wertfreien Kommentar abgeschickt, in dem ich Konsumboykott als legitimes Mittel in einem demokratischen Gefüge tituliere. Läderachs Menschenrechte werden dadurch nicht verletzt. Meine Frage an die Redaktion: Warum postet ihr diesen Kommentar nicht? Ihr gehört also auch zu denen, die anderen Intolerant vorwerfen aber selber keinen Deut besser seid!!! Als Zeitschrift, wohlverstanden. Na Bravo!

Strafe an Swiss

Banicole
schrieb am 04.02.2020 21:22
Ab sofort berücksichtigte ich Swiss nicht mehr für meine Business Reisen

Etwas falsch verstanden

rr
schrieb am 04.02.2020 11:25
"Jüngstes Beispiel ist die Swiss, die nach zehn Jahren die Zusammenarbeit mit dem Schokoladen-Hersteller Läderach beendet, weil dessen CEO Johannes Läderach offensiv christliches Gedankengut vertritt."
Ich würde eher sagen:"weil er NICHT christliches Gedankengut vertritt."

Toleranz

Thomas Hafen
schrieb am 03.02.2020 22:03
Ist viel wichtiger als eine scheinheilige Moralität!
Aus Intoleranz wachsen alle Kriege der Welt!

Bravo

Seraina Nydegger
schrieb am 03.02.2020 20:07
Einfach nur Bravo

Super

Cristina
schrieb am 03.02.2020 17:35
Danke für diesen super Input!

Respekt

Severin Keller
schrieb am 03.02.2020 15:45
Vielen Dank für diesen mutigen Artikel!! Er sagt aus was viele Denken, aber aufgrund der Hetze, nicht mehr öffentlich zu sagen wagen. Wir haben es wirklich weit gebracht! Was genau unterscheidet uns damit von diktatorischen Staaten, bei welchen die Meinungsfreiheit ebenso mit Füssen getreten wird?

Swiss versus Läderach

Ewald Zgraggen
schrieb am 03.02.2020 11:58
Einmal mehr eine Diskriminierung gegen das eigene Volk und dessen Grundrechten!!!
Ich rate allen die diese Meinungsfreiheit wertschätzen ab sofort die Swiss zu meiden!!

Das ist Journalismus - nicht Meinungsmache!

Regula Lehmann
schrieb am 03.02.2020 10:42
Endlich mal nicht nur langweiliges Framing, sondern faire Berichterstattung.
Ein Hoch auf intelligenten und fairen Jounalismus!

Danke

Angelika
schrieb am 03.02.2020 09:43
Danke für diese interessante Berichterstattung. Hilft dieses Geschehen mal aus einem anderen Blickwinkel zu her zu sehen und zu bewerten.

Bravo und Respekt!

René Meier
schrieb am 03.02.2020 09:42
Toller und mutiger Kommentar, auch eine in der breiten Öffentlichkeit unpopuläre Meinung zu vertreten.

Sowas liest man selten!

MLuke
schrieb am 03.02.2020 09:41
Danke für einen echt objektiven und ausgeglichenen Artikel!

Top Artikel!

Julius Jordi
schrieb am 03.02.2020 08:51
Ich bin baff...respekt endlich mal jemand der die Sache in einer Zeitung öffentlich und richtig schildert.

Totaltarismus

Hans Peter Wepf
schrieb am 03.02.2020 06:03
Wissen sie welcher Sudafrikanischen Irrlehre Herr Läderach angehört ?

Ein Journalist der einmal die Wahrheit sagt!

Jeannine
schrieb am 03.02.2020 00:17
Wow bin gerade etwas überrascht! Wusste nicht, dass es in der Schweiz Journalisten hat, die selber denken und eine Meinung bilden können! Vielen Dank für diese grossartige Auslegung von Tatsachen, endlich jemand, der die Wahrheit sagt! Vielen Dank!

Toller Kommentar

Boumi
schrieb am 02.02.2020 23:07
Dem Mainstream die Leviten gelesen!

Danke

Andy
schrieb am 02.02.2020 21:43
Ein mutiger Kommentar! Danke!!!

Top!

Alessandra Bieri
schrieb am 02.02.2020 18:18
Vielen Dank für den tollen Artikel. Es lebe die Meinungsvielfalt!

Swiss Läderach und die Toleranz

Evelyne Lottaz
schrieb am 02.02.2020 18:13
Von Hernn Läderach können sich viele eine Scheibe von abschneiden

Swiss, Läderach und die Toleranz

Peter Ladner, Rothrist
schrieb am 02.02.2020 17:29
Besten Dank Herr Pfister für die die Auslegeordnung zum Thema 'Toleranz'. Sie ist mutig und nicht selbstverständlich.
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