«Ich habe von Zofingen so gut wie alles gesehen. Aber nie, wenn wir da spielten»

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Büne Huber 2019 auf der Heitere Bühne (Bild: Leandra Jordi)

Büne Huber, wie geht es Ihnen? Schweben Sie auf Wolke 7?

(lacht) Wieso?

Sie sind auf einer Tournee, bei der fast alle Konzerte schon im Voraus ausverkauft waren …

Schon unsere beiden letzten Touren waren komplett ausverkauft. Trotzdem ist es nicht selbstverständlich, sondern wahnsinnig, dass eine Band so einen Zuspruch hat! Wir werden im Moment dafür belohnt, dass wir über all die Jahre schöne Konzerte gegeben haben. Wir sind wirklich eine starke Live-Band. Das hat sich herumgesprochen.

Wie anstrengend sind 50 Konzerte in fünfeinhalb Monaten?

Ich glaube, wir haben das immer geschafft, aber wir müssen schon schauen, wie wir das kräftemässig durchstehen. Das Hauptproblem an einer Winter-Tour ist der Wechsel. Draussen ist es kalt, drinnen ist die Luft trocken und du schwitzt auf der Bühne wie wahnsinnig. Da ist die Chance ziemlich gross, dass du dich erkältest. Erst recht in der heutigen Zeit, wo die Fans verschnoddert zu dir kommen und ein Selfie wollen! (lacht)

Haben Sie irgendwelche Tricks, um bei Stimme zu bleiben?

Ich habe schon lange aufgehört zu rauchen und merke, dass ich seither viel weniger gefährdet bin. Ansonsten arbeite ich mit den Tricks, die man früher schon kannte: Inhalieren, schauen, dass Feuchtigkeit auf die Stimmbänder kommt, nicht blöd tun nach den Auftritten und genug Schlaf. Eigentlich weiss man ja, was es braucht, aber es ist dennoch nicht immer einfach ...

Bei welchen Songs schnellt Ihr Adrenalin- und Endorphin-Pegel momentan besonders in die Höhe?

Momentan kann ich das nicht an einem bestimmten Lied festmachen. Es ist einfach geil mit dieser Band. Sie hat einen Wahnsinnsschwung und eine Leichtigkeit. Ausserdem ist unser Repertoire so gross wie noch nie. Wir könnten fünf bis sechs Stunden spielen!

Wie gehen Sie mit der Herausforderung um, am Konzert auf dem Gurten gemessen zu werden, das überall in den höchsten Tönen gelobt wurde?

Zwar spielen wir nicht vor einer solchen Masse von Leuten, aber wir können im Rahmen dieser Tournee tiefer schürfen. Auf dem Gurten liess das Zeitkorsett von 90 Minuten kaum Platz für stille Momente, in denen es ganz fragil werden kann. Grobmotorisches und Breitleinwand war angesagt. Drinnen kannst du auch spielen, was kein Hit war, sondern nur dich bewegt.

Was packen Sie für eine Tournee an Instrumenten, Kleidern und anderen Sachen ein? In Koffer, Tasche oder Container?

(lacht) Koffer reichen mir. Ich bekomme ausserdem noch eine Gitarre aufs Zimmer, damit ich mich beschäftigen kann, wenn ich noch zu aufgedreht bin, um schlafen zu können. Früher hatte ich noch eine Hermes Baby dabei, aber wenn die Familie mitkommt, schreibe ich auf meinem Laptop Logbuch, weil eine Schreibmaschine die Kinder wecken würde.

Sind die denn schon bei Ihren Konzerten dabei?

Nein, Max ist drei und Julie ist vier Jahre alt. Das wäre noch zu früh. Beim Soundcheck und im Studio erleben sie ihren Papa manchmal, und die Band ist für sie ein Teil unserer Familie.

Was mögen Sie am Touren speziell?

Man kommt in andere Ecken der Schweiz. Ich habe immer das Gefühl: Nach einer Tour spüre ich das Land besser, weiss, was die Leute in der Deutschschweiz beschäftigt. Ich komme bei den Konzerten mit Menschen in Kontakt und ich achte mich, wenn ich im Ort herumlaufe, welche Ausstellungen und Museen es gibt, für die ich zuhause mit zwei Kindern keine Zeit hätte. Ich geniesse es, wenn ich unterwegs kulturell auftanken kann.

Wann machen Sie das?

Das geht nur früh am Morgen, wenn wir am Konzertort übernachtet haben. Senile Bettflucht! (lacht)

Wenn Sie das Land so spüren, hätten Sie auch für das neue Parlament kandidieren können …

Nein, das hätte ich nicht. Ich tauge nicht zum Politiker. Mir fehlt dazu so gut wie alles.

Haben Parteien versucht, Sie für sich einzuspannen?

Nein, aber einzelne Politiker haben mich gefragt, ob ich sie unterstützen könnte, zum Beispiel auf Social Media. Das habe ich jedoch abgelehnt.

Aus Prinzip?

Nein, sie haben mir einfach keine Lust gemacht, mich für sie zu engagieren ... (grinst)

Patent Ochsner war einst Vorband von Stephan Eicher. Welche inzwischen bekannte Anheizer hatten Sie schon?

Bei uns hat es nie wirklich gut mit den Vorbands funktioniert. Das Publikum war immer sehr ungeduldig. Sie wollten uns hören. Anders war es, wenn wir Künstler für ein, zwei Songs auf die Bühne holen. Da erhielten sie mehr Aufmerksamkeit.

Was haben Sie von den Künstlern mitbekommen, die beim letzten Heitere Open Air vor und nach Patent Ochsner spielten?

Wir hatten nach unserem Auftritt in Locarno einige Tage frei und hatten uns viele Geschichten zu erzählen. Es war lauschig und flauschig und wir hingen gemütlich im Backstagebereich rum. Ich hab nicht mehr die leiseste Erinnerung, wer vor uns spielte. Ich weiss nur, dass wir alle richtig scharf aufs Konzert waren. Und dann haben wir sehr unbeschwert aufgespielt. Es fühlte sich an, als wären wir im Proberaum. Nach unserem Auftritt hatte ich einen ziemlich anstrengenden Interview-Marathon zu bewältigen und wurde von Radiostation zu Radiostation geschubst. Ich weiss echt nicht mehr, wer nach uns auf die Bühne ging.

Haben Sie an dieses oder frühere Heitere-Konzerte besondere Erinnerungen?

Vor einigen Jahren spielten wir am selben Tag wie die von mir bewunderten Counting Crows. Adam Duritz, der Sänger der Band, stand während unserer Show die ganze Zeit beim Monitormischpult. Mich hat das damals extrem nervös gemacht. Als ich von der Bühne kam, ergab sich ein längeres Gespräch zwischen ihm und mir, in  dem er Patent Ochsner über den Klee lobte. Er war richtig euphorisch und ich fühlte mich unbeschreiblich gebauchpinselt.

Sie sind schon oft in Zofingen aufgetreten. Wie viel haben Sie in all den Jahren von der Altstadt gesehen?

Ich habe von Zofingen so gut wie alles gesehen. Aber nie, wenn wir da spielten. Da gings immer um andere Dinge. Inzwischen sind wir mit Zofingen in einer ganz besonderen Art und Weise verbunden. Unser Posaunist René Mosele wuchs hier auf und Posaunistin Estefania Campaña wohnt hier und arbeitet da an der Musikschule. Man könnte schon beinahe von einem Heimspiel reden.

Büne Huber und Patent Ochsner

Sänger und Songschreiber Büne Huber ist der Kopf der Berner Band Patent Ochsner. Sie ist seit dem Debütalbum «Schlachtplatte» (1991) mit den Hits «Bälpmoos» und «Scharlachrot» nicht mehr aus dem Schweizer Mundartrock wegzudenken.

Während Kuno Lauener für Coolness steht, ist es bei Huber die Emotionalität, die ihn und seine Musik auszeichnet. Mit dem Album «Cut up», das Platz 1 der Hitparade erobert hat, und der Single «Für immer uf di», der nur Lady Gaga vor der Sonne stand, sind Patent Ochsner auf Club-Tournee.

Der gelernte Metallbauschlosser und Sozialpädagoge hat drei Kinder und lebt mit seiner zweiten Frau Sue und den Kindern Julie (4) und Max (3) in Bern. (rho)

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